Klimaschutzkonzept zur Zunkunftsmobilität in St. Ingbert vorgestellt

Stadtrat : In Zukunft auch ohne Auto mobiler sein

Es ist Halbzeit bei der Erarbeitung des Klimaschutzteilkonzepts für St. Ingbert in Sachen Zukunftsmobilität. Im zuständigen Ausschuss hat der Gutachten einen Zwischenbericht mit ersten Ergebnisssen vorgestellt.

Im April des vergangenen Jahres nahmen Gutachter der Planersocietät mit Sitz in Karlsruhe und Dortmund ihre Arbeit in der Mittelstadt auf. Seitdem wurde schon einiges auf den Weg gebracht – der Ist-Zustand wurde mit Fahrzeugzählungen an Verkehrsknotenpunkten und einem Stadtrundgang erfasst, Vorschläge und Kritiken nach der Auswertung von 4000 Haushaltsbefragungen in die Betrachtung aufgenommen. Hier betrug die Rücklaufquote 14 Prozent. Ein guter Wert, wie Gutachter Philipp Hölderich findet.

Außerdem gab es eine Informationsveranstaltung für den Stadtrat, es konstituierte sich ein Beirat zum Mobilitätskonzept und im September war eine Auftaktveranstaltung mit Bürgerforum im Kuppelsaal, in der Missstände und Vorschläge der St. Ingberter aufgegriffen wurden. Danach war ein Onlineportal mehrere Wochen für die Bürger freigeschaltet, auf dem allein rund 200 Anregungen eingingen. Nach etwas mehr als einem Jahr nach Beginn der Konzepterarbeitung stand Hölderich zum wiederholten Mal Rede und Antwort im Ausschuss für Stadtentwicklung, indem er den Zwischenbericht seines Büros vorstellte.

Die Zukunftsmobilität ist bundesweit in aller Munde, weshalb es Zeit sei, den veralteten Verkehrsentwicklungsplan von 1994, der bisher Planungsgrundlage ist, nicht nur auf den Prüfstand zu stellen, sondern aufgrund der rasanten Entwicklung zu überarbeiten beziehungsweise neu aufzulegen. Ergebnis aus allen Aktivitäten ist ein 180 Seiten starker erster Band zur Bestandsaufnahme der lokalen Verkehrssituation. In diesen flossen zum einen Ergebnisse und Rahmendaten vorhandener städtischer Planwerke ein, zum anderen wurden dort die verschiedenen Angebote zur Öffentlichkeitsbeteiligung aufbereitet und ausgewertet. Der aus zahlreichen Akteuren bestehende Beirat verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, Verbände und den Stadtratsfraktionen hat die Erstellung des Konzepts begleitet und wichtige Impulse geliefert. Ebenso eine verwaltungsinterne Steuerungsgruppe.

Beide Gremien diskutierten nach dem Abschluss der Bestandsaufnahme bereits die Oberziele einer zukünftigen Mobilitätsplanung. Dazu gehören die Stärkung der aktiven Mobilitätsformen, eine intensivere mobilitätsbezogene Information und Kommunikation, die Minimierung der Umweltbelastungen, die Förderung der Nahmobilität und die Sicherung der gleichberechtigten Verkehrsteilhabe, worunter auch die Barrierefreiheit fällt. Die Erkenntnis, dass St. Ingbert „überdurchschnittlich vom Auto dominiert wird“, wie das beauftragte Büro herausfand, dürfte niemanden überraschen. Und das, obwohl es in der Stadt einen „hohen Anteil an kurzen Wegen“ gebe. Pro 1000 Einwohner sind 842 Pkw zugelassen. Das ist wohl der auffälligste Wert der Zusammenfassung. Nach der Analyse des Fuß-, Rad- und Pkw-Verkehrs wurden folgende Erkenntnisse gewonnen: Beim Fußverkehr gibt es einzelne attraktive Teilbereiche, allerdings unattraktive Querungsbedingungen.

Beim Radverkehr gebe es „ordentliche Ansätze“ wie beispielsweise die Radabstellanlage am Bahnhof. Allerdings wurden die Lücken im Radwegenetz in den zentralen Bereichen bemängelt und die unattraktiven Führungsformen für Radfahrer. Der Rendezvous-Takt beim Öffentlichen Nahverkehr konnte punkten, die schwache Bedienung mit Busverbindungen an Sonntagen allerdings nicht. In St. Ingbert würde der fließende Pkw-Verkehr gut abgewickelt und das Verkehrsaufkommen sei leicht rückläufig, wenn auch im Zentrum noch zu dominant. Für den ruhenden Verkehr gebe es ausreichend Parkplätze, bei den kostenfreien Stellflächen in Innenstadtlage noch Nachholbedarf.

„Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es den Autofahrer in St. Ingbert sehr gut geht“, hieß es aus städteplanerischer Sicht. Auffällig sei, dass die Städter ihrem Fortbewegungsmittel treu verbunden sind. „Die St. Ingberter sind häufig monomodal unterwegs. Also mit Auto und Fahrrad zum Bahnhof und dann weiter mit der Bahn, das ist eher selten“, so der Gutachter. In der zweiten Hälfte des auf zwei Jahre angelegten Projektes bleibe das dialogorientierte Verfahren mit Bürgerbeteiligung weiterhin erhalten. „Schließlich wollen Sie ja nicht nur Maßnahmen genannt haben sondern auch einen Fahrplan“, stellte Hölderich ein positives Ergebnis der Analyse in Aussicht. Markus Monzel (CDU) wollte wissen, ob eine Priorisierung der Ziele geplant sei, was bejaht wurde. „Man kann auch über Leuchtturmprojekte sprechen und was uns nach vorn bringt“, so Hölderich. Beim Ausbau des Radfahrverkehrs könnte mehr passieren. Das zumindest suggeriert Hölderich mit dieser Aussage: „Es gibt topographisch bewegtere Kommunen, die aber wesentlich mehr Radfahrverkehr haben.“ Roland Körner (Familien-Partei) interessierte, welcher Anreize es für die Leute bedürfe, um vom PKW auf Alternativen umzusteigen. Eindeutige Antwort: „Eine ordentliche Infrastruktur, besseres Netz und bessere Verknüpfung der Verkehrsmittel.“

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