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Kleine Drahtwalzstraße war das Größte

Kleine Drahtwalzstraße war das Größte

Drei industriegeschichtliche Denkmäler - Rischbachstollen, Alte Schmelz und Beckerturm - , waren in St. Ingbert am Tag des offenen Denkmals vertreten. Mit Erfolg, zahlreiche Besucher informierten sich, stellten Fragen und machten ihr Interesse an der Geschichte deutlich.

Stefan Chadzelek (links) informierte Besucher im Zechenhaus am Rischbachstollen auch anhand von Bildmaterial´, wie es zur Blütezeit des Bergbaus in St. Ingbert aussah.

. In diesem Jahr stand der bundesweit begangene "Tag des offenen Denkmals" am 13. September unter dem Motto "Handwerk-Technik-Industrie". In St. Ingbert beteiligten sich mit dem Rischbachstollen, der Alten Schmelz und dem Beckerturm gleich drei industriegeschichtliche Denkmäler an der Veranstaltung. Mit Führungen, Besichtigungen, Vorträgen, der Ausstellung von Exponaten und Mitmachangeboten buhlten alle drei "Lokalitäten" um die Aufmerksamkeit der Besucher. Nicht einfach an einem Wochenende, an dem die Stadt veranstaltungstechnisch "aus allen Nähten platzte". Trotzdem interessierten sich viele Besucher für jeden der drei Standorte gleichermaßen und es waren keine konkurrierenden Angebote, sondern sich ergänzende.

Bereits um 12 Uhr hatten Susanne Nimmesgern und ihre Kollegen in der ehemaligen Werkssiedlung der Alten Schmelz viele Besucher in mehreren Gruppen über das Gelände und in einige Gebäude geführt. Besonders das wieder in Gang gebrachte Modell einer Drahtwalzstraße, das bisher im Stadtarchiv ein trauriges Dasein fristete, fand seine Bewunderer. Mehrmals musste Waldemar Erdmann die Miniaturausgabe der Maschine anwerfen, bis sie auch der letzte wissbegierige Denkmalbesucher in Aktion gesehen hatte. Das faszinierte Kinder und Erwachsene gleichermaßen. War bis zu diesem Tag nicht klar, aus welchem Anlass die Miniatur gebaut wurde und ob es die Walzstraße so überhaupt gab, brachten an diesem Sonntag einige Besucher nicht nur Licht ins Dunkel, sondern dazu auch gleich Fotos und Informationen mit. Und so musste Josef Sebastian, der die Funktionsweise erklärte, die in der Möllerhalle aufgehängten Erklärungen nach dem Tag des offenen Denkmals umschreiben. Die Original-Walzstraße, die Lager aus Holz hatte, lief nicht nur, wie gedacht, bis in die 70er Jahre, sondern bis Ende 1980 dort, wo sich heute das DNA-Gelände erstreckt. Die Tochter eines ehemaligen Mitarbeiters der Drahtwerke brachte Bilder, die die Walzstraße an ihrem letzten "Arbeitstag" zeigte. Die Möllerhalle bot den Interessierten außerdem noch das restaurierte Uhrwerk aus deren ehemaligem Turm und mit unterschiedlichen Beleuchtungskörpern, die die Szenerie erhellten, auch gleich noch einen kurzen Abriss der "Licht-Geschichte" am Arbeitsplatz. "Toll" und "Faszinierend", lautete der Kurzkommentar zweier Besucher. Selbst zur besten Mittagszeit fanden Besucher den Weg auf das Gelände, auf dem auch vorgeführt wurde, wie Nägel geschmiedet werden. Im Konsumgebäude konnten "Leuchtmännchen" zusammengelötet werden und bei Geschicklichkeitstests war Köpfchen gefragt.

Am Rischbachstollen beschränkte sich das Angebot am Tag des offenen Denkmals nicht nur auf das Öffnen des Grubenstollens für Bergbauinteressierte, sondern in der Lampenstube zeigte Stefan Chadzelek auch Bilder davon, wie der Bergbaubetrieb früher die Szenerie St. Ingberts beherrschte. Ein Knirps wollte wissen, wo und wie viel Kohle denn nun abgebaut wurde. Diese Frage wurde ihm ebenso beantwortet, wie viele andere auch. Fragen stellen war auch am Beckerturm erwünscht, wo sich einige ehemalige Brauerei- und Lieferfahrzeuge in Stellung gebracht hatten und sich den Gästen präsentierten. Oldtimer-Liebhaber fachsimpelten über Nachbauten, Original-Teile, Fahrzeugdaten und schwelgten angesichts des 100.Geburtstags des Nash, der früher für die Becker-Brauerei fuhr, in Erinnerungen. Hin und wieder wechselten Brauerei-Sammlerstücke den Besitzer.

Für den Denkmaltag waren die drei Standorte prädestiniert, denn sie zeigten nicht nur entweder Handwerk oder Technik beziehungsweise Industrie, sondern versuchten mit ihren Angeboten jeweils alle drei Sparten mit Inhalten zu füllen, was jedem Denkmal für sich überzeugend gelang.