Klares Bekenntnis zur Uniklinik

Das Gesundheitswesen sorgt für Schlagzeilen. Auch und gerade im Saarland. Einerseits Spitzenforschung, renommierte Mediziner und engagierte Pfleger. Andererseits langes Warten auf einen Termin beim Facharzt, begrenzte Leistungen für Kassenpatienten und nicht selten proppenvolle Kliniken, von denen viele trotzdem in die roten Zahlen abrutschen. Die SZ hat ausgelotet, was die Saarländer von dieser Entwicklung halten.

. Die Saarländer beurteilen die Entwicklungen im Gesundheitswesen sehr differenziert, verteilen Lob ebenso wie Kritik. Und stehen eindeutig zu "ihrer" Uniklinik. Dies belegt eine aktuelle SZ-Online-Umfrage. Den Anspruch, lupenrein repräsentativ zu sein, erhebt dieses Meinungsbild nicht. Aber da sich 925 Männer und Frauen aus allen Teilen des Saarlandes und aus allen Bildungsschichten beteiligt haben, junge wie alte, gibt die Befragung doch verlässlich Auskunft, wie die Menschen denken.

Die SZ wollte wissen, wie die saarländische Krankenhaus-Landschaft mit 21 Häusern und gut 6300 Betten beurteilt wird. 20 Prozent der Befragten sind der Ansicht, die Zahl der Kliniken und Betten sei zu hoch. 17 Prozent halten sie für zu niedrig. Fast zwei Drittel indes meinen, das Mengengerüst sei, so wie es ist, gerade richtig.

Es gibt Klinken in öffentlichem Eigentum (Land/Kreis/Stadt), in kirchlicher Verantwortung, es gibt Knappschaftskliniken und Krankenhäuser unter privater Regie. "Hat diese Trägerschaft eine Auswirkung auf die Qualität der Behandlung und Betreuung?", fragten wir. "Ja" antworten 52 Prozent der Befragten, "nein" sagen 27 Prozent. 21 Prozent legen sich nicht fest.

"Welche der genannten Trägerschaften finden Sie am besten?", interessierte uns. 52 Prozent votieren für Kliniken in öffentlich-rechtlicher Verantwortung, 20 Prozent für kirchliche Einrichtungen, 19 Prozent für Knappschaftskliniken und nur neun Prozent bevorzugen Kliniken in Privatbesitz.

Auch mit der Tatsache, dass viele Krankenhäuser inzwischen rote Zahlen schreiben, wurden die Teilnehmer der Online-Befragung konfrontiert. 42 Prozent sind dafür, dass die Defizite der Häuser in öffentlicher Hand mit Steuermitteln ausgeglichen werden, selbst wenn dafür an anderer Stelle, zum Beispiel bei Schulen, Kitas, Kultur und Straßensanierungen, gespart werden muss. 24 Prozent halten das für den falschen Weg, 34 Prozent wollen sich bei dieser Frage nicht entscheiden.

Im Saarland werden pro Jahr nur noch 7000 Kinder geboren. Das hatte und hat die Aufgabe einiger Entbindungsabteilungen zur Folge, zum Jahreswechsel in Püttlingen, demnächst in Dudweiler. Die Mehrheit der Befragten zeigt dafür Verständnis. "Das ist die logische Konsequenz", antwortet eine Leserin. "Wenn nicht genug Kinder auf die Welt kommen, kann man einige Entbindungsstationen getrost schließen, auch Kostengründe sind zu berücksichtigen", meint ein männlicher Umfrage-Teilnehmer. "Es liegt daran, dass Deutschland immer kinderfeindlicher wird", bedauert - fast schon resignierend - ein anderer Leser.

Gute Klinik-Erfahrungen

Auch nach persönlichen Erfahrungen in saarländischen Krankenhäusern haben wir die Umfrage-Teilnehmer gefragt, sofern die Behandlung nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Die Antworten erfolgten im Schulnoten-System (sehr gut bis ungenügend, 1 bis 6). Unter dem Strich gibt es für die ärztliche Behandlung in saarländischen Kliniken aus Patientensicht die Durchschnittsnote 2,38. Die Betreuung durch Krankenpflegerinnen und -pfleger liegt bei 2,42, also auf ähnlichem Level. Der Zustand der Einrichtungen (Behandlungsräume, Patientenzimmer, Aufenthaltsräume, Cafeteria) wird von den Teilnehmern unserer Umfrage etwas schlechter, nämlich mit der Durchschnittsnote 2,81, eingestuft.

Die Spitzenmedizin und die Ausbildung von Ärzten stand ebenfalls im Fokus. "Wie schätzen Sie die Bedeutung der Universitätsklinik in Homburg für das Saarland ein?", lautete eine Frage. "Sehr wichtig" antworten 63 Prozent, "wichtig" 29 Prozent. "Nicht wichtig" finden lediglich vier Prozent, ebenso viele klicken "weiß nicht" an. "Das Saarland gibt für sein Uniklinikum im Jahr rund 45 Millionen Euro aus. Halten Sie das für Luxus?" Auch bei dieser Anschluss-Frage bleiben die SZ-Leser auf Kurs, stehen fest zum Uniklinikum. "Nein, das ist kein Luxus", denken vier Fünftel der Befragten. Sogar 90 Prozent sind dafür, dass die Ausbildung von Ärzten in Homburg weitergeführt wird - trotz der hohen Kosten eines Medizin-Studienplatzes.

Schließlich warf die SZ-Online-Umfrage noch einen Blick auf die Versorgung der Bevölkerung durch niedergelassene Ärzte. Vor allem im ländlichen Raum gibt es diesbezüglich ja schon manchen Engpass. 90 Prozent der Umfrage-Teilnehmer befürchten, dass dieses Problem noch zunehmen wird.

"In jüngster Zeit berichten Patienten über lange Wartezeiten bis zu einem Behandlungstermin beim Arzt. Was halten Sie für angemessen?" Bei dieser Frage hatten wir keinerlei Antwortmöglichkeiten vorgegeben, sondern frei formulierte Einschätzungen erbeten. Entsprechend groß ist die Bandbreite. "Null!!!", antwortet einer. "10 bis 15 Minuten" etliche andere. Viele sind aber auch wesentlich geduldiger, akzeptieren ohne Groll Wartezeiten von zwei oder sogar vier Wochen, wenn es um Routine-Untersuchungen geht.

Arztbesuch als Zeitfresser

"Bei Verdacht auf eine schlimme Krankheit muss vorgezogen werden", fordert jedoch ein Leser. Und viele andere der Befragten sehen es ähnlich. Etliche SZ-Leser sprechen bei dieser Frage an, dass ihnen die Abläufe in manchen Praxen nicht optimal organisiert erscheinen. Selbst bei vorheriger Terminabsprache wird mancher Arztbesuch für den Patienten offenbar zum Zeitfresser.

Seit einigen Jahren diskutiert die Öffentlichkeit über die so genannte "Zwei-Klassen-Medizin". "Finden Sie es in Ordnung, wenn Privatpatienten bevorzugt behandelt werden?", wollten wir deshalb wissen. Das Resultat: 76 Prozent sagen "nein", 19 Prozent antworten "ja". "Weiß nicht" klicken fünf Prozent.

Zu guter Letzt haben wir die Tatsache angesprochen, dass es im Saarland deutlich mehr Krankschreibungen als im Bundesdurchschnitt gibt und gefragt: "Woran könnte das liegen?" "Am Leistungsdruck, am Stress im Job", meinen viele. Aber es gibt auch mehrere Umfrage-Teilnehmer, die die Wurzel des Übels in "Cattenom", dem französischen Kernkraftwerk dicht hinter der Grenze, vermuten oder gar in "Schwenker und Lyoner".

Klares Bekenntnis zur Uniklinik

Zum Thema:

Stichwort SZ-Umfrage-Center: Es gibt viele Themen, die die Saarländer bewegen und die intensiv diskutiert werden. Damit die Meinung der Leser in Zukunft noch größere Beachtung findet, hat die Saarbrücker Zeitung ihr Umfrage-Center neu gestaltet. Wer da mitmachen will, muss sich einmalig registrieren. Und wer schon an Befragungen unter sz-umfrage.de teilgenommen hat, kann seine Login-Daten weiter nutzen. Umfrage-Teilnehmer werden mit Punkten belohnt. Ab 20 Punkten können diese in Amazon.de-Einkaufsgutscheine umgewandelt und dann beim nächsten Einkauf im virtuellen Kaufhaus eingesetzt werden. klö sz-umfrage.de