Kirmes in Rohrbach mit Kerwesingen, Kerweredd und Parade

Tradition : Kerwesingen stimmte auf die Kirmes ein

Nach Parade und dem Anschießen folgten in Rohrbach Gesang, Trinksprüche und die Kerweredd, verbunden mit jeder Menge Spaß.

Mit einer Parade der teilnehmenden Vereine, der Straußbuwe und -mäde und natürlich dem Hammel voran kündigte sich am vergangenen Samstag das Kerwesingen an. Vor zwei Jahrzehnten haben der heutige Ortsvorsteher Roland Weber und der heutige Moderator Martin Biedermann das Kerwesingen aus der Taufe gehoben. Mit dem Ziel „dass sich die Bevölkerung an einem solchen Tag hier trifft“.

2019 jährte sich dessen „Geburt“ zum 20. Mal. Und der Männerchor 1860 Rohrbach, der die Veranstaltung organisiert, sorgt für alles – selbst fürs Wetter. „Wir haben geheizt“, scherzte Heinz Regel mit Blick auf den strahlenden Sonnenschein und nahezu hochsommerliche Temperaturen, bei denen die Getränke einmal mehr willkommen waren. Sieben Gruppen gestalteten das Kerwesingen, eine weniger als angekündigt. Nicht nur die älteren Vereine haben Mitgliedersorgen, auch bei der Kita St. Johannes hatten sich nicht genügend singende Kinder für diesen Anlass gefunden. Sowieso seien nicht nur die Vortragenden wichtig, sondern vor allem die vielen Gäste.

„Ohne Sie wäre das hier alles wie die Suppe ohne Salz“, sagte Regel und erntete mit dieser Feststellung ein „So isses“ aus dem Publikum. Roland Weber, der im vergangenen Jahr ausgiebig erklärt hatte, wie denn das Datum der Kerb seit jeher festgelegt ist, sprach beim diesjährigen Termin von einem Präzedenzfall. Finde doch die Traditionsveranstaltung auf einen Antrag des Gemeinderates 1892 immer an dem Sonntag statt, der auf den 21. September folge. Und nun sei das Kerwesingen bereits an besagtem Tag und dieser aber ein Samstag. Die eigentliche Kirmes werde aber eben am Sonntag gefeiert, wie es das „uralte Gesetz“ wolle.

Und dann ging es weiter im geschichtlichen Exkurs des Ortsvorstehers: Eigentlich wäre das Kirchweihfest in früheren Zeiten in Rohrbach den Katholiken vorbehalten gewesen, doch die Industrialisierung habe immer mehr Protestanten angezogen, so dass es zunehmend das Fest aller Bürger wurde. Und um allen Menschen gerecht zu werden, sei genau dieser eine Sonntag für die Aktivitäten rund um die Kerb bestimmt worden. Leider habe Rohrbach seit 2004 kein reines Kirmestreiben mehr. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es dieses mit den Fahrgeschäften  wieder gebe, wenn mehr Besucher kämen. „Liebe Kinder, dann wartet ihr eben noch 14 Tage und geht auf die Kerb nach Dengmert“, schlug er vor.

Weber freute sich aber vor allem, dass es immer wieder „Leute gibt, die hier singen“. Allerdings nun ohne Jury, wie es laut Martin Biedermann früher mal gewesen sei: „Die haben dann bestimmt ,Du warst besser, schlecht oder noch schlechter, und die hatten selbst keine Ahnung vom Singen‘“. Deshalb sei die (be-)urteilende Gruppe abgeschafft worden. Gegen die jüngsten Sänger, wie die von der städtischen Kita Detzelstraße, die den Startschuss für das Kerwesingen gab, hätte sowieso niemand ankommen können. Sie waren hippelig, offen, neugierig, nervös, sangen mit wahrer Inbrunst und waren einfach nur unschlagbar authentisch. „Ein Lied wollen wir singen, mit unseren Stimmen“ kam es dann aus vielen Kehlchen, gefolgt von „Das eine Lied gibt’s noch nicht und das ist das über mich“. Sie bekamen, wie die Pfadfinder, der Rohrbacher Männerchor und deren Stammtischfrauen, die Rohrbacher Becker Bier Buwe, die Turnerfrauen des Kneipp-Vereins und die KG „Dann wolle ma emol“ den verdienten Applaus.

Den holte sich auch Günter Weiland ab, der die Kerweredd beisteuerte, in der er das vergangene Jahr „verarbeitete“. Er sah aber auch in die Zukunft, denn ab Oktober werde alles anders. Dann gebe es einen neuen OB und auch einen neuen Pfarrer. Außerdem werde es wohl nie mehr vorkommen, dass Rohrbach in Dengmert den OB stellt. Dafür gab es ein musikalisches „Good bye, my love, good bye“. Dem baldigen Ex-OB sei die Urne als vormaligem Bestatter und Schreiner gleich doppelt zum Verhängnis geworden. Er habe die Arbeit mit den Friedhofsurnen aufgegeben, aber die Wahl-Urne habe ihm ebenfalls kein Glück gebracht. Weiland streifte verbal noch einige Spatenstiche, unfertige Bauvorhaben und -ruinen in Rohrbach und St. Ingbert, bevor es im Liedprogramm weiterging.

Währenddessen brachte die Kerwejugend den Verkehr teilweise zum Erliegen. Wer sich am Samstag noch anderweitig kulturell umsehen wollte, war bei der Künstlergruppe Rohrbach im BüRo willkommen, wo sich seit Freitag eine Ausstellung um die Kunst drehte. Und wer dann immer noch Lust auf Gesellschaft und Kerwetreiben hatte, kam am Wochenende zu Martins Mallorca-Party oder der Deutschen Schlagerparade einfach wieder.

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