Kiowerkstatt St. Ingbert zeigt Gundermann

Kinowerkstatt : Rendezvous mit Marx und Gundermann

Zwei beeindruckenden Persönlichkeiten, der eine Politiker, der andere Musiker, widmen sich die Filme in der Kinowerkstatt.

„Gundermann“ (Deutschland 2018), der neue Film von Andreas Dresen, erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. „Gundermann“ ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen.

„Gundermann“ ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit. „Gundermann“ läuft jetzt auch in St. Ingbert, Kinowerkstatt, am Freitag, 14. September, am Samstag, 15. September, jeweils um 20 Uhr, am Sonntag, 16. September um 17 und 20 Uhr, sowie am Montag, 17. September, um 20 Uhr.

Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen in Gundermann einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Hauptrolle spielt Alexander Scheer, der alle Lieder im Film selbst eingesungen hat. Anna Unterberger steht als seine Frau Conny Gundermann vor der Kamera. In weiteren Rollen sind unter anderem Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer und Peter Sodann zu sehen.

Gundermann brannte für seine DDR und war umso enttäuschter vom real existierenden Sozialismus. Er habe aufs richtige Pferd gesetzt, leider habe es nicht gewonnen, sagt Gundermann und „von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse . . .“ Ein bisschen Glück genoss aber auch Gundermann: Da ist ja noch die nimmer endende Liebesgeschichte mit Conny, die er nach sehnsüchtigen Wartejahren einem Bandkollegen ausspannt – auch nicht gerade ein feiner Charakterzug. Und da sind vor allem die 18 neu bearbeiteten Gundermann-Lieder, die der phänomenale Hauptdarsteller Alexander Scheer allesamt selbst singt und dazu Gitarre spielt. „Gundermann“ erzählt nicht nur von Gerhard Gundermann, sondern auch von dessen Musik.

Zudem ist „Der junge Karl Marx“ (Belgien/Frankreich/Deutschland· 2017) von Raoul Peck mit August Diehl (Karl Marx), Stefan Konarske (Friedrich Engels), Vicky Krieps (Jenny Marx) und Olivier Gourmet (Pierre Proudhon) am Montag, 17. September, um 18 Uhr noch einmal in der Kinowerkstatt zu sehen.

Das üppig ausgestattete Filmporträt, spannend und mitreißend, zeigt die entscheidenden Jahre im Leben von Marx, speziell die Zeit im Pariser Exil, wo er auf Friedrich Engels (Stefan Konarske) trifft. „Der Film ist überraschend unterhaltsam und inhaltlich ein sehr modernes Werk“, sagte Jörg Taszman im Deutschlandradio vor einem Jahr.

Eine Szene aus dem Film „Der junge Karl Marx“. Foto: Neue Visionen

Der Film widmet sich einer Lebensphase des 1818 in Trier geborenen Philosophen und Theoretikers Karl Marx (August Diehl), den Mann, der „Das Kapital“ schrieb und als erster die destruktive Dynamik des Kapitalismus erkannte, als Exilant in Paris sowie später in Brüssel, beginnend im Jahre 1844. Mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) und der gemeinsamen Tochter fristet er ein bescheidenes Dasein, das er mit Schreibaufträgen von Arnold Ruge (Hans-Uwe Bauer), seinem ehemaligen Chef bei der Rheinischen Zeitung, finanziert. Im englischen Manchester sucht Friedrich Engels (Stefan Konarske) – Sohn eines bourgeois-ausbeuterischen Fabrikbesitzers – unterdessen den direkten Kontakt zur Arbeiterklasse, um aus erster Hand über deren Lebens- und Tätigkeitsbedingungen schreiben zu können. Dabei lernt er die irische Baumwollspinnerin Mary Burns (Hannah Steele) kennen und lieben.

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