Kinowerkstatt St. Ingbert eröffnet die „Bliesgau-Lammwochen“

Kinowerkstatt St. Ingbert : Kinowerkstatt eröffnet „Lammwochen“

Am Freitag kommt der Schriftsteller Alfred Gulden mit seinem Film „Eine Osterreise“ und einer Lesung.

Zwei besondere Ereignisse stehen in dieser Woche auf dem Programm der Kinowerkstatt St. Ingbert in der Pfarrgasse 49: Am Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr, die filmische und kulinarische Eröffnung der diesjährigen Lammwoche vom 18. bis 27. Oktober mit einem Film und anschließendem Buffet. An diesem Abend läuft in der Kinowerkstatt der Film „Kirschblüten und rote Bohnen“. Der Film ist ein anrührend-ergreifendes Drama, das der Zubereitung des Essens eine mythische Bedeutung verleiht, in der Wissen, Erfahrung und die Kunst, den Dingen ihre Zeit zu lassen, zusammenfinden. Im Anschluss an den Film wird zu einem kleinen Imbiss eingeladen.

„Die Bliesgau Lammwoche ist ein Weg, über das Kochen und Genießen den Zugang zur Bildenden Kunst lustvoll zu erfahren.“ Das ist die Philosophie von Rudolf Schwarz, dem Kunstschäfer aus Ballweiler, der vor rund siebzehn Jahren die erste Lammwoche initiierte und organisierte. Und genau so lange wird die Lammwoche in der Kinowerkstatt mit einem zum Thema passenden Film eröffnet - und somit dient die Filmkunst und die anschließende Einladung zum Vorkosten von kleinen Lammspezialitäten als Aperitif für die kommenden zwei Lammwochen.

Am Tag darauf, am Freitag, 18. Oktober, um 19 Uhr, ist der saarländische Schriftsteller Alfred Gulden persönlich zu Gast mit seinem Film „Eine Osterreise“ nach Theodor Fontane und einer Lesung. Es ist ein Abend, zu dem die Rosa Luxemburg-Stiftung Saarland und die Kinowerkstatt St. Ingbert einladen. Theodor Fontane bereiste 1871 die Schlachtfelder des besiegten Frankreichs. Wie sich der „in der Wolle gefärbte Preuße“, der Abkömmling von Hugenotten, der dem preußischen König ein pflichtgetreuer Untertan ist, zwischen den verschiedensten Fronten bewegt, was er davon mitteilt in seinem Tagebuch und wie es heute, nach zwei weiteren schrecklichen Kriegen, dort aussieht, davon handelt die literarische Filmerzählung von Alfred Gulden.

Bei der Preisverleihung zum Dokumentarfilm „Grenzfall Leidingen“ fragte der damalige SR-Chefredakteur Alfred Gulden, ob er sich einen anderen Film mit ähnlichem Thema vorstellen könne. Konnte er nicht. Jahre später, nach einigen anderen Filmen, hatte Gulden plötzlich beim Lesen eines Rimbaud-Gedichtes den Einfall. Und als ihm die beiden, noch in der damaligen DDR gekauften Fontane-Bände (Titel: „Kriegsgefangen. Erlebtes 1870“ und „Aus den Tagen der Okkupation. Eine Osterreise. 1871“) in die Hände fielen und – es gibt wahrlich keine Zufälle – in den „Verklingenden Weisen„ von Louis Pincks Lothringer-Lieder-Sammlung nach einem bestimmten Lied (es kommt neben anderen Lothringer Liedern in Guldens Roman „Die Leidinger Hochzeit“ vor) suchte, stieß er dabei auf Soldatenlieder. Alfred Gulden hatte sein Thema und drehte die „Osterreise“. Anlässlich des 200. Geburtstags von Theodor Fontane begibt sich Alfred Gulden erneut auf die Spuren des großen Schriftstellers.

Auf die Spuren Fontanes und den Schlachtfeldern von 1870/71: Alfred Gulden auf dem ehemaligen Schlachtfeld Gravelotte in Lothringen. Foto: Patric Bies

www.kinowerkstatt.de

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