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Kinderschutzbund St. Ingbert diskutierte mit den OB-Kandidaten

Kinderschutzbund : Wie wird St. Ingbert kinderfreundlich?

Zu einer Fragerunde waren die drei Oberbürgermeister-Kandidaten am Montagabend vom Kinderschutzbund in die Kinowerkstatt eingeladen wurden. Es ging um die künftige Kinder- und Jugendpolitik in der Mittelstadt.

Im Vorfeld wurde für Hans Wagner, Sven Meier und Ulli Meyer ein großes Paket mit Fragen geschnürt, die in knapp zwei Stunden von den Kandidaten gar nicht alle beantwortet werden konnten, da diese mit den Moderatorinnen und vor allem den Besuchern in eine rege Diskussion einstiegen. „Wir wünschen uns eine kinderfreundliche Stadt, denn eine Stadt für Kinder ist gleichzeitig eine Stadt für alle“, sagte Ute Strullmeier, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes St. Ingbert, zu Beginn der Veranstaltung, „ich wünsche mir, dass wir die Visionen wahr werden lassen, von denen wir gleich hören.“ Wenn alle Pläne, die von den drei Kandidaten vorgestellt wurden, nach der Wahl am 26. Mai realisiert würden, dann könnte sich die Mittelstadt zu Recht mit dem Titel „Kinderfreundliche Kommune“ schmücken.

In einer kurzen Einführung stellten die drei Kandidaten sich sowie Pläne und Ideen für eine familienfreundliche Stadt vor. Für Ulli Meyer heißt Kinder- und Jugendpolitik, „in erster Linie Wertschätzung für das zu entwickeln, was Kinder und deren Eltern brauchen“ – also Spielplätze und mehr Ganztagsschulen“. Eine zentrale Baustelle sei aus seiner Sicht der schlechte Zustand der Grundschulen, den es zu beseitigen gelte. Man müsse die äußeren Bedingungen dem Umstand anpassen, dass es wieder mehr Nachwuchs gibt. Ziel müsse es sein, dass die Eltern sagen: „Ich kann mein Kind in die Freiwillige Ganztagsschule (FGTS) schicken, da wird es gut betreut.“ Das werde die Stadt sich aber was kosten lassen müssen.

Hans Wagner ging vor allem auf die bereits angeschobenen Dinge „seines“ (Rat-)Hauses ein. Er hob bestehende Angebote wie das Begrüßungsgeld für junge Eltern, das Jugendzentrum, die Arbeit der Jugendpfleger und Busbegleiter für die Schulkinder im ÖPNV hervor. Dies sei ein „Zeichen, dass wir uns um Jugendliche kümmern“. Wagner nannte die Zahlen der zusätzlichen Krippen- und Kita-Plätze, die geschaffen wurden und werden und die dafür investierten elf Millionen Euro. Bei den genannten Dingen sei es aber egal, wer dann OB werde, weil die Stadtverwaltung diese ja schon auf den Weg gebracht habe, sagte Nicola Voges vom Kinderschutzbund. „Damit haben wir aber unserer Pflicht erfüllt“, so der aktuelle OB. Mit dieser Aussage sorgte er für Kopfschütteln bei den zwei Mitbewerbern ums OB-Amt als auch bei den Besuchern, die wussten, dass das Angebot noch bei weitem nicht ausreicht.

Sozialdemokrat Sven Meier setzt bei den Betreuungsangeboten auf interkommunale Lösungen mit flexiblen Öffnungszeiten. Gut ausgestattete Schulen würden auch die Attraktivität St. Ingberts als Wohnstandort steigern. Aus seiner Sicht gelte es, Spielplätze aufzuwerten und den Mint-Campus auf der Alten Schmelz weiterzuentwickeln. Gerade die Diskussion mit dem Publikum und den Kandidaten zu den Betreuungsplätzen hielt länger an. Man müsse für mehr Flexibilität bei den Zeiten sorgen, so eine Besucherin, denn viele Arbeitszeitmodelle würden das so vorgeben. Auch Ulli Meyer meinte, dass man da mit der Zeit gehen müsse, zumal die Plätze „einklagbares Recht“ seien. Er plädierte dafür, das zentrale Anmeldeportal für benötigte Betreuung zu reaktivieren, um den Bedarf einschätzen zu können. „Alle drei sind sich einig, dass es Mangel an Plätzen gibt und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf angestrebt wird“, so Moderatorin Voges. Eine Anregung aus dem Publikum: Nicht nur bei den Kita- und Krippenplätzen seien flexible (Rand-)Zeiten nötig, sondern auch bei der FGTS. Es dürfe nicht sein, dass wegen nicht passender Angebote Frauen zu Hause blieben und damit in die Armut rutschen, gab Birgit Hampp-Höning vom Kinderschutzbund zu bedenken. Doch man müsse nicht über Räumlichkeiten und Zeiten für die Kinderbetreuung reden, wenn das Personal fehle, warf ein Zuhörer ein. Deren Arbeit und Bezahlung müsse attraktiv gemacht werden, um sie zu halten. Und die Stellen dürften nicht befristet ausgeschrieben werden, so eine Besucherin.

Weitere Themen in der Diskussion waren abr auch die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in Entscheidungen, die Zukunft der städtischen Musikschule, Freizeitangebote und die Sicherheit. „Wir machen es gemeinsam besser“, sagte Ute Strullmeier nach dem interessanten Diskussionsverlauf, der viele Anregungen gegeben habe. Das wünscht sich auch Kinderschützerin Nicola Voges, der bei der Kinder- und Jugendpolitik „bisher die Leidenschaft fehlt“.