Bistum Speyer : Auch im Speyerer Dom befinden sich Kindergräber

Neben den bekannten Gräbern der Herrscherinnen und Herrschern, den schon weniger bekannten Gräbern der Bischöfe, befinden sich im Speyerer Dom auch kaum bekannte Kindergräber.

Momentan macht eine scheinbar grausige Geschichte wieder Schlagzeilen: Im Grab eines Bischofs im Dom von Lund wurde im Jahr 2015 ein Fötus gefunden. Nun steht fest, dass das Kind mit dem Bischof verwandt war. Wie kann es zu einer solchen Doppelbestattung kommen? Gibt es dergleichen auch im Speyerer Dom, gibt es hier auch Kindergräber? Die Frage beschäftigte die Diözese.

Man muss wissen, dass es über lange Zeit nicht unüblich war, kleine Kinder in die Gräber von Erwachsenen dazu zu legen, zumal wenn diese in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander standen. Auch im Speyerer Dom gibt es einen solchen Fall, wie es in der Pressemitteilung des Bistums heißt.

Doch zunächst noch einmal nach Lund, dessen Dom auch bauliche Parallelen zum Dom aufweist und eine Kopie der Speyerer Domkrypta besitzt. Peder Winstrup, der zuvor genannte Bischof, wurde im Jahr 1679 im Dom zu Lund bestattet. In seinem Grab wurde das Skelett eines wohl im Alter von sechs Monaten tot geborenen Fötus gefunden. Untersuchungen ergaben, dass die beiden sich insgesamt 25 Prozent der Gene teilen, was die Vermutung nahe legt, dass es sich um einen Enkel des Bischofs gehandelt hat. Vor dem Hintergrund, dass es sich um einen evangelischen Bischof handelt, ist diese Entdeckung weit weniger skandalös, als sie zunächst anmutet.

Auch in Speyer gibt es diese Form der Bestattung eines Erwachsenen und eines Kindes. Allerdings nicht in einem der 40 Bischofsgräber, was natürlich berechtigte Nachfragen ergeben würde. Im Sarkophag der Kaiserin Beatrix wurden die sterblichen Überreste ihrer Tochter Agnes beigesetzt, heißt es in der Mitteilung weiter. Beide verstarben 1084, die Kaiserin etwa im Alter von 44, die kleine Prinzessin wohl im Alter von sechs bis zehn Jahren. Ursprünglich waren beide in separaten Gräbern beigesetzt. Bereits zuvor 1309 wurde König Adolf von Nassau im Sarkophag von Kaiserin Beatrix zur letzten Ruhe gebettet.

Zu den Personalien: Beatrix von Burgund wurde um 1140 geboren und verstarb am 15. November 1184 in Jouhe bei Dole. Als zweite Gemahlin von Friedrich I. Barbarossa war sie ab 1156 Königin und ab 1167 Kaiserin des römisch-deutschen Reiches. Es wird vermutet, dass der Grabplatz neben ihr im Dom für ihren kaiserlichen Gemahl gedacht war, der jedoch auf einem Kreuzzug in der heutigen Türkei ertrank und dessen genauer Bestattungsort heute unbekannt ist. Das Kindergrab nun wurde durch eine Bleiinschrift gekennzeichnet: „Octavo Idus Octobris Agnes Filia Friderici Imperatoris orbiit“. Dies ist leider die einzige schriftliche Quelle zur Tochter von Beatrix und Kaiser Friedrich Barbarossa. Nur wenige Knochen von ihr wurden bei der Untersuchung der Gräber Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden.

Sie befanden sich in einem Holzkistchen. Diese Kiste wurde 1902 bei der Wiederbestattung der Herrscherinnen und Herrscher in den Sarkophag ihrer Mutter gelegt, also eine späte Zusammenführung von Mutter und Kind. In der Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffenen und heute noch vorhandenen Gruftanlage ist dies die einzige Doppelbestattung.

Das Grab der Prinzessin Agnes ist zwar kaum bekannt aber wenigstens heute über die Inschrift der Grabplatte sichtbar. Es gibt jedoch noch mindestens drei weitere Kindergräber im Speyerer Dom: 1086 wurde Adelheid, die früh verstorbene Tochter von Heinrich IV. und seiner Frau Bertha, im Dom bestattet. Dabei wird in einer Urkunde 1101 die Krypta als Bestattungsort Adelheids genannt. Auch für einen Knaben, Prinz Konrad, wurde 1055 die Krypta als Bestattungsort beurkundet. Ein weiteres Kindergrab fand man in der Kapelle St. Martin und St. Emmeran, heute die Taufkapelle des Doms.

Dieser etwa im Alter von zwölf bis 15 Jahren verstorbene Junge gehörte wohl auch zum Geschlecht der Salier. Am ehesten passt diese Bestattung zum Tod von Heinrichs IV. gleichnamigen Sohn im Jahr 1071. Diese Gräber sind zwar durch urkundliche Erwähnung bekannt oder durch Funde gesichert aber für die Besucher des Doms heute unsichtbar, heißt es weiter.