Ausstellung im Amtsgericht: Keine Scheu vorm Gericht

Ausstellung im Amtsgericht : Keine Scheu vorm Gericht

Gerichte haben wohl die wenigsten gerne. Im Gerichtssaal befällt auch die Rechtschaffensten schnell ein eher beklemmendes Gefühl. Die Gesetze sind meist nicht leicht zu verstehen und die Urteile oft unwägbar. Und geht’s etwa zum Grundbuchamt riecht es stark nach Gebühren. Gute Gründe gab es also schon, in dieser Woche die Saarländer beim ersten Tag der offenen Tür der Justiz zu verlocken, ihre Berührungsängste zu vergessen und die Horte von Recht und Ordnung unbefangen näher kennenzulernen.

Beim Amtsgericht in St. Ingbert hatte man allerdings übersehen, dass man für solch einen Schnuppertag auch die Werbetrommel rühren darf. Insbesondere die Ausstellung „150 Jahre Amtsgericht St. Ingbert“ hätte schon zur Premiere ein paar Interessierte mehr verdient. Doch zum Glück hängen ihre Bilder und die kleine, aber feine Dokumentation ja noch auf den Gerichtsfluren und könnten selbst für jene St. Ingberter ein Anlass sein, auch ohne persönliche Vorladung in einer Strafsache oder wegen einer Ordnungswidrigkeit mal bei Gericht zu erscheinen. Zwei Einblicke in die Stadt- und Gerichtsgeschichte haben bei mir besonderen Eindruck hinterlassen. Zum einen Lagepläne aus dem Landesarchiv, die zeigen, dass in königlich bayrische Zeit in St. Ingbert nahe dem Bahnhof ein richtiges Behördenzentrum bestand. Zum anderen Artikel aus gleich drei (!) lokalen Tageszeitungen über das 100-jährige Bestehen des Amtsgerichts. Sie belegen, mit welch harten Bandagen auch schon die Kommunalpolitiker der 68er in St. Ingbert zu kämpfen verstanden.

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