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Karl Abel bringt die Geschichte von Rohrbach ins Internet

Rohrbach Nostalgie : Verrückt nach Rohrbacher Geschichte(n)

Seit zehn Jahren gibt es die Internetseite Rohrbach-Nostalgie mittlerweile. Karl Abel veröffentlicht dort alles Interessante aus Rohrbachs Historie und hat damit auch so manches Geheimnis gelüftet.

Karl Abel ist das, was man einen Jäger und Sammler nennt. Spezialisiert ist er auf Erinnerungen aus Rohrbachs Geschichte. Zeitungsartikel, Fotos und Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen finden bei ihm ein Zuhause. Viel zu schade, um in Schubladen zu verschwinden, fand Abels Sohn Andreas. Er war es auch, der es in die Hand nahm, aus der Idee Wirklichkeit werden zu lassen, allen an dem St. Ingberter Stadtteil Interessierten Zugriff auf das gesammelte Material zu gewähren. Eine Website musste also her, deren Gerüst ein Freund von Karl Abels Sohn baute. Nun musste sie nur noch mit Leben gefüllt werden, was Karl Abel immer wieder so gut gelingt, dass sich selbst Leser aus den USA, Kanada und Australien wieder ihrer Wurzeln besinnen und nicht nur eifrige „Konsumenten“ dieser Seite im weltweiten Netz sind, sondern auch selbst mit dafür sorgen, dass noch mehr Licht in die Ortsgeschichte kommt.

So bekommen die Gesichter auf Fotos auch Namen, es können (manchmal überraschende) Verwandtschaftsverhältnisse geklärt werden und Familienstammbäume weiter wachsen. So erfuhr eine Frau aus Chemnitz über diese Veröffentlichung, wer ihr Vater ist und eine andere konnte gar nachvollziehen, dass sie diesem saarländischen Ort ihre Existenz verdankt. Kein Wunder, dass bei dem 72-Jährigen häufig das Telefon klingelt. „Ich kriege viele Anfragen. Die Leute meinen immer, ich weiß alles“, sagt der Hobby-Chronist lachend. Die Beschäftigung mit den Geschichten und der Geschichte seiner Heimat ist ihm ein freudvolles Bedürfnis. Wegen Rohrbach-Nostalgie sei er immer im Treiben. In den zehn Jahren des Bestehens der von ihm ins Leben gerufenen Plattform tummeln sich dort täglich rund 50 Besucher. Bisher wurde die Webseite mehr als 187 000 Mal angeklickt. Mit dem Bericht über die verunfallten Sportler 1948 bei Breitfurt schaffte er mit 1853 Klicks den Tagesrekord. Auch der Artikel über die singenden „Toten Hosen“ in der gleichnamigen Kneipe vor Ort wollten sich 1451 Leute nicht entgehen lassen. „Ich glaube schon, dass ich mit meinen Artikeln manches in Rohrbach nochmals ins Bewusstsein zurückgebracht habe“, sagt Abel selbstbewusst. Klar, dass er stolz auf das digitale Ergebnis seiner Sammelleidenschaft ist.

Und nicht nur darauf. Aus den Unmengen an (Zeitzeugen-)Material entstanden zwei Bücher, die mit 2500 Exemplaren weggingen wie geschnitten Brot. Obwohl noch viel nicht Gedrucktes in den Abel´schen Ablagen schlummert, wird es keine dritte Ausgabe geben. Der Autor dazu: „Es gibt kaum noch potenzielle Leser für das Printmedium. Die Jungen gucken sich das online an.“ Und dort im Internet wird es auch weitergehen, solange die Leute Interesse daran haben. Wenn diese ihm Rückmeldung geben, geht Abel das Herz auf. Vor allem, wenn sich Nostalgiker sozusagen mit seiner Hilfe an ihre Jugendzeit in Rohrbach erinnern. „Wenn ich weiß, dass es den Leuten Spaß macht, dann macht mir das auch noch mal mehr Spaß. Das ist es, was mich beflügelt und anspornt.“ Manche der Rohrbacher versorgen ihn mit Nachschub.

Den Rohrbacher Heimatfreunden, mit denen er eng zusammenarbeitet, ist er wegen der Nutzung des Archivs besonders dankbar. Natürlich habe er bei bestimmten Themen auch Co-Autoren, so zum Beispiel beim Artikel über Rohrbacher Beatbands in den 60er Jahren, den ein damaliges Bandmitglied mit Detailwissen schrieb. Seine Arbeit und Mühe wird verbal gewürdigt und macht ihn zu einer Art Rohrbacher VIP. Er könne in seinem Heimatort keine fünf Meter gehen, ohne angesprochen zu werden. Und das meint Karl Abel durchaus positiv. „Ich bin ein ganz Verrückter“, sagt er über sich als Sammler-Typ. Vieles, was er an moderner Technik braucht, bringt ihm sein Sohn bei. Scannen, eine der wichtigsten Tätigkeiten, um Historisches zu digitalisieren, ist so etwas. Pro Jahr gab es bisher 20 bis 30 neue Artikel auf der Website. „Ich habe gemeint, ich müsste ständig Artikel veröffentlichen“, sagt der Autor über dieses von Sohn Andreas „Bombardement“ genannte Artikeldichte. Künftig will Abel sein Pulver nicht mehr so schnell verschießen und nur noch alle vier bis sechs Wochen historische „News“ liefern. „Ich spanne die Leute jetzt eben mehr auf die Folter.“ Informationen und Fotos hat er auf lange Sicht genügend. Trotzdem freut es ihn, wenn ihm alte Fotos, Festschriften und Dokumente von Rohrbach, die aus Haushaltsauflösungen stammen, überbracht werden. Denn das ist der Stoff, aus dem Rohrbach-Nostalgie mit gewebt wird. Für seine Leser in der Ferne ist die Website mehr als nur ein netter Zeitvertreib. So schrieb Rudi Lenhard aus dem australischen Queensland: „Wir, die nicht oft auf Besuch kommen können, haben hier eine Brücke, die wir zwar nicht betreten, aber überqueren können. Für mich ist es ein Fenster in die Heimat und meine Jugend. Ein Spiegel mit den Geschichten, die meine Großeltern erzählt haben.“