Kappensitzung des MGV Frohsinn St. Ingbert

Kostenpflichtiger Inhalt: MGV Frohsinn St. Ingbert : „Friday with Frohsinn“ in der Stadthalle

„Geh‘ zum Frohsinn hin, weil beim MGV alle froh sin“: So lautet der Vorschlag für all jene, die in St. Ingbert gute Laune suchen. Dies gilt besonders zur Fasenacht, denn die Kappensitzungen gehören zu den besten in der Region.

Auch die Sitzung am Freitagabend hatte wieder das Zeug zum Fasend-Bestseller. Da macht es nicht nur die würzige Mischung, da stimmt sogar die Dosis. Los ging die Sitzung mit dem Till, der nichts weniger als den blauen Planeten zum Thema seiner Büttenrede machte. „Ich bin hier und ich bin laut, dass niemand diese Erde klaut“, rief er zum Einmarsch in Anlehnung an die Klimaaktivisten. Damit dies nicht geschehe, drückte er Oberbürgermeister Ulli Meyer gleich einen Globus mit folgenden Worten in die Hand: „Ich reiche dir die Erde, auf dass sie klimafreundlich werde.“ Nun wird zwar in St. Ingbert nicht die Welt gerettet, doch wohl keiner in der Dengmerter Fasenacht legt so schön den Finger in die Wunden und erhebt ihn dann wie dieser Narr. Das hatte Klasse im Reimformat! Greta, Klima-Schüler, der Master of Desaster in Amerika, der Berliner Flughafen, die Pleiten-Maut, der Fußball-Wahnsinn in Katar – all dieser Themen nahm sich der Pfälzer an. Und obwohl jeder einzelne Punkt ein politischer Aufreger war, taugte er genau für diese Kappensitzung. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht. „Doch was immer mag gescheh’n, die Erde wird sich weiterdreh’n“, hieß es ein ums andere Mal.

Und so war auch dieser Auftritt einmal vorbei und wurde von der Blieskasteler Funkengarde übernommen, gefolgt von Jonas Degen, der sich die gute alte Kneipenschlägerei zurückwünschte. Aber nur weil für ihn ein Shitstorm in den sozialen Medien alles andere als gesellschaftsfähig ist. Der Mann am Klavier brachte den Dengmertern auch die im Hühnerstall motorradfahrende Oma mit. Nur musikalisch, versteht sich. Und während woanders ein Aufschrei ob der „Umweltsau“ zu hören war, kannten die Narren in der Stadthalle dafür nur eine Ausdrucksform – den Applaus. Ihn beschäftigte der orangene Mann in Amiland ebenso sehr wie der Auszug der Briten aus der EU. „Der arme Abiturient, der im Jahr 2089 den Brexit erklären soll“, fand der Unser Ding-Moderator ob des monatelangen Hickhacks, „das war, als wenn du im Aufzug einen fahren lässt, aussteigst und die anderen müssen drin bleiben.“ Eijeijeijeijeijeijeiauwauwau konnten die Gäste im Saal dazu nur noch äußern - im Kanon. „Und es ist Faasend, ohne Krieg und ohne Hass, nur mit Musik und Spaß“, verabschiedete sich der Radiomann von den Frohgesinnten.

Die schickten ihre „Geheimwaffe“, die „Krätzjer“ auf die Bretter. Sollte man die Art ihres Auftritts beschreiben, dann wäre es wohl eine Mischung aus „Schlagerparade“,„Brisant“ und „Extra 3“, mit toller Live-Musik als Topping. Ansatzpunkte für ihre satirischen Lieder finden sie überall, auch vor der Haustür. Ein neuer Wolkenkratzer in St. Ingbert, der auch New York Ehre machen würde, und ein Hans, der‘s nicht mehr kann. „Gustav-Clauss-Anlage und Baumwollspinnerei, hoffentlich kriegt der Ulli das alles auf die Reih‘“, wurde auch der amtierende OB bedacht. Die Saarländer in der großen Politik kriegten ebenso ihr Fett weg, wie der neueste Wahl-Skandal in Thüringen. So flexibel sind die „Krätzjer“, dass sie selbst dieses noch heiße, frische Eisen verarbeiteten. Mit „Sandalen statt Schnee“ begegnen sie dem Klimawandel und schauten auf den Brexit, während Elli Meyer in der Bütt passend dazu von einem geschichtsträchtigen Familienurlaub in England erzählte. Da wurden alte Steinkreise besichtigt. Und? Sowas hätten wir in Dengmert auch. „Nächstes Jahr werde ich Touristen durch die Seyenanlage führen und dafür noch Gebühren kassieren.“ Der norwegische Fjord war zu teuer für den (Ulli) Meyer am Steuer, der sich lieber an einem Leuchtturm festfuhr. „Und komm‘ ich da rückwärts nicht mehr raus, gehe ich von einer Wiederholung der OB-Wahl aus.“ Familie Meyer als Fastnachts-Gesamt-Paket, das gefiel den Gästen ganz besonders. Und Ulli Meyer musste bei Wandersmann Seppl Redel noch höchstselbst beweisen, wie schnell er sein Wanderoutfit angelegt hat. „Der OB der ist ein Wandersmann, mal seh‘n, ob der auch schaffen kann.“ Zuvor stellte Redel gleich mehrere Hightech-Varianten von Wandersachen vor. Die vernetzte Knickerbocker war nur eine davon.

Gar nicht so weit ist dann der Sprung vom Wanders- zum Bergmann, den Konrad Weisgerber verkörperte. Sein Ding waren die neuen Bergmanns-Ampelmännchen. Auf Grün schaltete er die eigens installierte Bühnenampel bei Daumen-Hoch-Aktionen wie dem neuen Bier aus Dengmert, „das meinen Namen trägt“, rot wurde sie bei Hass-Attacken in den sozialen Medien. „Wir (vom Frohsinn) machen das nicht mit, unser soziales Medium ist die Fastnachts-Bütt.“

Bergmanns-Ampelmann Konrad Weisgerber „beleuchtete“ die verschiedensten Dengmerter Themen und schaltete je nach Gefallen mal auf „rot“ oder eben „grün“. Foto: Cornelia Jung
Andreas Theis gab sein Präsidialamt im 11er-Rat des MGV Frohsinn nach 11 Jahren in andere Hände. Foto: Cornelia Jung
Elli Meyer erzählte in der Frohsinns-Bütt von ihrem Brexit-Familien-Urlaub. Foto: Cornelia Jung
Als Büttenredner wollte Seppl Redl (rechts) ganz genau wissen, ob Ulli Meyer schnell schaffen kann. So wurde aus dem OB flott ein Wandersmann, der sich die Wanderplakette fürs Rathaus verdiente. Foto: Cornelia Jung

Und während die „Stampestrampler“ aus Rohrbach zurück in die Zukunft tanzten, Felix Schäck von einer qualvollen Kreuzfahrt berichtete, die Prinzengarde aus Kirkel mit Harry Potter verzauberte, der „Wuschd“ kalauerte und das Frohsinns-Männer-Ballett mit einem Tanz und den entsprechenden Kleidchen aus den 1920ern begeisterte, waren die Dengmerter im Saal einfach nur happy. Die Jugend hat ihren „Friday for future“, aber die St. Ingberter Narren hatten ihren „Friday with Frohsinn“.