1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Kappensitzung des MGV Frohsinn in St. Ingbert

Fastnacht : Mit gutem „Frohsinn“ am laufenden Band

Am Freitagabend gab es in der Stadthalle handgemachte Büttenreden, hauseigene Stars und Sternchen und jede Menge Spaß.

„Seid ihr alle da?“, fragte der Sitzungspräsident der „Frohsinn“-Fastnacht in den Saal. Er habe im Foyer der Stadthalle eine Schlange von Menschen am Aufzug gesehen, aber der ginge ja immer noch nicht. Da war er, der erste Seitenhieb auf Missstände ganz in der Nähe. Doch jeder hatte seinen Platz in der ausverkauften Halle rechtzeitig erreicht, um zu erleben wie Andreas Theis die Ehrengäste datenschutzsicher und rechtskonform ohne Namen zu nennen per Lied begrüßte. Das besungene „Hänschen Klein“ bekam später vom „Till“ eine Kugel, um während dessen Auftritts schon mal in die Zukunft zu schauen. Derweil reimte dieser auf der Bühne über politische Aufreger der Vergangenheit. Brexit, Mauerbauer Trump, Erdogan, Putin und Dieselsteuer, dies alles war ihm nicht geheuer. Zeitarbeit, arme Senioren, Digitalausbau, Kontohacker – nicht alle sind harmlose Rosinenkacker. Steuert AKK bald unser Land? „Doch die Zukunft liegt in unserer Hand“, konnten die Narren im Saal schon bald Tills Motto mitsprechen. Die Blieskasteler Funkengarde tanzte nach einem Nena-Medley. „Ich geh‘ mit dir wohin du willst“, hieß es da unter anderem und kurze Zeit später fanden sich die Gäste bei einer Papst-Audienz wieder, zu der sie Elli Meyer entführt hatte. War die junge Büttenrednerin im vergangenen Jahr noch auf Schusters Rappen mit den Eltern unterwegs, erzählte sie nun, wie ihre erste Reise ohne die Erziehungsberechtigten war. Ihr zweiter Auftritt in der „Frohsinn“-Bütt war furios. Wortspielreich brachten die „Frohsinns-Krätzjer“ Missstände in musikalisch schönen Gewand an die Narren. Da hörte sich selbst Politikverdruss noch gut an. Die Frohsinn-Merkel wollte dem Seehofer zur Melodie von „An Tagen wie diesen“ nur mal eben sagen „dass er ein Riesenvollhorst ist“. Ob Kramp-Karrenbauer, Dieselgate, Klimawandel, der Deutschen verlorene Fußball-WM, LSVS-Skandal, grand Problem mit Macron, Datenklau oder der Europa-Ausstieg mit „Brexit-Queen“ Theresa May – wohl keiner verpackt handfeste Skandale so gekonnt wie die „Krätzjer“ aus der „Frohsinn“-Familie.

Mit Familie hatte es Fabienne Müller in der Bütt nicht so. Zumindest nicht, als sie noch zu Hause wohnte. „Wo ist die Freiheit, die ich meine, o Gott, ich wär‘ so gern alleine“, zog sich der Wunsch durch ihre Rede. Die eigene Wohnung kam, das Geld ging, der Freund zog ein, so war sie doch nicht mehr allein. „Nie hat‘ ich mehr Familiensinn, als seit ich ausgezogen bin“, lautete ihr Fazit in der Bütt. Dort hinein dürfe Maulesel Thomas Oster beim „Frohsinn“ nur alle zehn Jahre „weil sie hier Angst vor meiner Rede haben“. Nun war es also wieder soweit und der „Mann vom Schlüsseldienst“ sinnierte über die Geschlechter seiner Werkzeuge. Generalschlüssel, Maulschlüssel, Ringschlüssel – männlich, weiblich und Transgender, am Ende gab es sogar Schlüsselkinder. Bei „Max Krähe“ alias Konrad Weisgerber, der nach Max Raabes Melodien Finger in die Wunden der Politik legte, musste man ganz genau hinhören. Da ging es rasant vom Rinderwahn und Aufkündigen einer Freundschaft „Erst liegt die Kuh im Fieber, dann die EU mein Lieber“ zum Berlin-Umzug der AKK „Die Putzfrau ging, sie kehrt nie wieder. (…) Ein Hans steht plötzlich auf der Matt‘, mit dem kein Mensch gerechnet hat.“ Und auch OB Hans und seine Rathausmannschaft wurden in Reime und Melodien verpackt – auch mal in „Schiss-Moll“. Passend dazu trat das Trio Spülgang auf, das menschliche „Winde“ unter anderem mit Tuba intonierte. Nach dem Auftritt mit Trockenklo brauchten die tanzenden Männer in ihren Dirndln was für die Kehlen. „Looking for Freibier“ hieß die Performance, die das Publikum gleich zweimal sehen wollte. Die närrischen Besucher waren begeistert. „Frohsinn war das Motto heut‘, Ziel erreicht ihr liewe Leit. Froh sinn alle, wie gedopt – darauf ein dreifach Alleh Hopp.“