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Kappensitzung des Karnevalslclubs Hassel

Karnevalclub Hassel : Da staunten selbst die närrischen Kuckucke

Angriff auf Auge und Ohren mit Tanz, Akrobatik und Büttenreden bei der Kappensitzung in Hassel.

Der kleine, im Spagat sitzende Kuckuck auf dem Sessionsplakat gab die Marschrichtung der Kappensitzung des Karnevalclubs Hassel vor. Sportlich würde es in der Eisenberghalle werden, und das nicht zu knapp. Los ging‘s zur Einstimmung bereits mit einem Flashmob aller Hasseler Akteure. Abba-Songs ließen Arme kreisen, Beine fliegen und die Melodien trugen auch beim Pyramidenbau. Mit Leibesübungen hielten es zu Beginn auch „Es klään Schicksche & de Klään“, die dann verbal per geklautem Auto einen Ausflug in eine verfahrene Familiengeschichte machten. Wortakrobatisch wie immer betrat dann auch Jolanda Jochnachel die Hasseler Bretter, die die Musik ihres eigenen Einmarschs abrupt unterbrach: „Das geht doch alles von der Zeit ab.“  Sie wollte unbedingt zu den Kuckucken, schließlich hatte es ihr bei der Premiere im vergangenen Jahr in Hassel zu gut gefallen. Mit einem „Halswirbelschleudertrauma rechts manifestiert“ wollte sie zwar keine großen Sprünge wagen, aber erzählte wortreich aus ihrem bewegten Alltag zwischen Pontius Pilates und Männersuche. Die Frau, die sich per Epilepsiergerät aus einem Flokati-Teppich einen Perser „bastelt“, war schon super, doch die Rakete verdienten sich die „Super-Girls“ der Jugendgarde, die sich musikalisch auch bei der bärenstarken Pippi Langstrumpf bedienten.

Die Narrenkappe zog Elferratspräsident Rudolf „Randy“ Anstadt, im ersten Teil der Sitzung inmitten eines weiblichen Elferrats „als Hahn“ angesiedelt, auch vor Büttenrednerin Sina, „die letzte, die sich beim KCH noch traut, vor 500 Leuten zu schwätzen“. Sie stimmte ein „Hoch aufs Handwerk“ an, obwohl sie doch selbst auf einer ganz anderen Berufsfindungstour war. Millionärslehrling, das wär‘s doch. Oder, etwas weniger protzig, eine Ausbildung zur Erzieherin, umringt von schreienden Kindern und Windeldüften. Entschieden wurde ihre Zukunft in der Bütt an diesem Abend jedenfalls nicht. Mittlerweile war Randy ganz hibbelig, aber nicht wegen seines Sitzplatzes zwischen lauter Mädels auf der Empore, sondern wegen eines „dreijährigen Telefonats“, dessen erfolgreicher Ausgang an der Kappensitzung sichtbar wurde. Denn es bedurfte einiger Vorbereitungen, bis das Kürassierregiment und das Tanzcorps Rot-Weiß Vettelschoß aus der Nähe von Bonn dann tatsächlich in Hassel auf- und einschlug. Brachten doch die über hundert Akteure den Kölner Karneval direkt an den Eisenberg. Und die Jecken waren so in ihrem Element, dass sie, einmal in Fahrt gekommen, nicht nur kölsche Lieder vertanzten, sondern „Atemlos“ den Narren das Schunkeln überließen, um nach einer kurzen Pause nochmal für eine Zugabe anzutreten.

Dabei hatten auch die Hasseler ihren Part, denn drei Kuckucke des späteren männlichen Elferrates hielten die neu gewonnene Freundschaft mit den Rheinländern im wahrsten Sinne des Wortes hoch. Sie durften unter tosendem Applaus des Publikums ausprobieren, wie es ist, ein Gardemädel „zu stemmen“. Es machte danach gar keinen Sinn, sich wieder einen Stuhl zu schnappen, denn mit kölschen Liedern von Jens Wagner ging es stimmungsvoll weiter. Der Schlagersänger sprang selbst auf die Tische und heizte den Hasselern mächtig ein. „Ich frag‘ mich immer, wie er sich da drauf so sicher bewegen kann“, staunte der Präsident., „die Leute rasten bei Jens immer aus. Er geht bei uns aber auch immer ab wie ein Zäpfchen.“ Und die Fans liebten seinen Auftritt, wollten noch mehr Jens und Autogramme.

Auch der KCH hat seine Supergirls! Im Bild die Jugendgarde. Foto: Cornelia Jung
Die Aktivengarde des KCH. Foto: Cornelia Jung
Die Gäste aus Vettelschoß brachten den Rheinischen Karneval an den Eisenberg und machten mit Musik und Show Stimmung im Saal. Foto: Cornelia Jung
Sina Wendel vom KCH beim Versuch, sich den Erzieherberuf „schönzureden“. Foto: Cornelia Jung
Jolanda Jochnachel ging auch in diesem Jahr wieder In Hassel auf (erfolglose) Männersuche. Foto: Cornelia Jung

Geschwitzt wurde auch beim „Boot-Camp“-Showtanz der Juniorengarde, bei denen die Trillerpfeife der strengsten Eltern der Welt den Rhythmus vorgab. Dagegen bestimmt eine „Neue“ das Leben von Büttenredner Peter Thräm aus Elversberg – Alexa. Rotzfrech, vorlaut und nicht immer schmeichelhaft bot sie dem Büttenredner paroli. Den Narren im Saal kam das gerade recht, die sich aber von den Harry Pottern der Aktivengarde ebenso gern verzaubern und von den tanzenden Wikingern des Männerballetts gefangen nehmen ließen. Fesselnd auch die Akrobatik mit „Magic X-Treme Cheersport“, die vor kurzem in Amerika einen Weltmeistertitel einfuhren und ihre Kunst nun im kleinen Hassel zeigten. „Sehr geil“, fand Sitzungspräsident Randy nicht nur diesen Auftritt, sondern die ganze Sitzung. Einziges Bedauern des Mannes, der eigentlich immer ganz nah an den Acts dran sitzt: „Ich möchte das Ganze ganz gern mal von vorne sehen.“