Kameras sorgen für Unmut

Ärger im „Ackermann“: Dort hatte Betreiber Wolfgang Hauck Minikameras in Lautsprecherboxen einbauen lassen, die von den meisten Gästen unentdeckt blieben. Hauck hat sich bei seinen Gästen mittlerweile entschuldigt.

Ein Kneipen-Streit beschäftigt Blieskastel. Der "Ackermann" und sein Betreiber stehen in der Kritik. Selbst im Internet kursieren schon Slogans wie "Big Acker is watching you". Was ist passiert? Die Eckkneipe "Ackermann" am Aufgang zum Schlossberg ist seit einiger Zeit von Wolfgang Hauck gepachtet. Der Hotelier betreibt ziemlich genau gegenüber das Hotel zur Post und das Weinlokal Postillion. Weil es - so Hauck - immer wieder Beschwerden gab über Vandalismus und Streitigkeiten in der Kneipe, habe er vor längerer Zeit Überwachungskameras anbringen lassen. Diese blieben - weil es sich um sogenannte Minikameras im Innern von Lautsprecherboxen handelte - von den meisten Kunden unentdeckt. Seit einigen Monaten indes hat Hauck ein Problem: Die Umsätze gingen dramatisch zurück. "Zunächst hatte ich gedacht, das liegt am Rauchverbot in den Kneipen oder weil ein anderes Lokal mit ähnlichem Konzept eröffnet hatte", erinnert sich der Gastronom.

Umsätze rückläufig

Als er jedoch den Wareneinkauf untersuchte, habe er festgestellt, dass sich ein Ungleichgewicht eingestellt hatte. So war im Vergleich zu den Vorjahresmonaten etwa mehr Bier oder Kaffee geordert worden, die Umsätze indes waren rückläufig. Mit Hilfe der Kameras habe Hauck nun festgestellt, dass mehr Getränke über den Tresen gingen, als er aufgrund der abgerechneten Umsatzzahlen annehmen konnte. Diese Überprüfung einer festgestellten Unregelmäßigkeit mit Videoüberwachung ist übrigens rechtlich zulässig, wenn dabei nicht die Gäste aufgenommen werden. Als er eine Angestellte damit konfrontierte, wurde die Sache plötzlich öffentlich. Die Stammgäste fühlten sich bespitzelt: "Das mit den Umsatzzahlen sind einfach nur fadenscheinige Gründe", sagt der frühere "Ackermann"-Stammgast Ricky Pipes. "Fast anderthalb Jahre hatte Hauck die Kameras in den Boxen versteckt. Damit hat er die Stammgäste verprellt", ärgert sich auch Peter Rebmann. "Warum hat er das nicht gesagt und hat die Minikameras in den Boxen versteckt?", ärgert sich der frühere Stammgast Johannes Flaus. "Es gibt Lokale, die sind auch von Kameras überwacht. Aber da ist das öffentlich angezeigt. Und dann kann ich entscheiden, gehe ich da rein oder nicht", stellt Pipes fest.

Tatsächlich bedauert auch Wolfgang Hauck dieses Missgeschick. "Es war eindeutig ein Fehler, nicht auf die Video-Überwachung hinzuweisen", stellt auch der Hotelier klar. Deshalb hat er auf Plakaten und Flugblättern zu den Vorwürfen Stellung genommen und sich bei den Kunden für das Fehlverhalten entschuldigt.

Hauck lässt Amt ruhen

Zudem weist Wolfgang Hauck auch darauf hin, dass die von ihm angestellte Wirtin von den Kameras gewusst habe, ihn sogar zu deren Installation gedrängt habe. Aber das sei jetzt erledigt, das Aufnahmegerät sei abgebaut, sagt Hauck. Auch dies wird von einigen der früheren Stammkunden bezweifelt: "Die Kameras sind abgeklemmt, aber nicht abgebaut", sind sie überzeugt. Wolfgang Hauck bedauert die Entwicklung sehr, und er hat weitere Konsequenzen gezogen: Er lässt derzeit sein Amt als Vorsitzender des Blieskasteler Vereins für Stadtmarketing ruhen, bis alle Vorgänge geklärt sind.