Kabarettist nahm Mediziner ins Visier

Kabarettist nahm Mediziner ins Visier

St. Ingbert. "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". Wer kennt den Spruch nicht? Zahlreiche Verunglimpfungen hat er im Laufe der Jahre erfahren. Sie steigerten sich meist von Gesundheitsreform zur Nächsten. Doch der Halbgott in Weiß ist auch nicht mehr das, was er einmal war

St. Ingbert. "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". Wer kennt den Spruch nicht? Zahlreiche Verunglimpfungen hat er im Laufe der Jahre erfahren. Sie steigerten sich meist von Gesundheitsreform zur Nächsten. Doch der Halbgott in Weiß ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Abrechnungsbetrügereien machen ebenso Schlagzeilen, wie die Flucht der Mediziner ins Kabarett. Ein "Flüchtling" stand am Mittwochabend, nach seinem Pfannendebüt 2010, wieder auf der Bühne der St. Ingberter Stadthalle. "Spontanheilung" lautet der Name des Soloprogramms des Riesen mit 2,02 Metern Größe.Lüder Wohlenberg hat's echt drauf. Also das mit dem Medizinkrams und so. Doch. Er ist nämlich Profipatient. "Ich habe das gelernt", betonte der Kölner vor seinen Besuchern in der Mittelstadt. Übrigens: Die Mittelstadt heiße so, weil die Stadt keine Mittel hat. Gut, dass wir das jetzt auch mal wissen. Im Ernst: Der Mann hat es nicht leicht. Wurde er doch geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. Geht gar nicht. Ohne ihn vorher zu fragen. Dabei hat er seine Metastasen geordnet und numeriert, wollte auf den Tod warten und holt sich dabei eine Blasenentzündung. Um all das dem Publikum zu verdeutlichen, wechselt der Mann gerne die Rollen: vom Kabarettisten mit vielerlei Themen hin zur rheinischen Figur Raderscheid. Ein liebenswerter Typ, der sich in allen Stationen eines Krankenhauses auskennt. Auch auf der Säuglingsstation. Auf die kam er, weil das Dach in den "Intennsiefff-Stadzion" nicht dicht war und man ausquartiert werden musste. Die wirklich neuralgischen Punkte macht der Kabarettist Wohlenberg wieder in seiner eigenen Rolle.

Dabei lernt man als Besucher, ohne belehrt zu werden. Viagra war ein Herzmedikament. Aber, das wussten sie ja schon, oder? Wir leben im Zeitalter der Abklärung. "Das müssen wir weiter abklären", diesen Satz kennt man spätestens, wenn der dritte Arzt noch nicht die Ursachen fürs Wehwehchen gefunden hat.

Nur nicht ins Krankenhaus. Da sterben pro Jahr 40 000 Menschen an Keimen. Und nach der OP werden sie "englisch entlassen". Das ist wie beim Steak. Also quasi noch blutig. Denn das Bett wird doch gebraucht für den Nächsten.

Ein Geheimnis deckte der zynische Dozent auf: Dr. Müller Wohlfahrt, der Arzt der deutschen Fußball-Elf, arbeitet nahezu ausschließlich mit Eisspray auf dem Rasen, wenn sich ein Profi-Kicker verletzt hat. Und sein zweites Geheimnis? Kaum einer kennt den Vornamen des Sportmediziners. Dabei sei Hans-Wilhelm "das beste Winnetou-Double seit Pierre Brice", meint Radiologe Wohlenberg. Der muss es wissen.

Sport werde eh kolossal überbewertet: Nordic Walking etwa. Man müsse nicht in jungen Jahren freiwillig am Stock gehen. Schauen Sie besser fern. Da passieren die wenigsten Unfälle. Nicht, um am Ende noch mit etwas Wissenschaftlichem abzuschließen: Wann beginnt das menschliche Leben? Na, wenn die Kinder aus dem Haus sind.