Kabarettist Martin Herrmann in der Stadthalle St. Ingbert

Kabarett A la Minute : Ein Schelm, über den man gerne lacht

Zum Auftakt der Reihe „A la Minute“ gab es in der St. Ingberter Stadthalle Lacher im Minutentakt. Dafür sorgte Kabarettist Martin Herrmann.

Geschichte kann mitunter grausam sein. Etwa, wenn man den wenig bekannten Rest der Story nicht kennt. Sankt Martin etwa, teilte bekanntlicherweise seinen Mantel mit einem Bettler und hat deshalb einen guten Ruf. Dass danach beide erfroren sind, weiß kaum jemand. Dies und weitere Anekdoten erfuhren am Donnerstagabend die Besucher der ersten Auflage der Kleinkunst-Reihe „A la Minute“ des Kulturamts in der Stadthalle. Der Gast dieses Mal: Martin Herrmann. Der Mitgewinner der St. Ingberter Pfanne von 1987 hatte sein aktuelles Programm „Keine Frau sucht Bauer“ im Gepäck. Der Schwabe sieht sich als Neuromantiker in Wort und Lied. Dabei steht er unter „Reimzwang“. „Auf dem Acker stehen heute immer weniger. Aber viele stehen auf den Akademiker“, so beschreibt der 62-Jährige das derzeitige Dilemma der Landwirte bei der Partnersuche.

Herrmann sieht sich als „erster, amtlicher Frauenflüsterer Deutschlands“. Doch eigentlich wäre er viel lieber Witwer. Der Haken: Dazu müsste er erst einmal eine Ehe schließen. Viele heiraten ja nur, um nach dem Standesamt hupend durch die Innenstadt fahren zu dürfen, ist er sich sicher. Greift zur Gitarre und singt „Das liegt bloß am IQ“. Selbstredend, dass dieser Titel, wie nahezu alle an diesem Abend, ein Reim ist. Man stelle sich so eine Art Harald Schmidt von vor gut 15 Jahren vor, als dieser noch längere Haare hatte. Das Ganze gepaart mit bayrischen-schwäbischen Slang und einem verschmitzten Wortwitz, bei dem einem die Boshaftigkeit erst dann klar wird, wenn der Satz schon ein paar Sekunden vorbei ist. Das hat was. Schelmisch ist er, dieser Herrmann. Kein Wunder: Er malt auch die Wegweiser im Wald an und reimt auch dort. Immerhin ist er „Outor“ (Autor), weil man sich da outet.

Wie auch Homosexuelle. „Natürlich müssen Schwule heiraten dürfen. Warum sollen die nur Spaß haben?“, philosophiert der Künstler. Doch der Mann ist auch kreativ. Wenn er gar auf der „tibetanischen Taschenharfe“, die eigentlich ein profaner Eierschneider ist, spielt. Dabei legt er das Küchenutensil auf die Gitarre, die auf seinem Schoß Platz hat und schmeißt sich in ein bajuwarisches Outfit. Zum Brüllen komisch. Doch er kümmert sich auch um die Probleme der Gegenwart. Etwa die in der Bundeshauptstadt. Dort haben Unbekannte einen 30 Meter langen Tunnel gegraben und eine Bank ausgeraubt. Es gibt wohl auch Berliner Baumaßnahmen, die gelingen. Es muss nicht gleich der Flughafen BER sein. „Gehen wir Trauben vergiften im Rewe?“, heißt beim ihm ein entfremdeter Georg Kreisler-Titel („Gehen wir Tauben vergiften im Park?“). Doch die Tiere hätten sich an das Gift längst gewöhnt und die Trauben sind eh‘ gespritzt. So’n Mist aber auch.

Doch manchmal muss, Dank satirisch-ironischer Sätze, ganz schön um die Ecke gedacht werden. Etwa, wenn sich alleinstehende Frauen CD’s mit Männergeräuschen kaufen, weil es ihnen in der Bude alleine zu einsam ist. Leise Geräusche im Bad beim kleinen Geschäft? – Ahh, ein Sitzpinkler. Ein Vampir radelt durch die Stadt. „Haben Sie was getrunken?“, fragt der Polizist. „Ja, zwei Radler!“ Menschen, die auf Blondinenwitze stehen, sind auch für die Todesstrafe und mögen Schlager. Jetzt bitte nur nicht durcheinander bringen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung