Junge St. Ingberter sind heiß auf eiskalten Bubble-Tea

Junge St. Ingberter sind heiß auf eiskalten Bubble-Tea

St. Ingbert. Neu? Von wegen. Schon in den 80er Jahren entwickelte sich das süß-kalte Getränk im ostasiatischen Inselstaat Taiwan zu einem wahren Kassenschlager. Die Welle schwappte schließlich über die USA nach Deutschland und an die Ufer der Saar. Auch dem St. Ingberter Benny Wendel blieb die Euphorie nicht verborgen

St. Ingbert. Neu? Von wegen. Schon in den 80er Jahren entwickelte sich das süß-kalte Getränk im ostasiatischen Inselstaat Taiwan zu einem wahren Kassenschlager. Die Welle schwappte schließlich über die USA nach Deutschland und an die Ufer der Saar. Auch dem St. Ingberter Benny Wendel blieb die Euphorie nicht verborgen. Doch erst während eines Einkaufsbummels mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind in Saarbrücken fiel bei dem 24-Jährigen im wahrsten Sinne des Wortes der Groschen. "Meine Freundin hat sich dort einen Bubble-Tea gekauft - nachdem sie 40 Minuten darauf warten musste." Wendel zögerte nicht lange, sondern nahm Kontakt zu Lieferanten auf, nahm an einer Schulung teil und wagte mit zwei engen Freunden den Sprung in die Selbstständigkeit. Thorsten Zintel und Markus Schwab spielten ebenfalls mit dem Gedanken, einen Bubble-Tea-Shop zu eröffnen. Statt miteinander zu konkurrieren, taten sie sich zusammen, mieteten das Ladenlokal an der Kaiserstraße 30 an und begrüßten am 30. April die ersten Kunden.Deren Alter schätzt Wendel auf "zehn Jahre bis Mitte/Ende 20." Ist im Umkreis die Schule aus, beginnt für das Team des Bubble-Tea-Shops die Stoßzeit. "Die Kinder sind nach den Bubbles ganz verrückt", hat Wendel festgestellt. Ohne das Erlebnis mit seiner Freundin hätte er wohl eine völlig andere berufliche Richtung eingeschlagen. Eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation hat er soeben erst abgeschlossen. Er hätte sich beruflich also auch in ruhigeres Fahrwasser begeben können. Denn die Konkurrenz in St. Ingbert steht schon in den Startlöchern. Zudem weiß niemand so recht, ob die Bubble-Tea-Blase irgendwann platzt. "Jetzt haben wir erst einmal die Welle, überall schießen die Läden aus dem Boden. Wir hoffen natürlich, dass es sich hält", sagt Wendel sowohl im Namen seiner zwei Partner, als auch stellvertretend für seine inzwischen zwölf Beschäftigten. Doch ans Scheitern denkt das Team nicht. Demnächst weiten sie ihre Präsenz auch noch auf Homburg und Saarlouis aus. obe

Foto: Michael Beer

Glosse

Vom Kampf mit der Bubble-Blase

Von Oliver BergmannKalorienbombe", "Zuckerschock", "Erstickungsgefahr" - der Ruf des Bubble-Teas ist schon ruiniert gewesen, bevor ihn viele St. Ingberter zum ersten Mal überhaupt probiert haben. Aber sie wohnen jetzt direkt an der Quelle. Von einem kleinen, etwas unscheinbar wirkenden Ladenlokal an der Kaiserstraße wird er unters Volk gebracht.

Drinnen sieht es ein wenig so aus wie in Reinhard Latzas Medizin-Laboratorium in Rohrbach. Besonders lange Zeit, sich alles genau anzuschauen, habe ich nicht. Die flinken Hände der freundlichen Mitarbeiterinnen reichen mir schon nach wenigen Augenblicken mein Teegetränk. Pfirsich mit Passions-Frucht-Bubbles, das klingt nach der dringend benötigten Erfrischung. Erschrocken starre ich auf den Strohhalm, der mit stolzen 1,2 Zentimetern Durchmesser daherkommt. Ich steche ihn durch die Versiegelung und ziehe und schmecke - und staune: So fürchterlich süß, wie überall behauptet wird, ist er gar nicht. Das liegt wohl an den großen, torpedoförmigen Eiswürfeln, die die Zuckerbombe entschärfen. Da ist so mancher Eistee aus dem Supermarkt um ein gutes Stück Zucker reicher. Dann stockt der Strohhalm-Zug - ein Bubble hat sich festgesaugt. Ein kräftiger Zug, und die Blase ist im Mund. Draufbeißen ist nicht - das Ding flutscht von einer Ecke in die andere, bis sie doch noch platzt und das Passionsfrucht-Aroma freisetzt. Die Bauchspeicheldrüse, die sonst mit literweise Cola strapaziert wird, nimmt's gelassen. Irgendwann ist der Becher leer. Jetzt erstmal ein Glas Wasser - das schmeckt zwar nicht ganz so gut, ist auch kein Kultgetränk, löscht aber dafür den Durst.