Jugend belebt das Seniorenhaus

Das Altenheim St. Anna in Neuweiler kooperiert mit einer St. Ingberter Schule. Und weil das so ist, bekommen die Senioren jede Woche Besuch von jungen Leuten. Die hören ihnen zu, gehen mit ihnen spazieren und packen gesellige Spiele aus.

Franziska Steinmetz (15) und Antonia Schäfer (15) bleiben St. Anna noch ein weiteres Jahr erhalten. Verabschiedet haben sich indessen Lea Conen (16), Caroline Fuhrmeister (16), Clemens Küntzer (15), alle aus Neuweiler, und Vincent Diemer (14) aus Hassel. Vier neue junge Leute werden jetzt die Lücke füllen, werden eintauchen in eine Welt, die sie so bisher nicht gekannt haben. Sie werden neue Erfahrungen machen und ihr Leben mit Sicherheit bereichern, soviel steht fest.

Ortstermin im Seniorenhaus St. Anna in Neuweiler. Die SZ traf sich mit den Jugendlichen, mit der Hausleiterin Karin Bleif und mit Heimleiter Michael Gries. 134 Seniorinnen und Senioren sind in St. Anna untergebracht. Sie alle freuen sich auf ein wenig Abwechslung im Alltag, sind froh über ein liebevolles Gespräch und freundliche Zuwendung, auf ein bisschen Spaß im Herbst des Lebens. Und dazu sind die jungen Leute da. Das Projekt "Compassion" (übersetzt: Mitgefühl, Barmherzigkeit) ist es, das den gedeihlichen Austausch von Jung und Alt ermöglicht. Das Projekt ins Leben gerufen hat im vergangenen Jahr Thomas Bonerz, der Leiter der Albertus-Magnus-Realschule in St. Ingbert. 147(!) Schülerinnen und Schüler waren es 2012, die sich für die freiwillige Arbeit in einer Senioreneinrichtung interessierten, und dieses Schuljahr sind es 102, wie Bonerz erzählt. Wohnortnah sollen die jungen Leute eingesetzt werden, mindestens eine Stunde pro Woche, und so kam auch St. Anna - neben 14 weiteren Einrichtungen im gesamten Saarpfalz-Kreis - in den Genuss des Compassion-Projekts. Natürlich, so Hausleiterin Bleif und Heimleiter Gries, werden die Schülerinnen und Schüler nicht allein gelassen, geschultes Personal weist sie ein und steht ihnen hilfreich zur Seite. Weil sie auch mit Senioren zu tun haben, die an Demenz erkrankt sind. Zu erkennen sind die Jugendlichen an weißen T-Shirts mit Aufdruck, der ihr ehrenamtliches Tun erkennen lässt. Franziska, Antonia, Lea, Caroline und Clemens (Vincent war beim SZ-Ortstermin leider nicht dabei), erzählen, dass sie in St. Anna schon eine Menge Spaß und Freude hatten. So gehe es beim beliebten Bingo-Spiel und auch beim "Mensch ärgere dich nicht" hoch her. Und dann kommen den betagten Herrschaften schöne Erinnerungen in den Sinn, wie bei der Seniorin, der beim Schwarze-Peter-Spiel vieles aus ihrem früheren Leben wieder einfiel. Als die wärmere Jahreszeit hereinbrach, durften sich die Heimbewohner auch auf begleitete Spaziergänge mit der Jugend freuen.

Bei den Schülern, die in einem Seniorenhaus arbeiteten, hat Thomas Bonerz einen "emotionalen Reifesprung" festgestellt. Sie sind erwachsener geworden. Sie haben festgestellt, dass es keine Barrieren geben muss zwischen Jung und Alt, zwischen topfit und gebrechlich. Einer profitiert vom anderen. Und schenkt ein bisschen Wärme her - in manchmal unterkühlten Zeiten.