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Jubiläum beim SR-Gesellschaftsabend: Emmanuel Peterfalvi, der Mann, der Alfons ist

Mit dem Puschel-Mikrofon in Radio und Fernsehen : Oh là là – ein Minderwertigkeitskomplex?

Was Emmanuel Peterfalvi und seine Kunstfigur Alfons an den Deutschen reizt. Der Moderator des SR-Gesellschaftsabends kam einst aus Frankreich und blieb.

Man kennt ihn als heftig französelnden Reporter Alfons mit gestreiftem Poloshirt, orangefarbener Trainingsjacke und Puschelmikro. Alfons arbeitet nach der Columbo-Methode: Mit seinem tollpatschigen Auftreten vermittelt er den Befragten das Gefühl der Überlegenheit, prompt werden sie zutraulich und tragen ihr Herz auf der Zunge, was entlarvend und komisch zugleich ist.

Dabei geht es Alfons mitnichten darum, Menschen vorzuführen, dafür mag sein reales Alter Ego sie viel zu gerne – er ist schlicht auf der Suche nach ehrlichen Antworten. Gut bürgerlich hört Alfons auf den schönen Namen Emmanuel Peterfalvi. 1967 in Paris geboren, lebt der Kabarettist seit 1991 in Hamburg, hat seit anderthalb Jahren neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft – und er spricht nahezu akzentfrei.

Die Figur des TV-Reporters Alfons für diverse NDR-Formate machte ihn berühmt. 2007 kam vom Saarländischen Rundfunk die Anfrage für „Puschel-TV“, im Anschluss erbte Alfons von Grantler Richard Rogler die Moderation des Gesellschaftsabends und der parallelen Fernsehaufzeichnung. Deren Name ändert sich traditionell mit dem jeweiligen Gastgeber, unter Peterfalvi heißt sie „Alfons und Gäste“: An sechs Abenden im Jahr werden insgesamt zwölf Folgen produziert und von SR/SWR monatlich ausgestrahlt. Der SR feiert aktuell Peterfalvis Zehnjähriges, dabei moderiere er den 1973 unter Hanns-Dieter Hüsch gestarteten Gesellschaftsabend schon seit 2018, sagt Peterfalvi schmunzelnd: „Wir haben das Jubiläum glatt verpeilt.“ Was möglicherweise daran liege, dass die Sache so viel Spaß mache, dass einem die Zeit nicht lange werde und man sie schon mal vergessen könne.

Wie entstand die Kunstfigur Alfons? Schon als Kind habe er Leute befragt, erzählt Peterfalvi: „Als ich sechs Jahre alt war, hat mir der Weihnachtsmann ein Mikrofon und einen Kassettenrecorder gebracht. Ein wunderbares Geschenk! Ich habe damit Interviews innerhalb der Familie durchgeführt, kleine Reportagen aufgezeichnet und in der Schule Audiovorträge gehalten. Ich habe das wirklich geliebt! Und ich habe das Medium Radio geliebt.“

So sehr liebte er das Radio, dass er als 14-Jähriger mit Kumpels einen Piratensender auf einem Pariser Dachboden betrieb, der allerdings von der Polizei stillgelegt wurde, weil er munter mit deren Frequenz querfunkte.

Nach dem Abi studierte Peterfalvi Kommunikationstechnologie. Um sich vor der Wehrpflicht zu drücken, ging er als frisch diplomierter Ingenieur 1991 für ein ausgiebiges Praktikum beim neuen Bezahl-Fernseh-Sender Premiere nach Hamburg. Am dortigen Goethe-Institut büffelte er Deutsch, bekam bei Premiere eine dreijährige Festanstellung als Redakteur – und blieb, nachdem er sich selbständig gemacht hatte, obwohl er damals noch nicht in Liebe zu den Deutschen entbrannt war.

Der Flirt begann, als Peterfalvi merkte, dass die Deutschen es nicht fassen konnten, dass ein Franzose freiwillig in Deutschland blieb. Oh là là – ein Minderwertigkeitskomplex? Peterfalvi: „Da gab es offenbar eine wunde Stelle. Diesen Knackpunkt wollte ich ausloten, ohne die Leute zu verletzen.“ Seine Figur Alfons wurde 2000 nach einem Testlauf auf einem Wochenmarkt geboren; derlei Orte gehören heute noch zu Peterfalvis bevorzugten Umfrage-Terrains. Alles lief chaotisch, erinnert er sich. Es regnete, die Haare – damals hatte er noch welche – waren feucht verwuschelt, die Notizzettel verwaschen und kaum mehr lesbar – voilà Alfons!

Die orangefarbene Trainingsjacke, das unverwüstliche Kunstfaser-Produkt eines volkseigenen Betriebs aus DDR-Zeiten, hatte Peterfalvi in einem Kostümverleih gefunden. Sage und schreibe 200 Folgen lang musste er sie für seine Beiträge für die NDR-Satire-Show „Extra 3“ für teuer Geld mieten, bis der Verleih schließlich bereit war, ihm das kostbare Unikat zu verkaufen. Längst hat Peterfalvi sicherheitshalber eine Kopie anfertigen lassen; aber meist, beteuert er, trage er das Original.

„Mittlerweile mache ich so gut wie keine Umfragen mehr, nur noch Reportagen“, erzählt Peterfalvi. „Ich bin nicht auf der Jagd nach O-Tönen. Ich will wahrhaftige, authentische Geschichten.“ Promis interessieren ihn dabei weniger: „An die kommt man wegen des PR-Schutzes meist auch gar nicht ran.“

Ausnahme: Roberto Blanco – den Schlagersänger habe er von einer ganz anderen Seite kennengelernt und dabei jede Menge Vorurteile über Bord werfen müssen.

Gern recherchiert Peterfalvi liebenswert Schrulliges, das Einblicke in die deutsche Seele erlaubt. Die Kehrwoche in einem schwäbischen Hochhaus etwa, wo ausgerechnet ein zugezogener Saarbrücker als notorischer Kehrverweigerer auffällt.

Oder er schließt sich Nacktwanderern an, die unter dem Motto „Zurück zur Natur“ durch die Gegend marschieren – naturbelassen, aber mit Navi. „Meine letzte Reportage war eine Grünkohlwanderung, die seit 1853 existiert“, berichtet Peterfalvi. Da hätten die Teilnehmer sich abgehetzt, um pünktlich die Pausen einhalten zu können – wunderbar absurd. Besonders gerne erinnert sich Peterfalvi an die Geschichte vom grummeligen Rentner Heinz, dessen raue Schale er mit seiner liebenswürdigen Hartnäckigkeit knackte und dem er letztendlich dabei half, seinen letzten Lebenswunsch zu erfüllen. 2006 widmete er Heinz sogar ein eigenes Bühnenprogramm, das zugleich seinen Anfang als Geschichtenerzähler markiert.

Längst ist die Bühne neben der Arbeit für Funk und Fernsehen ein weiteres Standbein geworden. Aktuell tourt Peterfalvi mit seinem mittlerweile sechsten und – nach eigener Einschätzung – „mit Abstand erfolgreichsten Solo“ quer durch die Republik. In „Alfons – jetzt noch deutscherer“ erzählt Peterfalvi die Geschichte seiner Einbürgerung und lüftet gleichzeitig so manches bewegende Familiengeheimnis.

Ein Foto aus den Anfängen bei „Alfons und Gäste“: Alfons mit legendärer orangefarbemer Jacke und mit dem Puschel-Mikrofon. Foto: Oliver Dietze

Der nächste SR-Gesellschaftsabend ist am 21. September im Großen Sendesaal auf dem Halberg. Gäste sind Jochen Malmsheimer, Martin Zingsheim und Lars Reichow. Karten gibt es ab sofort im SR-Shop bei Musik Knopp in der Futterstraße in Saarbrücken und über www.proticket.de
www.alfons-fragt.de