Joscho Stephan begeisterte beim Musiksommer in Homburg

Musiksommer : Virtuoses Spiel mit schnellen Fingern auf dem Griffbrett

Das Joscho Stephan Quartett begeisterte beim Musiksommer die Zuhörer auf dem Homburger Marktplatz mit leidenschaftlicher Musik.

Normalerweise ist das so in den berühmten Sinti-Musikerfamilien: Die Kinder werden schon früh an ein Instrument gesetzt, wodurch schon früh eine Musikauslese stattfindet. Dies könnte man auch bei Joscho Stephan vermuten, der als typischer Gypsy-Jazzgitarrist in die Fußstapfen des großen Django Reinhardt tritt. Allerdings ist dies bei ihm anders, obwohl Vater Günter mit ihm auf der Bühne steht. „Wir sind keine klassische Musikerdynastie“, sagte Günter Stephan im Pausengespräch, „mein Vater war zwar Roma, aber kein Musiker.“ Den sechsjährigen Joscho habe er in den Gitarrenunterricht geschickt, aber damals sollte der Sprössling Klassik lernen. Weil Vater Günter die Schwierigkeiten als Profimusiker kannte, musste Joscho zunächst eine Lehre absolvieren.

Aber der Chef saß in der Concorde, die in Paris abstürzte – das tragische Unglück half dann mit, dass Joscho Stephan ganz auf die Musik setzte. „Talent hatte er schon als Kind gehabt, das ist angeboren. Der kann einfach nicht falsch spielen“, meinte der Vater mit Nachdruck. Als der Angesprochene später zu dem Gespräch stieß, sagte er mit einem Lachen: „Alles, was mein Vater gesagt hat, stimmt!“ Er habe einfach das Glück gehabt, dass er zu Hause jemanden hatte, der ihn an der Rhythmusgitarre begleitet hat. Erst als Heranwachsender habe er sich auf den Gypsy-Jazz konzentriert. Dass Joscho Stephan keine falschen Töne spielt, hörten die etwa 300 Zuschauer auf dem Homburger Marktplatz ganz genau, bei dem er mit seinem Vater, Kontrabassist Volker Kamp und Geiger Sebastian Reimann zum ersten Mal beim Musiksommer aufgetreten ist.

„Es war Zeit, dass wir denen mal was zeigen in Homburg“, sagte der Kulturbeigeordnete Raimund Konrad. In der Tat stellte der Gitarrist aus Mönchengladbach ein besonderes Erlebnis dar. Seine Finger wanderten mit sagenhafter Geschwindigkeit übers Griffbrett, meisterten die virtuosesten Passagen mit Bravour und schienen nie zu ermüden. Zumindest gab es keinerlei Anzeichen in Stephans Gesicht. Spielte das Quartett im ersten Teil noch einige eigene Gypsy-Nummern, so kamen im zweiten Teil zwei „Ausreißer“ zu Gehör: Einmal eine Adaption von Mozarts „Rondo alla turca“, zu der sich Stephan die wunderbar bizarre Geschichte von Mozart als türkischem Zuckerbäcker ausgedacht hatte.

Zum anderen den in der Version von Jimi Hendrix bekannten Song „Hey Joe“, dem das Quartett einen Gypsy-Anstrich verpasste. Mozart und Hendrix, zwei große Virtuosen ihrer jeweiligen Zeit, das passte gut zum Können von Joscho Stephan, für dessen Soli immer wieder heftiger Applaus aufbrandete.

Dem größten Gypsy-Virtuosen, Django Reinhardt, huldigte Stephan am Ende mit dem berühmten Minor Swing. Viele seiner Kollegen wollten dieses Stück nicht mehr spielen, erzählte er in der Pause. Es sei zu abgelutscht. „Ich glaube aber, das ist der falsche Weg. Man muss die Leute ja auch begeistern für die Musik. Den Minor Swing verbindet man mit Django Reinhardt, wieso sollte man den dann weglassen?“.

Die Zuhörer hatten teilweise wegen Stephan einen längeren Weg auf sich genommen. So etwa Jürgen Renner aus Dudweiler: „Ich fand es ausgezeichnet und habe ihn schon öfter gehört. Aber heute, finde ich, hat er Weltklasse gespielt. Heute herzukommen war für mich ein Muss.“ Auch Winfried Raab aus dem Mandelbachtal war gezielt zu dem Konzert gekommen: „Ich kannte ihn schon von einem anderen Konzert am Schloss in Saarbrücken. Da war ich so begeistert, dass ich nicht umhin konnte, heute dieses Konzert zu besuchen.“

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