Collegium Vocale Blieskastel Eine ergreifende Johannespassion in der Hildegardskirche

St Ingbert/Blieskastel · Mucksmäuschenstill saß das Publikum, als der letzte Ton verklungen war. Dann brandete großer Beifall auf für eine dramatische und berührende Aufführung der Johannespassion von Bach. Zwei Jahre hatte das Collegium Vocale Blieskastel darauf warten müssen, sein Geburtstagskonzert endlich nachholen zu können.

 Landrat Theophil Gallo bat beim Konzert um Hilfe für die Ukraine.

Landrat Theophil Gallo bat beim Konzert um Hilfe für die Ukraine.

Foto: Anja Greff

So geriet dieses Konzert zu einem ganz besonderen Erlebnis sowohl für die Besucher als auch für die rund 70 Mitwirkenden.

Bachs musikalische Erzählung vom leidenden Jesus, der in der Erniedrigung seine Verherrlichung erfährt, gehört zu den ergreifendsten Musiken, die je komponiert wurden. In Gedenken des aktuellen furchtbaren Leides der Ukrainer, bat zu Beginn Landrat Theophil Gallo um Unterstützung für die vom Saarpfalzkreis organisierte Hilfe für den ukrainischen Partnerkreis. Natürlich verhallte sein Aufruf nicht ungehört, sodass eine beachtliche Summe zustande kam.

Pandemiebedingt mussten spontan Änderungen in der Besetzung stattfinden. Als Continuo- und Solo-Cellistin fungierte mit erstaunlicher Zuverlässigkeit Jasmin Blomenkamp, die Bass-Arien übernahm kurzfristig Vinzenz Haab. Hinzu traten die Klangschönheit der Sopranistin Anna-Sophie Brosig zum Beispiel in der „Zerfließe“-Arie, die tief erschütterte Innigkeit der Altistin Sandra Stahlheber etwa bei „Es ist vollbracht“ und der feierliche Ernst der Christus-Worte, die von Matthias Weichert beigetragen wurden. Die wichtigste Partie gehörte Tilman Lichdi, der nicht nur den Evangelisten verkörperte, sondern außerdem auch die Tenor-Arien sang. Mit seiner beweglichen Stimme und geradezu schauspielerischer Einfühlung in die unterschiedlichen Szenen packte er das Publikum und nahm es mit in unterschiedlichste Gefühlswelten. Im Orchester aus Mitgliedern der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken – Kaiserslautern waren fast alle Instrumentalisten mit meist virtuosen solistischen Aufgaben betraut und damit verantwortlich für die unterschiedlichen Klangfarben beispielsweise der konzertierenden Holzbläser oder der mit Dämpfer spielenden Streicher. Die Continuo-Gruppe ergänzte die verlässliche Basis für die Rezitative und trug zur Textausdeutung maßgeblich bei.

Die Chorsängerinnen und -sänger zeigten tiefe Innigkeit in den Chorälen und großartige Dramatik bei den Turba-Chören, in denen sie die aufgebrachte, gehässige Menge darstellen mussten. Die Leitung der Aufführung lag in den Händen von Dekanatskantor Christian von Blohn, der den Chor vor nunmehr 32 Jahren gegründet hat.