Jetzt müssen Beschlüsse her

St. Ingbert. Über die öffentlichen Toiletten in der Innenstadt wurde in den vergangenen Wochen öffentlich viel diskutiert. Aus Sicht des St. Ingberter Seniorenbeirates sind jetzt aber konkrete Beschlüsse nötig. Einige Anregungen, die zeitnah möglich wären, hat das Gremium dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat schriftlich bereits gemacht. SZ-Redakteur Manfred Schetting sprach mit Peter Buhmann, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirates.

Das Logo der Aktion „Nette Toilette“, hier die Variante von Ludwigsburg. Foto: Nette Toilette Foto: Nette Toilette

Was wäre momentan bei den öffentlichen Toiletten vorrangig zu tun?

Buhmann: Die städtischen öffentlichen Toiletten, die bestehen, sollten unverzüglich in einen in einen baulichen und hygienischen Zustand versetzt werden, der für ältere Menschen, aber natürlich nicht nur sie, wieder akzeptabel ist. Daneben müssten die Toiletten täglich mehrfach kontrolliert und erforderlichenfalls auch gereinigt werden.

Und wie steht es um die Idee der "Netten Toilette"?

Buhmann: Die in mehreren Städten bereits praktizierte Regelung "Nette Toilette", bei der die beteiligten Gastronomiebetriebe ihre bestehenden Toiletten zur allgemeinen Benutzung freigeben, wäre zu diskutieren und zu realisieren, weil sie auch in St. Ingbert die derzeitige Lage verbessern würde. Allerdings muss man auch wissen, dass die Stadt einen finanziellen Ausgleich für Reinigung und Wartung der dann frei zugänglichen WC zahlen müsste. Zudem sind die Bezeichnung "Nette Toilette" und ihr Erkennungszeichen rechtlich geschützt und mit Lizenzgebühren belegt. Die könnte man aus Sicht des Seniorenbeirats möglicherweise sparen, in dem man in St. Ingbert einen eigenen Begriff und eine zur "Corporate Identity" der Stadt passenden Aufkleber entwickelt.

Sind solche Kosten ein Hindernis für die Umsetzung der Idee?

Buhmann: Hoffentlich nicht. Eine Beteiligung der Gastronomie oder auch des Handels in St. Ingbert lässt sich aus unserer Sicht Erfolg versprechend aber nur erreichen, wenn deren Bereitschaft zur Mitarbeit auch finanziell angemessen abgegolten wird. Die Stadt sollte auch schnell Gespräche mit der Gastronomie und dem Handel suchen, möglichst unter Einbeziehung von Stadtmarketing sowie Handel und Gewerbe.

Sie weisen auch darauf hin, dass in der Innenstadt auch mit der "Netten Toilette" nur wenige Toiletten gäbe, die barrierefrei und behindertengerecht auch für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator zugänglich sind. Wo gibt es die rühmliche Ausnahme?

Buhmann: Allem voran im Erdgeschoss der Stadtbücherei, wo beim Umbau des Gebäudes mit nicht unerheblichen öffentlichen Fördergeldern eine neue und funktionierende Toilettenanlage entstanden ist. Diese war seit ihrer Errichtung aber nie, wie ursprünglich geplant, für die Öffentlichkeit zugänglich. Das lag wohl daran, dass Raum vor der Sanitäranlage zunächst das Beratungscenter der Stadtwerke war und jetzt als Büroraum von Stadtmarketing genutzt wird. Bleibt das so, ist es natürlich undenkbar, dass das Büro der beiden Stadtmarketing-Mitarbeiterinnen den Vorraum einer öffentliche Toilette darstellt. Daher sollte man ernsthaft prüfen, ob nicht doch die Möglichkeit besteht, den Arbeitsplatz der Damen von Stadtmarketing zu verlagern. Dann böte sich die Chance, die mit viel öffentlichem Geld errichtete barrierefreie Toilettenanlage endlich wie gedacht zu benutzen. Mit bescheidenen öffentlichen Mitteln könnte die Anlage auch durch eine ständig anwesende Person überwacht und stets sauber gehalten werden. Schön wäre es zudem, wenn hier auch eine Wickelstation für Kleinkinder möglich wäre, die in der Fußgängerzone ebenfalls fehlt.