Jazzfrühschoppen am Samstag in Homburg mit den Sazerac Swingers

Jazzfrühschoppen in Homburg : Ein Jazz-Cocktail in Homburg zum Verlieben

Die Sazerac Swingers spielten die Gäste auf dem Homburger Marktplatz am Samstag hinein in die Gefühlswelt des New-Orleans-Jazz.

Der „Sazerac“ gilt als der wichtigste Cocktail der Jazz-Metropole New Orleans. Das älteste, niedergeschriebene Rezept für diesen Klassiker sieht folgende Mixtur vor: Guter Roggen-Whiskey, ein halber Würfel Zucker, ein bisschen Wasser, zwei Spritzer Peychaud Bitters und ein Stück Zitronenrinde. Um diese Mischung nun aber zu einem „Sazerac“ zu machen, fehlt noch ein wichtiger Schritt – das Glas muss mit Absinth benetzt sein.

Nun gibt es „Sazerac“ allerdings nicht nur als Kehlenfreude, sondern auch zum Hören, dank einer Band aus Gütersloh, die sich schon im Namen New Orleans verschrieben hat: die Sazerac Swingers. Die machten am Samstag beim Jazzfrühschoppen zum ersten Mal Station in Homburg. Und das mit Furore. Die Band um Bandleader Max Oestersötebier spielte die vom ersten Ton an begeisterten Gäste gekonnt und mit viel Verve hinaus aus dem schmuddeligen Homburger Samstagmorgen-Wetter und hinein in die begeistertende Gefühlwelt des New-Orleans-Jazz. Da konnte man sich ganz schnell verlieben – verlieben in einen Sound, weitab von verkopftem Individualisten-Jazz. Was Sazerac da lieferten, das war Freude-Jazz auf höchstem Niveau, locker, leicht, mit unglaublich viel Lebensfreude. Dass die Sazerac Swingers dabei nicht nur als Kollektiv glänzen konnten, sondern jeder Musiker auch viel, viel Raum hatte, sein ganz eigenes Können zu präsentieren, auch das prägte den Morgen auf dem historischen Homburger Marktplatz. Auf der Bühne glänzten: Eben Max Oestersötebier an der Gitarre, Georg Kirschner am Schlagzeug, Lars Bechstein an der Posaune und den Percissions, Jonas Rabener an den Saxophonen, Terence Ngassa an der Trompete, Roger Clarke-Johnson am Kontrabass und Emely Rault als weibliche Stimme von Sazerac.

Bevor es auf dem Marktplatz richtig los ging, nahm sich Max Oestersötebier ein paar Minuten Zeit für unsere Zeitung – und plauderte ein bisschen aus dem Jazz-Nähkästchen. „Jazz ist für mich vor allem Kommunikation und Demokratie. Man bringt etwas gemeinsam auf die Bühne. Und das geht eben nur im Austausch der Ideen.“ Dieser Austausch gelinge als Gruppe nur dann, wenn man sich auch abseits der Bühne etwas zu sagen habe. „Deswegen ist es bei uns auch gerade besonders wichtig, dass wir alle untereinander befreundet sind. Das muss man auch sein, wir sind so rund 100 Tage im Jahr gemeinsam unterwegs. Da sollte man sich auch gut verstehen. Wir sind die ganze Zeit am Lachen im Bandbus, wir machen immer nur Blödsinn, wir hören uns beschissene Platten an, wir lesen Pornozeitungen – wir haben immer nur Spaß.“ Weil man so miteinander umgehe und auf gleichem Level Ideen austausche, entstehe eben die Musik von Sazerac, „bei der wir eigene Sachen und alte Standards zusammen bringen. Und dieser Jazz wird kreiert durch die Kommunikation“. Dabei gebe es für jedes Stück ein Korsett, „das ist kein Free-Jazz. Alle Stücke haben eine Grundstuktur und Leitmotive. Aber was letztendlich gespielt wird, also die Improvisation, das entsteht auf der Bühne.“

Was Max Oestersötebier so in Worte kleidete, hörte sich wenig später wirklich bemerkenswert an. Schon der Beginn zeigte da, dass der Auftritt der Sazerac Swingers keiner der üblichen werden würde: Georg Kirschner läutete den Morgen mit einem beeindruckenden Schlagzeug-Intro ein, einem Intro mit jeder Menge Groove. Danach servierte die Band ihren Sazerac-Cocktail mit einer Leidenschaft, die aus jedem Ton sprach. Und auch die von Oestersötebier beschriebene gute Laune innerhalb der Band ließ sich hören und konnte sich hören lassen. Immer wieder mit hinreißenden Solopassagen ließ die Band aus Gütersloh keinen Zweifel daran aufkommen: New-Orleans-Jazz ist fürs Herz und fürs Ohr genauso lecker wie der berühmte Cocktail für den Gaumen. Nicht weniger beeindruckend auch die Gesangspassagen. Dabei präsentierte sich Oestersötebier nicht nur als ausgewiesen guter Jazz-Gitarrist, sondern auch als stimmsicherer Sänger. Nicht weniger beeindruckend auch der Auftritt von Emily Rault, die für die ausgesprochen weibliche Note eines gelungenen Jazz-Vormittags in Homburg sorgte.

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