Interkultureller Dialog in der Küche

St. Ingbert. Vor zwei Jahren startete die Protestantische Christuskirchengemeinde St. Ingbert ihr Projekt der "guten Nachbarschaft" mit den muslimischen Mitbürgern der Sultan-Eyüp-Moschee. Dieses Projekt lief auf verschiedenen Ebenen

St. Ingbert. Vor zwei Jahren startete die Protestantische Christuskirchengemeinde St. Ingbert ihr Projekt der "guten Nachbarschaft" mit den muslimischen Mitbürgern der Sultan-Eyüp-Moschee. Dieses Projekt lief auf verschiedenen Ebenen. Neben gegenseitigen Besuchen der jeweiligen Gemeindeleitungen fanden Besuche muslimischer Kinder in der Kirche und christlicher Kinder in der Moschee statt. Es wurde miteinander Fußball gespielt und füreinander gekocht. Diese Ebene des Projektes fand nun seine Fortsetzung in der Lehrküche des Berufsbildungszentrums, die Landrat Clemens Lindemann kostenfrei für das Projekt zur Verfügung stellte.Das Los wollte es so, dass in diesem Jahr die Muslime für die Christen kochten. Zehn muslimische Männer waren offensichtlich auf ihr Menü sehr sorgfältig vorbereitet und ließen die zehn "Christenmänner" staunen. Ihnen wurde klar, dass es eine Herausforderung sein wird, im nächsten Jahr auf ähnlichem Niveau mit ihrem Kochen für die Muslime zu antworten. In seiner Tischrede betonte Pfarrer Fred Schneider-Mohr, dass es bei dem Projekt "Christen und Muslime in St. Ingbert begegnen sich" ganz einfach um die Ebene der direkten zwischenmenschlichen Begegnung - im Sinne der "guten Nachbarschaft" - geht. Ganz bewusst sollen die großen Fragen des Dialoges zwischen den Religionen oder der großen Politik hier nicht im Vordergrund stehen. Sehr wohl sollen aber auf der Ebene des zwischenmenschlichen Kontaktes die Tradition und Kultur des jeweils Anderen geachtet werden. So tranken die Christenmänner beim Essen selbstverständlich ihren Wein und die Muslime blieben selbstverständlich bei ihren antialkoholischen Getränken. Das hinderte nicht daran, an diesem Abend viele Sympathien füreinander zu entdecken. Nachdem die Christen das gemeinsame Essen mit einem Gebet eröffnet hatten, beschlossen es die Muslime - gemäß ihrer Tradition - mit dem Gebet nach dem Essen. Noch am gleichen Abend erklärte sich Achmad, ein Mitbürger aus Pakistan, bereit, beim Gemeindefest der Christuskirchengemeinde, das an diesem Sonntag gefeiert wird, für die Muslime den Putenschwenker zu bedienen. red