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Ingo Nietert leitet das Kulturamt und die Musikschule in St. Ingbert

Kulturmanager in St. Ingbert Ingo Nietert : St. Ingberts neuer „Kulturabsage-Leiter“

Ingo Nietert, der Leiter der städtischen Musikschule, hat inzwischen auch die Führung der Abteilung Kultur in St. Ingbert übernommen.

Seit dem 1. März leitet er die städtischen Geschicke in Sachen Kultur – und hat doch erst vor kurzem seine erste Veranstaltung umsetzen können. Ingo Nietert ist Leiter der Abteilung Kultur. Bereits im November 2018 übernahm er die Leitung der städtischen Musikschule. „Ich bin bundesweit wohl der einzige in einer solchen Position, der direkt nach Amtsantritt keine einzige Veranstaltung organisieren konnte“, nimmt er es mit Humor und fügt hinzu: „Ich bin eigentlich Kulturabsage-Leiter.“ Das ist natürlich nur der Pandemie geschuldet, der alle Veranstaltungen weichen müssen.

Langweilig wurde dem 45-Jährigen aber trotzdem nicht. „Ich hatte noch nie so viele Sitzungen wie jetzt zu dieser Zeit“, sagt er. Schließlich galt es nach den Absagen, sich auch mit den laufenden Verträgen auseinanderzusetzen. Dabei galt die Devise: möglichst wenig absagen, möglichst viel verschieben. „Da muss man mit dem Faktor Hoffnung arbeiten“, wie Nietert es ausdrückt. Als Beispiel nennt er eines der Aushängeschilder der Stadt: die St. Ingberter Pfanne. Das Kleinkunst-Festival, das im Herbst stattfinden soll, soll nach Wunsch von Ingo Nietert und natürlich auch von ganz vielen anderen Menschen nicht abgesagt werden.

Doch da in die Stadthalle rund 800 Besucher passen, ist es fraglich, ob sich zu dem Zeitpunkt so viele Menschen überhaupt versammeln dürfen. Man war halt noch nie in einer Situation, wie sie derzeit vorherrscht. „Es ist ein ständiges Warten und Reagieren“, wie Nietert erklärt. Parallel laufen regelmäßig Gespräche mit dem Medienpartner. Auch müssten Verträge geschlossen werden; nicht nur mit den Künstlern, sondern auch mit den technisch Beteiligten. Dazu kommen Bestuhlungspläne, die erstellt und laufend aktualisiert werden müssen. „Das bindet im Moment viel Zeit“, erläutert er. Die Sichtungen der Kandidaten jedenfalls lief bereits.

Als erster „Testballon“ für Kultur in Corona-Zeiten lief Mitte Juni ein Comedy-Programm in der alten JVA. Weitere reguläre Veranstaltungen sollen im September folgen. Sollte sich der Innenhof der JVA bewähren, könne man aber über weitere Freiluft-Veranstaltungen, schon für die nächsten Wochen, nachdenken.

Kleinere Konzerte könnten gespielt oder Filme gezeigt werden. Hierbei sollen möglichst lokale Künstler unterstützt werden. Dabei muss er jedoch immer die ebenfalls durch Corona bedingte Haushaltssperre im Hinterkopf behalten. „Es ist deshalb zwar ein Ringen um die Kultur. In einer Kultur- und Bildungsstadt ist Kultur aber auch in Krisenzeiten Verpflichtung. Das ist glücklicherweise bei allen maßgeblichen Akteuren im Rathaus Konsens.“

Ihm selbst schwebt es vor, „einige spannende Projekte anzustoßen“, wie er sagt. Ausstellungen könnten beispielsweise musikalisch untermalt werden. Und generell geht es ihm um die Vernetzung untereinander zwischen den Kulturtreibenden und Veranstaltern. Dazu komme ihm zugute, dass er sich gut in andere Menschen hineinversetzen könne. Ingo Nietert studierte Orchestermusik und später noch Betriebswirtschaftslehre. Dazu hörte er Rechtswissenschaften, hat also sowohl einen künstlerischen als auch einen wirtschaftlichen Blick auf Veranstaltungen.

Geboren wurde er in Mönchengladbach, aufgewachsen ist er vorrangig im Raum Frankfurt. Er spielt selbst Posaune und hofft in seiner Eigenschaft als Leiter der Musikschule natürlich, dass auch dort der Unterrichtsbetrieb bald ohne Einschränkungen wieder möglich ist. Privat leitet Nietert noch zwei Projektorchester in Hessen und Bayern, mit denen er bereits zahlreiche Aufnahmen einspielte, mit denen man unter anderem den Echo Klassik gewann. In dieser Eigenschaft erlebte er auch hautnah mit, wie die einzelnen Bundesländer Restriktionen umsetzten. Für seine neue Tätigkeit hat er vor allem einen Wunsch: „Es wäre schön, neue Akzente zu setzen und ein Bewusstsein für die Systemrelevanz der Kultur zu schaffen.“