In St. Ingbert fand die Börse "Edle Steine" statt

Kostenpflichtiger Inhalt: Edelsteinbörse in St. Ingbert : Naturgeschichte in Stein gemeißelt

Am Wochenende fand die Börse „Edle Steine“ in St. Ingbert statt. Wegen der Vielfalt der angebotenen Gesteine, Mineralien, Fossilien und Schmucksteine verging ein mehrstündiger Besuch wie im Fluge.

Es liegt in der Natur des Menschen, neugierig zu sein und die meisten mögen auch Überraschungen. Wer so „gestrickt“ ist, für den war die Edelstein-Börse am Wochenende in der St. Ingberter Stadthalle ein idealer Tummelplatz, auf dem es obendrauf noch jede Menge Wissenswertes und Interessantes zu erfahren gab. Denn die meisten der knapp 60 Aussteller verstehen sich nicht nur aufs Präsentieren und Verkaufen, sondern wissen, welche (Natur-)Geschichte in ihren Steinen, Mineralien, Fossilien und Schmuckstücken steckt. Und so führen Händler oder Sammler und Kunde nicht nur ein klassisches Verkaufsgespräch, sondern tauchen zum Teil tief in die Materie ein.

Doch das waren nicht die einzigen Argumente, die Stammbesucher und „Neulinge“ in die Stadthalle und den Kuppelsaal zogen. Es zählten vor allem die vielen „glänzenden Argumente“. Denn die verarbeiteten und polierten Wunder der Natur, die man sich als Deko- oder Schauobjekt sowie als Ring und Halskette mit nach Hause nehmen konnte, machten einen großen Teil des Angebots aus. Bei den Unterhaltungen am Rande der Börse war es nicht selten, dass sich manche der Besucherinnen bereits ein Jahr auf diese Veranstaltung freuten, weil ein einfaches Kleid noch mit einem gefassten Kristall aufgewertet werden musste.

Die verschiedenen Gesteine, Mineralien und Fossilen sorgten für großes Interesse. Foto: Cornelia Jung

Wer nicht fündig wurde, hatte vielleicht nur nicht richtig hingeschaut, denn es blieb kaum ein Wunsch offen, was Farben, Formen oder Verarbeitung betraf. Und selbst die „alten Hasen“, die mit ihren Ständen jedes Jahr auf die Börse kommen, konnten noch etwas lernen, wenn ein fachkundiger Laie, ein gelernter Chemiker, ein studierter Mineraloge oder ein überaus engagierter Sammler auf Fehler auf den Angebotsschildchen hinwiesen. Da wurde selbst bei den Anbietern der Ehrgeiz oder der Wissensdrang für ihre Ware neu entfacht. Immer wieder lassen sich die Teilnehmer neue Dinge für die Besucher einfallen, werben in der dunklen Jahreszeit mit „Blüten aus Stein“ um Kunden oder bringen Mineralien mit, die sie in St. Ingbert noch nie dabei hatten. Immer wieder schön ist es, wenn sich Besucher und Händler so intensiv mit den Objekten der Begierde befassen, deren Herkunft und Entstehung erläutern, so dass man irgendwann nicht mehr weiß, wer von beiden nun der eigentliche Fachmann ist.

Es gibt Stände, die stechen durch die Liebe zum Material, die sich in der Präsentation und der Verarbeitung äußert, einfach heraus. Und da das Auge nicht nur bei einer Mahlzeit mitisst, reagieren Besucher sehr direkt auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten. „Der Türkis da, der knallt ja richtig raus“, sagte eine Frau, die das Mineral auf einem Schmuckstück bewunderte. Da zeigte sich einmal mehr, dass das Verarbeiten von Edelsteinen oder Mineralien nicht nur ein Handwerk, sondern eine Kunst ist. Gold- und Silberschmiedemeisterin Stephanie Kurz aus Zweibrücken ist schon seit einigen Jahren bei der Börse „Edle Steine“ dabei und arbeitet auch vor den Augen der Besucher an einigen Armbändern weiter. Sie findet diese „tolle“ Veranstaltung „oberphantastisch“, weil sie es „liebt, wie sich die Leute von meinen Sachen überraschen lassen“. Da werden Perlen, mit Silber und Gold veredelt, zu einer Squaw oder einem Harlekin, die dann als Anhänger ihre Trägerin schmücken. Ihre Ringe waren so begehrt, dass schon am Samstag um die Mittagszeit keiner mehr zu haben war.

Neben Fossilien und Edelsteinen wurden auch verschiedene Mineralien kunstvoll angeboten. Foto: Cornelia Jung

Am Stand von Klaus Bistan gab es keinen Schmuck zu bewundern, sondern unter anderem dessen „Urmaterial“. Der Saarbrücker hatte Gold dabei, das er selbst fand. Schnell kam man mit ihm ins Gespräch um Schürfrechte in Australien, die Fundmöglichkeiten oder auch die Faszination, die dieses Edelmetall seit Alters her auf die Menschen ausübt. Vor allem Kinder staunten über das riesige Angebot. Sie kannten sich zum Teil schon gut bei den Steinen und Fossilien aus, und gaben ihr Taschengeld gern für das Öffnen einer Gesteinskugel aus, in deren Inneren eine Mikrowelt aus Quarzkristallen nur darauf wartete, entdeckt und ans Licht gebracht zu werden.

Selbst Waidmänner und -frauen konnten bei dieser Messe mitdiskutieren: Im Kuppelsaal stand ein Teil eines Rehkiefers aus der Eiszeit zum Verkauf. Nach eingehender Begutachtung bestätigte eine mineralaffine Jägerin, dass sich die Anatomie von damals zu heute kaum verändert habe. Sonderaussteller Max Wolf entführte mit regionalen Fossilien und Achaten in eine Zeit, als Schmelzschuppenfische und Haie in Pfälzer Gewässern schwammen oder Ammoniten durch das Wasser des Bliesgaus schwebten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Edelstein-Börse in St. Ingbert begeistert zahlreiche Gäste

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