Im Spannungsfeld der regionalen Geschichte

Im Spannungsfeld der regionalen Geschichte

Anfang September 1939 begann eine der großen Räumungsaktion in vielen Orten und Dörfern in der Saarpfalz. Zwischen Aßweiler, Blieskastel, Einöd, Hassel und Walsheim wurden Tausende zwangsevakuiert. Sie lebten in der „Roten Zone“ – einem Kampfgebiet hinter dem Westwall. Nun dreht der SR einen zweiteiligen Film über diese Zeit und spannt dabei den Bogen bis zu Flüchtlingen der Gegenwart.

"Von einem auf den anderen Tag änderte sich im September 1939 das Leben der Menschen in einem Großteil des heutigen Saarpfalz-Kreises. Ab dem 1. September begann eine große Räumungsmaßnahme: Alle Dörfer und Städte, die in der "Roten Zone" einem zehn Kilometer Kilometer breiten Streifen entlang der französischen Grenze lagen, wurden evakuiert," sagt der Historiker und SZ-Redakteur Jürgen Neumann zu Beginn eines Vortrags vor Schülerinnen und Schülern im Homburger Saarpfalz-Gymnasium. Die Zivilisten lebten mitten im Schussfeld zwischen der französischen Maginot-Linie und dem deutschen Westwall. Eine halbe Million Menschen an der Saar, in der Pfalz und in Baden wurden ins Landesinnere gebracht; auf lothringischer und elsässischer Seite mussten 400 000 Einwohner auch ihr Hab und Gut verlassen.

In Homburg mit dabei: der Saarländische Rundfunk mit Journalistin Annette Bak und ihr Team mit Tontechnik und Aufnahmeleitung. "Der Vortrag und das Interview mit Jürgen Neumann ist Teil eines zweiteiligen Films, der Anfang Oktober im SR-Fernsehen gesendet wird", sagt Annette Bak. Sie wolle mit Zeitzeugen auf beiden Seiten der Grenze sprechen, gleichzeitig junge Menschen die Geschichte näher bringen und einen Bogen zur aktuellen Vertriebenen- und Flüchtlingsproblematik herstellen. Dazu gehören auch ein Besuch im Ort Petit-Rederching und Gespräche mit Zeitzeugen sowie ein Treffen mit dem Kreis "Dorfgeschichte in Niedergailbach". Es werden weitere Termine mit Treffen vor Ort bis zum endgültigen Film folgen.

"Die Rote Zone hat bisher in unserer AG Geschichte nur eine marginale Rolle gespielt. Als Annette Bak bei mir anfragte, ob meine Schüler Interesse haben, sie bei Filmaufnahmen über die Rote Zone zu Zeitzeugenbegegnungen zu begleiten, zögerten wir keine Sekunde", sagt der Homburger Lehrer für Deutsch und Geschichte am Saarpfalz-Gymnasium, Eberhard Jung, bei den Filmaufnahmen . Dieses unmittelbare Erleben von Geschichte an Originalschauplätzen sei von hohem Wert. Dadurch würden die Jugendlichen sensibilisiert für das Unrecht und die Opfer, die Hitlers Politik den Grenzbewohnern aufgezwungen habe. Die Schüler lernten dadurch, das Schicksal von Flüchtlingen besser zu verstehen.

Die SR-Rundfunk-Journalistin Annette Bak beim Planungsgespräch mit SZ-Redakteur Jürgen Neumann. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Der Homburger Lehrer Eberhard Jung (rechts) bei dem Filmtermin mit Schülern und SR-Team. Foto: J. Martin/Saarpfalz-Gymnasium. Foto: J. Martin/Saarpfalz-Gymnasium
Die Homburger Schülerin Jasmin Martin wird für den Film über die Evakuierung aus der Roten Zone interviewt. Foto: E. Jung. Foto: E. Jung
Was mit der Evakuierung 1939 im September in der Saarpfalz begann, endete 1944/45 mit der Zerstörung der Dörfer und Städte, hier Homburg. Unser Foto zeigt den US-Einmarsch. Foto: Stadt Homburg. Foto: Stadt Homburg

Zum Thema:

HintergrundDie Serie "Evakuierung in der Roten Zone" von Jürgen Neumann erschien zwischen September und Oktober 2014. Anlass war das 75-jährige Erinnern an diese Zeit. Diese Zeit wurde zum Schlüsselerlebnis vieler Menschen in den Städten und Dörfern zwischen Einöd und der lothringischen Grenze. Die Reaktion auf diese fast unbekannte Zeit war groß. In vielen Gesprächen kamen Zeitzeugen zu Wort. Sie schilderten ihre ganz persönlichen Eindrücke vom Schulleben, Berufsalltag, Kommunion oder Konfirmation oder Weihnachten in der Fremde. Ihre vorübergehende neue Heimat lag in der Oberpfalz, in Rheinhessen, Mainfranken, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Bislang unbekannte Fotos wurden veröffentlicht. Grafiken und Infokästen veranschaulichten damals das Geschehene optisch und inhaltlich. Aufgrund seiner Serie war er im vergangenen Jahr zu einer mehrtägigen Vortragsreihe in die Fränkische Schweiz eingeladen. Hintergrund war die Sonderausstellung "Fürchten, Bangen, Hoffen" des Fränkische Schweiz Museums in Tüchersfeld bei Bayreuth, in der Teile der Serie ausgestellt wurden. bea