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Im pausenlosen Dienst für die Verletzten

Im pausenlosen Dienst für die Verletzten

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871 ist ein großes Thema der neuen Ausgabe der Saarpfalz-Blätter. Gernot Feifel berichtet über die Notspitäler in Homburg. Außerdem gibt es einen Nachruf auf den St. Ingberter Schriftsteller Heinrich Kraus.

Ein immer wieder gern zitiertes Kapitel der Homburger Stadtgeschichte hängt mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zusammen. Unmittelbar nach dessen Beginn am 2. August 1870 weilte nämlich viel Polit-Prominenz in der damaligen westpfälzischen Kleinstadt, in der für wenige Tage das preußische Hauptquartier aufgeschlagen wurde. König Wilhelm schlief etwa beim damaligen Bezirksamtmann Friedrich Siebert, der bayerische Prinz Luitpold war zu Gast bei Notar Bartels, und der spätere Reichskanzler Bismarck hatte Kost und Logis bei Gastwirt Leschhorn am Marktplatz. Homburg bekam nach so viel Glanz und Glorie bald aber auch die realen Folgen des Krieges zu spüren, denn es wurden Notspitäler für verwundete Soldaten von den nahen Schlachtfeldern eingerichtet.

Darüber berichtet nun Professor Gernot Feifel, früher Leiter der Abteilung für allgemeine Chirurgie bei den Homburger Unikliniken, in der neuen Ausgabe der heimatkundlichen Zeitschrift "Saarpfalz". In seinem Bericht über die "freiwillige Krankenpflege" zu jener Zeit resümiert der Mediziner auch anhand von Zeitzeugenberichten, wie dramatisch sich die Situation darstellte. In der Hohenburgschule, in der sich das größte der Lazarette befand, waren eigens aus Dresden her beorderte Albertinerinnen unter Führung von Marie Simon (1824-1877) im pausenlosen Einsatz für die Versehrten. Sie schrieb: "Mir machte die übergroße Zahl der Kranken Sorge, im Städtchen war für Geld nichts mehr zu haben"; es mangelte an Lebensmitteln, Ruhr und Typhus grassierten.

Zwischen dem 4. August und dem 12. Oktober herrschte Ausnahmezustand, in der umfunktionierten Schule wurden größtenteils Schwerverwundete versorgt, im ebenfalls als Lazarett benutzten Wirtshaus Cappel (heute Saarbrücker Zeitung) wurden daneben leichtere Fälle und Genesende behandelt. Engagiert war vor allem der Homburger Frauenverein, der von Anna Siebert, der Ehefrau des Landrats, geführt wurde und der den gesamten Bedarf an Lazarettwäsche und Verbandsstoffe zur Verfügung stellte.

Einem weiteren Thema mit Bezug zu Homburg widmet sich Pfarrer i.R. Bernhard Bonkhoff in der nunmehr vorliegenden, vierten Ausgabe der "Blätter für Geschichte und Volkskunde " für 2015. Die zwielichtige Gestalt des Abbé Pierre Salabert (1735-1808), der auf Schloss Karlsberg eine einflussreiche Position innehatte und der in der Vorstadt ein weitläufiges Palais besaß, charakterisiert er anhand zeitgenössischer Beschreibungen. Vor allem aus Mannlichs Erinnerungen zitiert Bonkhoff lange Passagen, in denen dieser sich über den lebenslustigen katholischen Geistlichen auslässt. Den Verlauf der "Abstimmung", die am 20. März 1937, in der Nazi-Zeit also, über die Abschaffung der Bekenntnisschule und die Einführung der Gemeinschaftsschule "veranstaltet wurde", berichtet der frühere Medelsheimer Ortsvorsteher Rainer Lagall. Welche Farce dieser Vorgang war, zeigt er am Beispiel der "Parr"-Dörfer im südöstlichen Bliesgau. Den herrschaftlichen Gebietstausch im Bliestal, der im Jahre 1778 abgewickelt wurde und an dem neben der Grafschaft von der Leyen und dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken das schottischstämmige Adelshaus Cathcart zu Carbiston beteiligt war, zeichnet der Blieskasteler Heimatforscher Hans Cappel nach. Dabei listet er namentlich die Bewohner von Wolfersheim, Rubenheim und Herbitzheim auf, die als "Untertanen" ihrer neuen Herrschaft "huldigen" mussten.

Komplettiert wird die neue, inzwischen 127. Ausgabe der Blätter, durch eine von Jörg Künzer (Blieskastel) aufgestellte Liste der "Hausoberen" im Blieskasteler Kloster von 1924 bis 2015 und einen Nachruf von Heinz Weinkauf (Zweibrücken) auf den im Oktober verstorbenen Schriftsteller Heinrich Kraus aus St. Ingbert.

Zum Thema:

Hintergrund"Saarpfalz - Blätter für Geschichte und Volkskunde ", Ausgabe 4/2015, 64 Seiten, sechs Beiträge, eine Buchbesprechung, 18 Abbildungen, Kalendarium "historischer" Veranstaltungen im ersten Quartal 2016. Die Saarpfalz-Blätter sind erhältlich im Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Infos unter Tel. (0 68 41) 1 04 84 09 oder E-Mail: ute.klosendorf@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Städte und Gemeinden. Preis: 3,25 Euro. bam