Ideen für die Verkehrsentwicklung

St. Ingbert steuert bei der Erstellung eines neuen Verkehrsentwicklungsplans in eine ganz neue Richtung. Denn: Die Bürger bestimmen künftig den Weg mit. Unter dem Motto "Stadt für alle" trafen sich am Donnerstagabend Interessierte im Rathaus.

St. Ingbert. "Verkehrsentwicklung braucht viele gute Ideen - diese haben die Bürger erfahrungsgemäß", stellte der zuständige Beigeordnete für den Bereich Verkehr, Adam Schmitt, früh fest.Mehr als 30 Bürger der Mittelstadt begrüßte der Grünen-Politiker im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Jeder von ihnen brachte seine Idealvorstellung mit, wie die Menschen in St. Ingbert künftig von A nach B kommen könnten. Das hatte es vorher in dieser Form noch nie gegeben. Geladen hatte Stadtplaner Martin Ruck. Der Gastgeber erklärte diesen Schritt: "Bei uns ist die Erkenntnis gereift, dass wir mit den bisherigen Verwaltungsformen nicht mehr weiter kommen. Partizipation ist gefragt."

Durch den Abend führte der Saarbrücker Moderator Klaus Kuntz. Ihm gelang es, die vielen unterschiedlichen Perspektiven in geordnete Bahnen zu lenken, ohne die Ideen dabei zu ersticken. Die Teilnehmer notierten ihre Wünsche, Vorstellungen und Ziele zum neuen Verkehrsnutzungsplan, dem ersten seit 1994, auf Zetteln, die zunächst auf dem Fußboden abgelegt, dann nach Themen sortiert an vier Stellwände geheftet wurden. Sie trugen die Titel: "Sanften Verkehr fordern", "Menschen im Vordergrund", "Attraktive Alternativen zum motorisierten Individualverkehr (MIV) schaffen" und "Vision attraktives und lebenswertes St. Ingbert".

Inhaltlich prallten dabei durchaus Welten aufeinander, etwa am Beispiel Ludwigstraße: Die einen würden sie gerne komplett autofrei sehen, andere regten an, den bislang zur Fußgängerzone gehörenden Teil für den Autoverkehr zu öffnen, damit mehr Leben in die verlassen wirkende Ecke einzieht. Mehrfach wurden mehr Tempo-30-Zonen gefordert - mal galt das für geschlossene Ortschaften, mal für den gesamten Stadtbereich. Im Verlauf des Abends bestätigte sich, was Adam Schmitt schon zu Beginn feststellte: "Die rein autogerechte Stadt ist tot."

"Sanfter Verkehr" im Kommen

Überhaupt hatten die Autofahrer keine gute Lobby - im Gegensatz zu Radfahrern und Fußgängern. Vertreter des ADAC waren zwar geladen, konnten den Termin aber nicht wahrnehmen. Es wäre interessant gewesen, wie sie auf den Vorschlag von Georg Lorscheider vom Verein Handel und Gewerbe reagiert hätten. Lorscheider wünscht sich testweise einen Straßenverkehr ohne Ampeln, stattdessen sollten verstärkt Zebrastreifen den Verkehr regeln. Damit stieß er zwar nicht überall auf Gegenliebe, aber es hat gereicht, um ihm den Spitznamen "Ampelmann" zu verpassen.

Stark im Kommen dürfte der sogenannte "sanfte Verkehr" sein. Radfahrer- und fußgängerfreundlich soll er sein, vor allem sollen Einheimische und Gäste spüren, dass St. Ingbert Biosphärenstadt ist. Die Rohrbacherin Barbara Böhmer hob dabei mahnend den Finger: Sie will nicht nur über die Innenstadt sprechen. Andere wollten nach knapp dreistündiger intensiver Diskussion nur noch nach Hause. Das nächste Treffen ist für Dienstag, 26. Juni, 18.30 Uhr, einstimmig beschlossen worden. Dazu sollen Hans Wagner als zukünftiger Oberbürgermeister der Stadt St. Ingbert, Schülervertreter, der ADAC, Seniorenverbände und der Behindertenbeauftragte der Stadt zu der Runde dazustoßen.