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„Hugo´s Corner“ machte Musik im Hof der ehemaligen JVA in St. Ingbert

Konzert in der JVA St. Ingbert : Kreuz und quer durch die Rock- und Pop-Geschichte

Die einheimische Band „Hugo´s Corner“ machte Musik im Hof der ehemaligen St. Ingberter Justizvollzugsanstalt.

„Ihr seid ein verdammt heißes Publikum“, lobte Christoph „Hugo“ Haberer die Menschen im Hof der ehemaligen JVA. Der Frontmann und Sänger des Trios „Hugo’s Corner“ gab den Satz beim ausverkauften Konzerts im Rahmen der Reihe „Ab in den Knast“ des Stadtmarketing St. Ingbert im ehemaligen Knast-Innenhof mit einem gewissen Grinsen im Gesicht von sich. Da war man sich nicht sicher, ob er die Ausstrahlung der Besucher meinte. Vielleicht spielte Haberer auch auf die Hitze an, die sich an diesem Hochsommerabend bei knapp 30 Grad eingependelt hatte. Überhaupt das Publikum: Es scheint in den zweieinhalb Monaten, in denen, sowohl das Stadtmarketing, als auch das Kulturamt hier in Corona-Zeiten Kultur Open Air präsentier(t)en - hinzugelernt zu haben: Den Mund-Nasen-Schutz nur am Platz ausziehen und dafür am Stuhl die Sekt-, die Bierkronkorken oder Prosecco-Dosen knallen lassen. Das hat mittlerweile schon Routine und sorgt für die gewisse sommerliche Leichtigkeit des Seins, wenn man etwa wie bei „Mighty Quinn“ (Manfred Mann) direkt gesanglich miteinstimmt und natürlich beide Hände rhythmisch, zügig zusammenfügt. Wenn dann noch der „Hugo“ seine Mundharmonika zu „Heart of Gold“ (Neal Young) auspackt, ist es um die Stimmung geschehen. Und das nicht nur bei den Frauen im Publikum.

Die Konterbesucher schienen überhaupt recht textsicher zu sein. Nicht nur bei Stings „Englishman in New York“ oder Lionel Richies „All Night long“ sangen sie mehr als souverän mit. Der Bogen des Repertoires spannte sich auch am Donnerstag mehr als weit. Es traf auch in der Realität durchaus zu, was „Hugo“ Haberer sagte: Man spiele für alle von acht bis 88. Und da macht man auch vor deutschen Oldies wie „Schickeria“ (Spider Murphy Gang) oder „Fürstenfels“ (STS) nicht halt. Bei Letzterem konnte sich der Sänger nicht zurückhalten und passte den Text ein wenig dem Knastmillieu an. Zwischendrin greift der Frontmann aber auch immer wieder mal selbst zur Gitarre. Dann ist das Saiten-Trio zusammen mit Joe Reitz und Andreas Usner mehr als komplett. Relativ neu im Programm ist „To love somebody“ von den „Bee Gees“.

Völlig spontan, dafür umso überraschender, aber nicht weniger passend, gaben die drei Herren noch einen Elvis Presley-Titel zum Besten. Welchen? Da kann es außer „Jailhouse Rock“ nichts anderes geben. Der stand zwar nicht im Programm, macht aber nichts. „This is the Way to Amarillo“ (Tony Christie) ist normalerweise, nach nur wenigen Takten, ein Garant dafür, dass die Stimmung hochgeht und mitgesungen wird. Auch in der Mittelstadt ging diese Rechnung auf. Es führte gar dazu, dass einige Frauen recht zügig aufstanden und tanzten, während der Rest das „Shallallallala“ von sich gab. Dabei war das nur „Einer von 80 Millionen“ (Max Giesinger), den „Hugo’s Corner“ völlig unerwartet performten.

Das Ende war nicht so einfach: Mehrere Zugaben wollte das Publikum und brachte dies durch stehende Ovationen zum Ausdruck, ehe es die Drei von der Bühne ließ. Zwei Frauen, die gemeinsam das Konzert besuchten, waren besonders von dem Abend angetan. „Ich finde es super. Ich bin das erste Mal hier, war aber schon öfters auf privaten Konzerten von „Hugo‘s Corner“, erklärte Liana Ulrich in der Pause gegenüber unserer Zeitung. „Endlich kann man mal Corona vergessen“, gabsich ihre Freundin Dawina Schäfer begeistert.