Es gab auch Preise : Der Beginn einer problematischen Woche

Es gab Preise, einen interessanten Festvortrag und Musik der Uni-Bigband. Allerdings wurde ein sehr aktuelles Problem ausgeklammert.

Man hätte durchaus erwarten können, dass die aktuellen Vorwürfe von Kindesmissbrauch rund um die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum bei der Eröffnung der 58. Homburger Hochschulwoche am Montagabend zumindest eine Erwähnung wert gewesen wären. Doch weit gefehlt. Tatsächlich blendeten alle Redner – vom Leiter der Homburger Volkshochschule Willi-Günther Haßdenteufel über Homburgs Bürgermeister Michael Forster bis hin zu Professor Matthias Hannig als Prodekan der Medizinischen Fakultät –, das Thema komplett aus. Damit wirkte die gut gemeinte Veranstaltung im Homburger Forum vor dem Hintergrund einer nur wenige Stunden zuvor eilig einberufenen Pressekonferenz zu den Missbrauchsvorwürfen einigermaßen aus der Realität gefallen.

Dabei wäre es angemessen gewesen, zumindest kurz auf die Vorfälle, die gestern bundesweit durch die Medien gingen, einzugehen und zu begründen, warum man trotzdem an der Auftakt-Feierstunde, den folgenden Veranstaltungen der Hochschulwoche und der langen Nacht der Wissenschaften am Freitag festhalte. Und das hätte man gerne tun können, besteht doch kein Grund, die Hochschulwoche in „Sippenhaft“ zu nehmen. Doch hier herrschte einstimmige Sprachlosigkeit der drei Partner zu den aktuellen Vorgängen am Uniklinikum. Auch Professor Wolfgang Reith, der ärztliche Direktor des UKS, nutzte den Moment nicht, um sich erklärend an die Gäste der Eröffnungsveranstaltung zu wenden. Dabei hatte er erst kurz zuvor an der Pressekonferenz zu den Missbrauchsvorwürfen teilgenommen.

Damit rückten andere Themen in den Vordergrund, angefangen bei einem Rückblick Haßdenteufels auf die Arbeit der Volkshochschule Homburg, einem Ausblick Michael Forsters, auch auf deren bauliche Zukunft in der Hohenburgschule, und eine aktuelle Beschreibung in Zahlen und Fakten des Homburger Universitätsklinikums – präsentiert von Matthias Hannig. Zentraler Programmpunkt war nach den drei Rednern die 20.Verleihung des Homburger Wissenschaftspreises. Der mit insgesamt 10 000 Euro dotierte Preis ging an zwei Preisträger: Dr. Anouar Belkacemi und Privatdozent Dr. Maximilian Linxweiler.

Homburgs Bürgermeister Michael Forster ersparte es sich, die wissenschaftlichen Hintergründe der beiden Projekte von Belkacemi und Linxweiler zu erläutern. Stattdessen betonte er die große Bedeutung des Preises und dessen Wertigkeit. „Auch in diesem Jahr wurden mehrere hervorragende Arbeiten eingereicht, insgesamt waren es sieben. Das Kuratorium des Homburger Wissenschaftspreises hatte eine schwierige Aufgabe zu bewältigen.“ Letztlich habe die Jury, so Forster, sich dazu entschieden, den Preis in diesem Jahr auf zwei Preisträger aufzuteilen. Forster nutzte den Moment der Preisverleihung auch dazu, dem Kuratorium des Wissenschaftspreises für dessen verantwortungsvolle Auswahl der Preisträger und den Kuratoriumsmitgliedern für deren jahrelanges Engagement ausdrücklich zu danken.

Mit welchen Projekten nun konnten die beiden diesjährigen Preisträger überzeugen? Sowohl Belkacemi als auch Linxweiler hatten sich die Mühe gemacht, eigens für die Preisverleihung ihre hochkomplexen Forschungen in einfache Worte zu kleiden.

So schilderte Linxweiler, welchen therapeutischen Wert der Einsatz von Vitamin D bei der Bekämpfung bestimmter Krebsarten haben könnte. Diese Form von Behandlungen, die Stimulation des körpereigenen Immunsystems, habe sich in den vergangenen Jahren neben der Strahlentherapie und der Chemotherapie als weitere Säule etabliert.

„Das Immunsystem soll dazu gebracht werden, Tumorzellen zu erkennen und gegen sie zu kämpfen und abzutöten. Und genau in diesem Kontext wollen wir erforschen, ob neben teuren Medikamenten auch Vitamin D einen sehr positiven Effekt hat.“ Gegenwärtig stehe man, so Linxweiler, da noch ganz am Anfang einer neuen Wirkstoff-Entwicklung.

Dr. Anouar Belkacemi (links) und Privatdozent Dr. Maximilian Linxweiler sind die Wissenschaftspreisträger. Foto: Thorsten Wolf

Im eigentlichen Festvortrag des Abends ging es dann um den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Infektionskrankheiten. Professor Sören Becker, der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Homburger Universitätsklinikum, gab hier interessante Einblick in den Klimawandel und seine Ursachen an sich – und stellte die Wechselwirkungen dieser womöglich zu erwartenden Veränderung mit dem weiten Feld der Infektionserkrankungen dar.

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