Hohe Hürden im Verfahren und noch wenig Interesse bei den Eltern

Hohe Hürden im Verfahren und noch wenig Interesse bei den Eltern

Der Wunsch nach einer Gebundenen Ganztagsschule in St. Ingbert bleibt bestehen. Viele Infos im Bildungsausschuss machten den Kommunalpolitikern aber deutlich: Der Weg zu diesem Ziel ist noch weit.

. Unverändert möchte der Bildungsausschuss des Stadtrates eine Gebundene Ganztagsschule für St. Ingberter Grundschüler schaffen. Das Angebot soll eine zusätzliche pädagogische Option eröffnen und auch den Bildungsstandort St. Ingbert stärken. Doch die Hürden sind hoch, aus diesem Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Das wurde in der Sitzung des Ausschusses am Mittwochabend mehr als deutlich.

Zunächst gibt es formale Hürden, die Monika Hommerding als zuständige Referentin im Bildungsministerium den Ausschussmitgliedern beschrieb. Demnach sieht die entsprechende Verordnung unter anderem vor, die Gebundene Ganztagsschule, die an vier Wochentagen Schulstunden und außerunterrichtliche Angebote bis 16 Uhr vorsieht, mindestens zweizügig zu führen. Dieser Zwang zu zwei parallelen Ganztagsklassen widerspreche allerdings der politischen Idee des Stadtrates, wie Heinz Dabrock (Familien-Partei) betonte. Denn nach Einschätzung des Bildungsausschusses zum aktuellen Interesse wäre es in St. Ingbert allenfalls möglich, eine Klasse zu bilden, in der alle Grundschüler aus der Mittelstadt zusammengefasst würden, die eine Gebundene Ganztagsschule nutzen wollen. Als Standort für solch eine Klasse wird dabei in Abwägung sensibler Schulbezirksgrenzen und räumlicher Möglichkeiten die Wiesentalschule favorisiert.

Das offenbar fehlende Interesse der Eltern an einer Gebundenen Ganztagsschule stellt aber eine richtig hohe Hürde dar. Wie gering die Nachfrage ist, legten im Ausschuss die Schulleiter Karin Bierhals (Albert-Weisgerber-Schule) und Werner Koch (Rischbach-/Wiesentalschule) dar - jeweils gestützt auf aktuelle Umfragen bei den Anmeldungen für das kommende Schuljahr. Übereinstimmend begründeten die beiden Rektoren ihre Einschätzung auch mit der positiven Resonanz, die bei vielen Familien längst das bestehende Angebot der Freiwelligen Ganztagsschule (FGTS) findet. Koch nannte auch konkrete Zahlen: Von 264 Schülern der Rischbach- und der Wiesentalschule nutzen derzeit 110 die FTGS. Und jeweils die Hälfte werden dabei bis 15 Uhr oder sogar bis 17 Uhr betreut. Angesichts der "noch guten familiären Verhältnisse in St. Ingbert" bleibe kaum eine Betreuungs-Lücke.

Am Ende der Sitzung baute Monika Hommerding dem Stadtrat eine Brücke - mit dem Verweis, bisher habe noch keine saarländische Kommune gegenüber dem Ministerium den Wunsch formuliert, die bestehende Ganztagsschulen-Verordnung für ein einzügiges Angebot zu ändern. Da werden Rat und Verwaltung in St. Ingbert womöglich Vorreiter sein. Denn nach wie vor gilt der einstimmige Beschluss, in der Mittelstadt eine Gebundende Ganztagschule einrichten zu wollen, den der Bildungsausschuss schon im Februar gefasst hat.