Hindemith üben für den Großen Sendesaal

Hindemith üben für den Großen Sendesaal

An der Gemeinschaftsschule in Rohrbach standen Schüler vor der Aufgabe, Musikstücke nur nach dem Gehör zu intonieren. Heute nehmen sie an einem Gemeinschaftskonzert auf dem Saarbrücker Halberg teil.

. Was da für Geräusche aus einem Schulsaal im Keller der Gemeinschaftsschule in Rohrbach drangen, klang interessant und machte neugierig. "Bam Bababa Brrr Bumm", eine energische Frauenstimme gab den Takt vor, untermalt von mehr oder weniger zarten Instrumentenklängen. Rund 40 Schüler der fünften bis siebten Klassen versuchten, mit Triangel, Tamburin, Xylofon und Trommeln, den Takt eines Musikstücks zu halten, das sie zuvor von einem Band gehört hatten. Dabei war es gar nicht einfach, die Sinfonie "Mathis der Maler" von Paul Hindemith annähernd erkennbar zu intonieren. Bereits zuvor hatten die musikinteressierten Schüler die altdeutsche Volksweise "Es sungen drei Engel" stimmlich gestaltet. "Ein schwieriges Stück", wie Pavie Kaufmann, Musikwissenschaftlerin und Dozentin des Konservatoriums in Esch-sur-Alzette in Luxemburg bestätigte. Sie war es, die innerhalb von knapp drei Stunden die Kinder auf eine interaktive Konzertprobe und ein Konzert vorbereitete, das am heutigen Montag im Großen Sendesaal des Funkhauses auf dem Halberg in Saarbrücken aufgeführt wird. Dorthin lädt das Direktorium der Coopération Musicale de la Grande Région (CMGR), eine gemeinsame Plattform der Musikhochschulen und Konservatorien der Großregion, neben Aufführungen in Nancy, Luxemburg, Straßburg, Lüttich und Metz ein, um das Junge Orchester der Großregion anlässlich seines 20. Geburtstages zu präsentieren. Es werden Stücke von Rimsky-Korsakow, Robert Schumann, Vladimir Kurian und eben Hindemith zu Gehör gebracht. Die Schüler werden bei der Aufführung nicht nur still unter den Zuhörern sitzen, sondern aktiv ins Geschehen eingebunden. Deshalb kam Pavie Kaufmann mit Natalya Kosinova, einer Studentin an der Hochschule für Musik in Saarbrücken, zu einem Workshop nach Rohrbach, um die "Nachwuchsmusiker" in die Kunst des Musizierens einzuführen.

Und es wurde den Schülern viel Geduld abverlangt. Denn im Schnelldurchlauf erfuhren sie nicht nur etwas über die Biografie des Komponisten, sondern ebenso Wissenswertes über Wilhelm Furtwängler, der "Mathis der Maler" bei der Uraufführung 1934 dirigierte. Was eine Sinfonie, was eine Oper ist, wurde genauso besprochen wie die Orchesterbesetzung und die einzelnen Instrumente. Mächtig viel Stoff für solch kurze Zeit. Selbstverständlich gab es auch Informationen zum Isenheimer Altar vom Meister der Renaissance, Matthias Grünewald, jenem Kunstwerk, das Hindemith inspirierte, und dem er sein Stück widmete.

Dank des Taktgefühls von Pavie Kaufmann klang das "Orchester für einen Tag" nach der kurzen Zeit recht passabel, auch wenn die "Xylofone" den richtigen Schlag noch nicht so recht drauf hatten. "Das wird schon", motivierte Lehrerin Nadine Brettar ihre Schützlinge. Denn es war ja noch ein wenig Zeit bis zu ihrem großen Tag. Und eine Hausaufgabe hatte es auch fürs Feriengepäck gegeben. Die Schüler sollten ihre Eindrücke vom Musikstück malerisch und kunterbunt zu Papier bringen, so dass sie ihren ureigensten Altar frei nach dem alten Meister Grünewald gestalten können, der dann die Zuhörer auch optisch auf die Sinfonie einstimmt. Eine große Ehre für die kleinen Musiker.

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