Herrenhaus versprüht noch Charme

Mit einer weiteren Sanierung könnte auch das ehemalige Herrenhaus zu einem Schmuckstück im Ensemble der Alten Schmelz werden. Das findet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die für den Erhalt des historischen Gebäudes mit einem weiteren Zuschuss von 50 000 Euro fördert.

St. Ingbert. Seit einigen Jahren betreibt die Stadt St. Ingbert mit Unterstützung der Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), des Landes und des Bundes die Wiederbelebung der Industriebrache im ehemaligen Eisenwerk Alte Schmelz. Nach der Fertigstellung von Teilobjekten des dortigen Ensembles wie der Arbeitersiedlung, der Möllerhalle und der Alten Schlosserei soll nun auch das seit Jahren leerstehende Herrenhaus saniert werden. Seine Räume sollen nach Plänen der Stadt irgendwann wieder als Büros genutzt werden.Für das Herrenhaus hat Ulrich Bollert, DSD-Ortskurator Saarland, am vergangenen Montag einen weiteren Fördervertrag in Höhe von 50 000 Euro an Oberbürgermeister Hans Wagner übergeben (wir berichteten). Das Geld der Denkmalstifter ist dabei nur ein Teilbetrag der für die Restaurierung der vorhandenen Holzfenster- und Türelemente an dem historischen Gebäude entstehenden Kosten. Insgesamt ist der nächste Sanierungsschritt für das Herrenhaus mit 356 000 Euro veranschlagt. Davon finanziert die Stadt 176 000 Euro, weitere 90 000 kommen vom Bund, 40 000 Euro vom Land sowie eben 50 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Noch vor der Vertragsunterzeichnung im ehemaligen Konsumgebäude auf der Alten Schmelz hatten sich OB Wagner, der DSD-Ortskurator Bollert und Reinhard Schneider vom Landesdenkmalamt selbst ein Bild vom aktuellen Zustand des Herrenhauses gemacht. Obwohl die Folgen des langen Leerstandes unübersehbar sind und in vielen Zimmern etliche der vor einigen Jahren sanierten Deckenbalken offen liegen, versprühen die Räume auf Anhieb einen besonderen historischen Charme, dem Hans Wagner sogar in den dunkelsten Ecken mit der Taschenlampe auf die Spur ging. "Das ist ein ganz zentrales Gebäude auf der Alten Schmelz, dessen Wiederbelebung jede Mühe lohnt", waren sich der OB und Bollert einig. Und für Wagner, der ausdrücklich auch das langjährige Engagement von Genossenschaft und gleichnamiger Initiative auf der Alten Schmelz lobte, bleibt es auch angesichts eines Defizits im St. Ingberter Haushalt ein Anliegen für die Stadt, mit dem Herrenhaus das so wichtige Denkmal der Industriekultur voranzubringen. Das Herrenhaus auf der Alten Schmelz wurde 1807 als Wohnhaus der Unternehmerfamilie Krämer errichtet. 1831 verlängerte seine Besitzer den Bau um drei Fensterachsen nach Osten. Bereits 1875 wurde das Gebäude zum Verwaltungssitz des Eisenwerks umgebaut. Heute besteht der längsrechteckige, spätbarocke Putzbau aus einem hohen Sockelgeschoss, den beiden ehemaligen Wohngeschossen und einem Mansarddach. Vor inzwischen sieben Jahren wurde als allererster Schritt zu seinem Erhalt das Dach des historischen Gebäudes saniert und gleichzeitig dessen Statik gesichert. Jetzt sollen nach Angaben der DSD Trockenlegungsarbeiten erfolgen, damit die Sanierung der feuchtigkeitsgeschädigten Fassade einschließlich der Fenster und Türen rasch möglich werden. Bereits seit 1994 unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Sanierung der Siedlung Alte Schmelz mit finanzieller Hilfe. Bollert: "Dies war seither bereits der 16. Fördervertrag, so viele wie keinem der 31 Denkmale, die unsere Stiftung im Saarland fördert." Als Förderer von Kulturdenkmalen von nationaler Bedeutung kann die Denkmalschutz-Stiftung in Bonn dank privater Spenden sowie Mitteln der Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto tätig sein. "Das ist ein ganz zentrales Gebäude auf der Alten Schmelz, dessen Wiederbele-

bung jede Mühe lohnt."

OB Hans Wagner und DSD-Ortskurator Ulrich Bollert