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Helena Sigal - aus St.Ingbert ans Grips Theater in Berlin

Porträt : „Das Theater war mein zweites Zuhause“

Es hat viel Einsatz gekostet, aber es hat sich gelohnt: Die St. Ingberterin Helena Charlotte Sigal ist im Ensemble des renommierten Berliner Grips-Theaters.

Auch wenn es kräftezehrend und anstrengend ist – Helena Charlotte Sigal kann sich nichts Schöneres vorstellen, als auf einer Bühne zu stehen und zu spielen. Schon als Kind stand für die 24 Jahre alte St. Ingberterin fest: Ich werde Schauspielerin. „Zwischendrin haben meine Eltern wohl immer mal wieder gehofft, dass ich was Richtiges lerne“, erzählt sie am Telefon und lacht laut und herzlich. Die Hoffnung der Eltern war vergebens. Heute lebt Helena Charlotte Sigal in Berlin und hat ein festes Engagement am renommierten Grips-Theater.

Obwohl Helena Charlotte Sigal so jung ist, kann sie schon auf eine beachtliche Schauspielkarriere zurückblicken. „Zum allerersten Mal bin ich mit drei über die Bühne gehüpft,“ erinnert sie sich, dann kamen die obligatorischen Schultheatergruppen, mit 14 Jahren wurde sie Mitglied des Jugendclubs des Staatstheaters, später wirkte sie regelmäßig in der Sparte 4 mit. Morgens Schule, nachmittags und abends Theater – da war auch dem Letzten klar, dass sie es ernst meinte mit der Schauspielerei: „Das Theater war mein zweites Zuhause.“

Folgerichtig bewarb sie sich nach dem Abitur am St. Ingberter Albert-Magnus-Gymnasium um ein Schauspiel-Studium. Wie steinig der Weg bis zum Abschluss sein würde, das ahnte Helena Charlotte Sigal damals nicht. Erst kämpfte sie zwei Jahre lang um einen Studienplatz und bewarb sich an allen deutschsprachigen Schauspielschulen zwischen Berlin, Bochum und Wien. Wurde sie eingeladen, ging der Stress erst richtig los. „In der ersten Runde muss man vorsprechen, zum Beispiel ein Gedicht und einige Monologe, ein Lied singen und manchmal einen eigenen Text vorlegen. Kommt man weiter, bekommt man in Runde zwei weitere Aufgaben vor einer größeren Kommission, zum Beispiel eine Improvisation. Und wenn man dann noch nicht rausgeflogen ist, kommen in der dritten Runde Stimmprüfung, Sprechübungen, Tanz- und Sportprüfung und Improvisieren in der Gruppe hinzu“, erzählt Helena Charlotte Sigal. Bei etwa 500 Bewerbern auf acht bis zehn Plätze pro Schule sei die Stimmung im „Wartesaal“ mit den Mitbewerberinnen und Mitbewerbern „entsprechend“ gewesen.

Wien war Helena Charlotte Sigals letzte Station. „Als man mir sagte, es hat geklappt, Sie sind angenommen, bin ich heulend zusammengebrochen, der ganze Stress der letzten zwei Jahre ist von mir abgefallen.“ Doch es ging nahtlos weiter – es folgten vier anstrengende Jahre mit Lektionen in Fechten, Bühnenkampf, Singen, Sprecherziehung, Erarbeitung von Monologen und Szenen, Theatergeschichte, Recht. Ein Auslandssemester an der Academy of Arts in Osijek in Kroatien, bei dem sie auch das Puppenspiel erlernt, verschafft Helena Charlotte Sigal eine Verschnaufpause. Sie hat eine Sinnkrise, möchte am liebsten alles hinschmeißen. Doch ihr unerbittlicher Wille hält sie bei der Stange, auch Engagements neben dem Studium geben Halt.

Helena Charlotte Sigal ist gebürtige Saarbrückerin, spielte hier im Staatstheater-Jugendclub, machte in St. Ingbert Abitur und wurde, mitten im Lockdown, ans renommierte Berliner Grips-Theater engagiert. Foto: sigal

Sie verbringt ihre Semesterferien zwei Jahre in Folge bei dem Theater-Natur-Festival im Oberharz und spielt in den Produktionen „Hexenjagd“ (Regie: Janek Liebetruth, Rolle: Mary Warren) und in „Frühlings Erwachen“ (Regie: Catharina May, Rollen: Ilse, Vermummter Herr). 2019 darf sie „Jess“ in der Uraufführung von „A Long Way Down“ von Nick Hornby (Regie: Christian Nickel) bei den Bad Hersfelder Festspielen verkörpern. Und es gibt erste Auftritte in Film und Fernsehen, bei der „Soko Kitzbühel“ (ORF, ZDF) und in „Schnell Ermittelt“ (ORF). Da ist Helena Charlotte Sigal wieder ganz in ihrem Element, die Energie die sie hineinsteckt, kommt um ein Vielfaches zurück.

2020, das Studium in Wien ist zu Ende. „Von der wunderschönen Stadt habe ich nicht viel mitbekommen“, bedauert sie. Nun beginnt das „große Schaulaufen“. Helena Charlotte Sigal nimmt an den Absolventen-Vorsprechen in München, Berlin und Neuss teil, stellt ihr Können vor Intendantinnen, Dramaturgen und Fachpublikum unter Beweis. Kein Zuckerschlecken – wegen der Corona-Pandemie werden so gut wie keine Schauspieler engagiert. „Bei über 100 Bewerbungen, die ich geschrieben habe, gab es drei Rückmeldungen,“ erzählt sie, „und das waren Absagen“. Am Ende helfen ihre langjährige Erfahrung und das berühmte Quäntchen Glück – ein Dozent empfiehlt sie dem Berliner Grips-Theater. Für Helena Charlotte Sigal erfüllt sich ein Traum: „Nach Berlin wollte ich schon immer, das ist meine Stadt! Und in das Grips-Theater habe ich mich sofort verliebt. . .“

Der Corona-Alltag stellt alle auf eine harte Probe, das Theater ist bis 11. April geschlossen. „Ich versuche, mich wach zu halten,“ sagt Helena Charlotte Sigal, „jeden Tag übe ich Texte, singe, spiele Klavier, treibe Sport“. Dazu gibt es regelmäßige Ensemble-Versammlungen per Video-Konferenz, und mit einem Kollegen produziert sie den Blog „Frisch aus der Grips-Kantine“.

Derzeit wird die letzte Produktion, die eigentlich im November Premiere gehabt hätte, gefilmt: In „Kai zieht in den Krieg und kommt mit Opa zurück“ spielt sie den elfjährigen Kai. Demnächst kann man das Stück und damit Helena Charlotte Sigal erleben, aktuell auf dem Blog des Grips-Theaters, vielleicht demnächst wieder bei Film und Fernsehen. Anfragen jedenfalls gibt es.
www.grips-theater.de