Hausname ehrt Ilse de Giuli

St. Ingbert. Spannend hat es Markus Gestier gemacht. Der Vorsitzende der Lebenshilfe Saarpfalz schritt am Freitag ans Mikrofon und kündigte an: "Mit dem heutigen Tag wird es dieses Haus der Lebenshilfe hier im Schiffelland in St. Ingbert nicht mehr geben." Der Vorstand, so Gestier weiter, habe das beschlossen. Denn: Der Vorstand hat eine viel passendere Bezeichnung gefunden

St. Ingbert. Spannend hat es Markus Gestier gemacht. Der Vorsitzende der Lebenshilfe Saarpfalz schritt am Freitag ans Mikrofon und kündigte an: "Mit dem heutigen Tag wird es dieses Haus der Lebenshilfe hier im Schiffelland in St. Ingbert nicht mehr geben." Der Vorstand, so Gestier weiter, habe das beschlossen. Denn: Der Vorstand hat eine viel passendere Bezeichnung gefunden. Lange überlegen musste niemand. Denn nichts lag näher, als das Haus der Lebenshilfe nach der Frau zu benennen, ohne deren Mut und Hartnäckigkeit die Wohnhilfe für Menschen mit geistiger Behinderung in St. Ingbert wohl noch in den Kinderschuhen stecken würde: Ilse de Giuli. Der rüstigen Seniorin, die Ende März ihren 85. Geburtstag feierte, schien der große Bahnhof etwas unheimlich zu sein, den der Vorstand der Lebenshilfe ihr zu Ehren ausrichtete. In ihrer Dankrede gestand sie zwar, gehörig überwältigt zu sein, im selben Atemzug erinnerte sie aber an die Ursprünge ihrer Tätigkeit in den 70er Jahren. "Wir waren einfach betroffene Mütter und hatten nur eins im Kopf: Dass sich die Situation unserer betroffenen Kinder verbessern muss."

Viele Menschen begleiteten und unterstützten Ilse de Giuli, zu viele Mitstreiter der ersten Stunde sind bereits verstorben. Doch immer wieder sind neue Kräfte mit neuen Ideen nachgerückt. Aus diesem Kreis hob de Giuli den heutigen Geschäftsführer der Lebenshilfe Saarpfalz, Michael Immig, besonders hervor. "Ich bin sehr dankbar, dass er zu uns gekommen ist", sagte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes im Mehrzweckraum des Hauses, das nun ihren Namen trägt.

Immig trug den Anwesenden noch einmal vor, was Ilse de Giuli seit 1975 alles erreicht hat. Natürlich war das inzwischen ehemalige Haus der Lebenshilfe ein wichtiger Meilenstein. Wie schwierig die Realisierung war, zeigt der Blick in die Geschichte. Drei Jahre gingen zwischen Grundstückskauf und der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes 1987 ins Land. Mehrfach wurde das Haus seitdem erweitert, inzwischen ist es das Zuhause von 34 Menschen, hinzu kommen zahlreiche Kinder, die den Montessori-Kindergarten besuchen. "Sie haben die Saat gesät und die Saat ist aufgegangen", würdigte Immig. Er hat die Hälfte seines Berufslebens mit Ilse de Giuli zusammengearbeitet - dafür gab es ein Dankeschön obendrauf.

Landrat Clemens Lindemann wählte positiv besetzte Metaphern, um Ilse de Giulis Lebenswerk zu würdigen. "Sie haben das Rad ins Rollen gebracht, sie waren die Seele, der Steuermann dieses Unternehmens." Irgendwie ist sie es immer noch.