Haus der Erich-Ferdinand-Bläse-Stiftung für Wohlfahrtspflege

Wohnungen für Senioren : Bläse-Haus füllt sich jetzt mit Leben

In das seniorengerecht gebaute Wohnhaus ziehen derzeit erste Mieter ein. Noch sind in diesem, von der Erich-Ferdinand-Bläse-Stiftung für Wohlfahrtspflege getragenen, Haus einige Wohnungen frei.

Das Bläse-Haus wäre wohl so recht nach dem Geschmack des Stifters Erich Ferdinand Bläse gewesen. Denn mit dem investierten Geld, bei Fertigstellung mitsamt Grünanlage werden es 3,3 Millionen Euro sein, werden Einnahmen aus den Mieten erwirtschaftet. Dieser Stiftungsertrag und der Stiftungszweck, also die Förderung der Altenhilfe, wurden bei diesem Projekt in Einklang gebracht. In dem modernen Gebäude soll sich eine „Lebensgemeinschaft“ entwickeln, in der Ältere „gut miteinander wohnen und sich auch gegenseitig helfen können“, so die Vorstellung des Geschäftsführers der Stiftung, Michael Quiring.

Kommunikation und Begegnung sollen deshalb einen hohen Stellenwert haben. Dafür ist der Gemeinschaftsraum mit Küche im Untergeschoss des „Hinterhauses“ gedacht, von dem aus der Blick auf die Gustav-Clauss-Anlage fällt. Mit etwas Fantasie kann man bei der vormodellierten Hügellandschaft an der Gebäuderückseite schon den künftigen Garten erahnen. Gerade wurde der Auftrag für dessen naturnahe Gestaltung an eine lokale Gartenbaufirma vergeben, so wie alle Aufträge an Handwerker aus der Region gingen. Mit etwas Glück ist hier sogar noch ein finanzieller Zuschuss über ein Förderprogramm für den ländlichen Raum drin.

Nachdem der offizielle Startschuss für den Hausbau im August 2016 fiel und ein Jahr später das Richtfest stattfand, sollte die Vergabe der Wohnungen, die zwischen 43 und 71 Quadratmeter Fläche haben, nach bestimmten Kriterien im Dezember 2018 erfolgen. Anfänglich gab es drei Auswahlkriterien für Mieter: ein Alter über 60 Jahre, sie sollten aktuell St. Ingberter sein oder wieder in den Heimatort zurück wollen und bestenfalls ehrenamtlich aktiv sein. So jemand sollte sich für die elf Wohneinheiten unter den 70 Interessenten finden lassen, dachte man im Vorstand. Doch der Bezug des Pilotprojekts, wie es der Oberbürgermeister nennt, oder des „Versuchsballons“, so die Bezeichnung Quirings, gestaltete sich komplexer als gedacht. Viele der potenziellen Mieter wären am Tag der offenen Tür abgesprungen, da nur eine Wohnung von der Größe her für ein Ehepaar taugt. Die anderen zehn, sehr schön geschnittenen, Räume mit Balkon sind nur etwas für Alleinstehende.

Im Laufe der Zeit wurden die Einzugskriterien deshalb etwas aufgeweicht. Man sollte aber schon sozial eingestellt sein und offen auf seine künftigen Nachbarn zugehen, denn das Miteinander ist dem Stiftungsvorstand, neben der pünktlich zu zahlenden Miete, besonders wichtig. „Die Chemie sollte zwischen allen stimmen“, wünscht sich Quiring. Fünf der kleineren Wohneinheiten sind noch frei, doch Besichtigungen mit Interessenten laufen. So ließ sich eine St. Ingberterin von Stiftungsvorstand Hans Wagner und Quiring das Bläse-Haus vom Keller bis zum Dach zeigen – für ihre 80-jährige Mutter, die noch in Brandenburg lebt. Nach Besichtigung aller verfügbaren Wohnungen mit elektrischen Rollläden und Fußbodenheizung, Gang durch den Heizungskeller mit Wärmepumpe, Wärmerückgewinnungsanlage und Einrichtung für die Photovoltaik auf dem Dach, die Waschküche mit bereits vorhandenen Waschmaschinen und einem Trockner, das Kellerabteil und den Gemeinschaftsraum zeigte sie sich begeistert. Nun muss es nur noch der Mama gefallen.Die meisten Kosten beim Bau entfielen auf die Pfahlgründung, die moderne Haustechnik mit Brandschutz, eine unvorhergesehene Stützmauer, die der Nachbar einforderte, den Gemeinschaftsraum und den Aufzug. Hinzu kam aber auch eine Kostensteigerung von fast einer halben Million Euro bei den Handwerkern, da sich deren Preise durch den leergefegten Markt erhöht hatten. Davon weiß das Ehepaar nichts, das in dieser Woche einzieht. Die beiden, die vorher in der Gartenstraße gewohnt haben, freuen sich aufs neue Zuhause. „Stadtnah, seniorengerecht, schöne Räume“, so lauten die Vorteile, die die St. Ingberterin aufzählt. Wichtig in ihrem Alter sei auch, schnell bei Ärzten zu sein.

So sieht das Bläse-Haus von hinten aus – dominiert vom „Turm“ in der Mitte, in dem sich der Aufzug und der Haupteingang befindet. Links ist der Gemeinschaftspavillon, von dem man auf den Stadtpark schaut. Foto: Cornelia Jung/Cornrlia Jung

Da kann Ursula Rolot nur zustimmen. „Ich war gleich begeistert“, so die 79-Jährige, die die Nachbarn schon kennengelernt hat, „es ist ein angenehmes Haus, in dem an alles gedacht wurde.“ Von dort aus komme sie gut zum Einkaufen und kann direkt zum Walking durch den Park starten. Da sie nicht wisse, wie lange sie noch Auto fahren könne, sei die zentrale Lage perfekt. Der Haupteingang mit Briefkästen befindet sich rollstuhlgerecht hinter dem Haus. Die zwei Stufen am Eingang auf der Vorderseite sind nicht barrierefrei, sollen aber bei Starkregen das Volllaufen des Hauses erschweren.

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