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Hasseler werfen ihre Traditionen nur ungern über Bord

Hasseler werfen ihre Traditionen nur ungern über Bord

Hassel. Arme Hasseler. In diesem Jahr gerät ihr Bio-Rhythmus völlig aus dem Gleichgewicht. Erst der Schalttag am 29. Februar, dann zwei Zeitumstellungen und dazwischen das Dorffest, das erstmals in den 32 Jahren seines Bestehens nicht von Samstag bis Montag dauert, sondern schon am Freitag begann und gestern zu Ende ging

Hassel. Arme Hasseler. In diesem Jahr gerät ihr Bio-Rhythmus völlig aus dem Gleichgewicht. Erst der Schalttag am 29. Februar, dann zwei Zeitumstellungen und dazwischen das Dorffest, das erstmals in den 32 Jahren seines Bestehens nicht von Samstag bis Montag dauert, sondern schon am Freitag begann und gestern zu Ende ging.An offizieller Stelle wollte man noch nicht sagen, ob die Revolution nun ein Erfolg war, oder doch lieber schnell vergessen wird. "Da müssen wir abwarten. Ein Resümee ziehen wir in aller Ruhe im September", so Ortsvorsteher Markus Derschang.

Deutlicher äußerten sich Standbetreiber und Besucher: "Es ist vergleichsweise wenig los, der Samstag wäre auf jeden Fall besser", stellte Anita Zitt, die am Stand des FC Wiesental Schweinesteaks unter das hungrige Volk brachte, fest.

Zu dieser Einschätzung kam sie am späten Freitagabend, als die Dunkelheit längst über Hassel lag und das Wetterhoch "Achim" etwas mildere Luft über das Dorffest pustete. Vielleicht war auch das Late-Night-Shopping in der St. Ingberter Innenstadt schuld am Besucherschwund, den jedoch nur Stammgäste des Dorffestes bemerkten.

Bert Zitt, einer der geistigen Väter des Dorffestes, tut sich mit der Neuerung schwer. "Samstag bis Montag, das war schon immer Kirmes-Tradition. In den frühen Jahren wurde noch bis drei, vier Uhr getanzt und montags ein echter Hammel verbrannt. Der 67-Jährige hat es sich in der Backstube des Wandervereins mit einem Pils gemütlich gemacht. Dort zog es auch Rita Beck vom Geistkircher Hof hin, vor allem wegen der legendären Spitzbuwe, die es nur in Hassel gibt. "Der Montag war immer der krönende Abschluss. Da saßen wir hier in der Backstube, und wenn das Brot ausverkauft war, haben wir uns eben den Käse gegeben." Nun muss diese einen Tag früher stattfinden. "Und das ist irgendwie nicht dasselbe."

Trotzdem: Rund um den Marktplatz gab es kaum ein Durchkommen. Die Bühne gehörte am Premierenabend dem Rockensemble des Leibniz-Gymnasiums. Was die jungen Talente dort zum Besten gaben, waren zwar Titel, die nach zum Teil mehr als 30 Jahren ziemlich abgespielt sind. Trotzdem schafften es die beiden Sängerinnen Anke Lauterbach und Corinna Hartmann, Klassikern wie "Venus" (im Original von Shocking Blue gesungen), "Another brick in the Wall" (Pink Floyd) oder Melissa Etherigdes "Like the way I do" neues Leben einzuhauchen. Dazwischen gab es aber auch immer wieder aktuelle Titel.

Bis weit nach Mitternacht feierten die Hasseler ihr fest. Einigen war das wohl immer noch zu früh. Wie die Polizei mitteilte, schnitten Unbekannte am frühen Samstag ein Festzelt auf und stahlen die darin gelagerten Wein- und Spirituosen-Vorräte. Zudem registrierten die Beamten in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag jeweils zwei Schlägereien, die Strafanzeigen wegen Körperverletzung nach sich zogen. Aber das, hieß es aus der St. Ingberter Polizeiinspektion, waren eher kleine Zwischenfälle und wohl auf die gefährliche Kombination von Alkohol und warmem Wetter zurückzuführen. obe