Handel und Gewerbe plant Fusion mit Aktionsgemeinschaft St. Ingbert

Möglicher Zusammenschluss mit Aktionsgemeinschaft : Verein Handel & Gewerbe plant Fusion

Auf der jüngsten Mitgliederversammlung wurden neben einer möglichen Zusammenlegung mit der Aktionsgemeinschaft St. Ingbert auch künftige Satzungsänderungen besprochen.

Laut Definition ist der heimische Verein „Handel und Gewerbe“ (H&G) ein Zusammenschluss der Handel-, Industrie- und Handwerk-Gewerbetreibenden sowie der Freien Berufe in der Mittelstadt St. Ingbert. So steht es in der Satzung. Ziel des Konstrukts sei es demnach, die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder zu vertreten, zu fördern und zu schützen. An beiden Aussagen hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich nichts geändert. Strukturen sind ähnlich geblieben, nur der Vorstand und die Mitglieder wechselten.

Zum 100. Geburtstag in diesem Jahr genehmigt sich der Verein eine kleine „Frischzellenkur“. Bereits zum Jubiläum wurde ein neues Logo vorgestellt, das jünger und moderner daherkommen soll. In den dort dargestellten, vier sich überlappenden Kreisen in frischen Farben sind die Buchstaben HGSI zu lesen. „Das steht für Handel und Gewerbe St. Ingbert, könnte aber genauso gut Handel und Gewerbe, Stadt und Industrie bedeuten“, sagt Nico Ganster, der Vorsitzende des Vereins, im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung am vergangenen Montag, 21. Okober. Anlass dieses Treffens war aber ein anderer. Denn in erster Linie wollte der Vorstand seine Mitglieder darüber informieren, dass man sich als Verein ein Zusammengehen mit den Akteuren der Aktionsgemeinschaft St. Ingbert (AGI) vorstellen könne.

Die seit 30 Jahren existente AGI, bildete 2001 die Basis für die Gründung des Stadtmarketing. In der Aktionsgemeinschaft waren größere Unternehmen und Betriebe vertreten, die aufgrund ihres Umsatzes größere Beitragszahlungen zu leisten imstande waren. So war es möglich, dass deren Mitglieder 25 000 Euro für die Arbeit des Stadtmarketing beitrugen. „Seit einigen Jahren stehen wir allerdings vor dem Problem, dass die AGI nicht mehr die Präsenz hat“, wie Ganster bemerkte.

Seit dem Tod von Albert Herges habe man sich schon Gedanken darüber gemacht, die Strukturen zu verschlanken, effizienter zu gestalten und darauf geschaut, wie die Aktionsgemeinschaft aus ihrem „Schattendasein“ heraus komme. Die Lösung: Ein Zusammengehen von „Handel und Gewerbe“ und der Aktionsgemeinschaft, die in den kommenden vier Monaten erfolgen könne, wenn die Mitgliederversammlung der AGI an diesem Mittwoch, 23. Oktober, diesen Vorschlag mitträgt. Bei H & G rechnet man mit einer Zustimmung von der anderen Seite, da sich bei AGI keiner finde, der dort die Vorstandsarbeit übernehmen wolle.

Derzeit sind in H&G rund 120, in AGI 40 Mitglieder organisiert. Manche sind in beiden Vereinen vertreten und bezahlen demnach auch zweimal Beiträge. Gehen beide Vereine zusammen, würde aus diesem Grund eventuell die Gesamtbeitragssumme sinken. „Hier ist die Frage, was wir dann für neue Pakete schnüren können“, wie Ganster in den Raum stellte, „bei Veranstaltungen könnte man vielleicht auf den Sponsorenbändern erscheinen.“ Laut Wirtschaftsförderer müsse eine Fusion nicht zwangsläufig auf weniger Beiträge hinauslaufen, die dann auch das Stadtmarketing betreffen würden. „Einige Mitglieder sind ja auch aus der Aktionsgemeinschaft gegangen, weil nichts mehr passierte“, so Thomas Debrand, Leiter des Geschäftsbereiches Wirtschaft in der Stadt St. Ingbert.

Unausgesprochen blieb, dass man sich einen neuen Zulauf verspricht, wenn AGI zu H&G „wechselt“ und dort mehr Aktivität stattfindet. Sollte am Ende dennoch weniger Geld für das Stadtmarketing herausspringen, hätte dies weniger Angebote der zur Hälfte von der Stadt getragenen Gesellschaft zur Folge. „Und trotzdem macht es Sinn, die zwei Vereine zusammenzulegen“, findet Debrand. Sollte es zur Zusammenlegung kommen, würde möglicherweise H&G für die finanziellen Differenzen, die sich beim Stadtmarketing daraus ergeben, in die Bresche springen. Außerdem wurde bei der Mitgliederversammlung eine überarbeitete, der Zeit angepasste H&G-Satzung vorgestellt, über die im Alfa-Hotel in Sengscheid rege diskutiert wurde.

So soll in Zukunft die Vorstandsgröße variabel gehalten werden, eine Mitgliedschaft wird auf Antrag auch noch nach der Aufgabe eines Geschäftes oder Unternehmens möglich sein und es soll eine beitragsfreie Ehrenmitgliedschaft geben, bei der man zwar an den Versammlungen teilnehmen kann, aber kein Stimmrecht hat. Desweiteren wurden die Mitglieder aufgerufen, ihre Kontaktdaten zu aktualisieren, so dass künftig Einladungen zu Mitgliederversammlungen auch per E-Mail verschickt werden können. Außerdem soll der Vorstand künftig auf einmal gewählt werden. Bisher wurden Teile von ihm in geraden und andere in ungeraden Jahren gewählt, was selbst bei „Insidern“ für Verwirrung sorgte.

Wird diese Satzungsänderung, so wie die anderen, 2020 beschlossen, gibt es für zwei Jahre einen konstanten Vorstand, mit dem sich kontinuierlich erbeiten lässt. Gelingt dann noch der Zusammenschluss mit der brachliegenden Aktionsgemeinschaft, ist Handel und Gewerbe mit 100 Jahren nicht nur neu, sondern auch gut aufgestellt.

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