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Große Verwirrung um die Masken-Pflicht im Saarpfalz-Kreis

Die große Verwirrung rund um die Masken-Pflicht im Saarpfalz-Kreis : Rathaus-Stürme der unmaskierten Art

Masken-Pflicht: Verwaltungen in unserer Region versuchen nun in Windeseile, die Verteilung bestmöglich zu organisieren.

Vor vollendete Tatsachen gestellt und damit heillose Verwirrung gestiftet und reichlich Ärger ausgelöst hat offenbar die Landesregierung. Denn: Das Saar-Gesundheitsministerium hat jüngst angekündigt, in den kommenden Tagen – über die Städte und Gemeinden – Einweg-Masken zur Verfügung zu stellen. Dafür habe das Land insgesamt fünf Millionen dieser Exemplare bestellt. Preis pro Stück: 50 Cent. Ein Teil der Lieferung sei bereits angekommen. Wahrscheinlich würden die Masken über die Rathäuser oder Ortsvorsteher verteilt.

Sehr aufgebracht über diese Information (aus der Presse) ist Michael Clivot, der Bürgermeister von Gersheim. Am Donnerstag erklärte er, der sich noch drei Tage im Urlaub wähnte, auf SZ-Anfrage, dass seit dem frühen Morgen massenhaft die Leute im Rathaus anriefen und E-Mails schickten. Alle wollten Masken, die aber vor Ort noch nicht vorhanden seien. „Keine einzige Minute“ habe ein verantwortlicher Mensch im Gesundheitsministerium mit der Kommune geredet, so Clivot. „Diese Vorgehensweise ist eine absolute Unverschämtheit, das geht gar nicht“, fügt er noch hinzu. Massenaufläufe vor den Rathäusern, weil Bürgerinnen und Bürger ihre Masken abholen wollen, seien ja wohl tunlichst zu vermeiden. Insofern müsse man nun in der Verwaltung einen Plan entwickeln, wie die Verteilung vor sich gehen kann. Im Übrigen sei das Ganze auch in drei Tagen bürokratisch kaum zu stemmen. Beispielsweise müssten nun Listen geführt werden, wer schon seine Masken abgeholt hat und wer nicht, damit ein Mensch nicht zwei Mal oder gar mehrfach zugreift.

Seit dem Morgen standen die Telefone auch bei der Stadtverwaltung in St. Ingbert nicht mehr still. Das teilte die Stadt-Pressestelle mit. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger fragten am Donnerstag an der Infotheke nach, wann und wo die Masken abgeholt werden können, „außerdem wurde festgestellt, dass wahllos Nummern im Rathaus, beispielsweise auch im Baubereich, angerufen werden, da wohl die Infotheke dauerbesetzt ist“.

Rückmeldung habe es auch von dem Mitarbeiter der Ortsverwaltungsstelle Rohrbach gegeben, die derzeit nicht besetzt ist: „Bei ihm rufen Bürger privat an und möchten Auskunft.“ Auch Christina Wieth als Koordinatorin von „St. Ingbert hilft“ werde von Anrufen überhäuft, könne aber leider auch nicht weiterhelfen, da weitere Informationen von der Landesregierung abgewartet werden müssten. Die Stadt St. Ingbert wusste bis dato nicht, wann und in welcher Anzahl Masken geliefert werden. Parallel werde bereits „eine geregelte Verteilung vorbereitet, damit eine möglichst schnelle Ausgabe an die Bürgerinnen und Bürger erfolgen kann“.

Maria Vermeulen, die Bürgermeisterin der Gemeinde Mandelbachtal, berichtet, dass am Donnerstagvormittag „ganz viele Leute“ zu ihrem Rathaus in Ormesheim kamen. Und man habe etliche Anrufe entgegengenommen: „Heute war die Hölle“, und die Masken noch nicht eingetroffen. Noch am Nachmittag wartete sie auf nähere Infos vonseiten des Städte- und Gemeindetags: „Ich plane erst, wenn ich weiß, wann und wie die Masken hier ankommen.“ Es handele sich um verschiedene Hersteller, und so könne man bislang unter anderem auch nicht wissen, in welcher Stückzahl die Ware überhaupt abgepackt ist.

In Blieskastel sind sowohl die Stadtverwaltung als auch Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher mit Anfragen von Bürgern hinsichtlich der Masken-Verteilung überhäuft worden, so Hauptamtsleiter Jens Welsch in seiner Presseerklärung. Die Stadt spricht von einer „großen Verunsicherung auf allen Seiten“. Welsch und Brandamtmann Marco Nehlig vom Sicherheitsstab der Stadt gehen derweil auf die Verteilung ein. Geplant ist, dass die Freiwillige Feuerwehr ihre Gerätehäuser in denjenigen Ortsteilen als Zwischenlagerstätte anbietet, in denen kein Dorfgemeinschaftshaus oder andere städtische Gebäude zur Verfügung stehen.

Auch bei Transport- und Logistik sind die Feuerwehrleute und ihr Know-how mit an Bord. „Improvisation ist unsere Stärke“, sagt gelassen zum Thema der 2. Beigeordnete Guido Freidinger. Die Verantwortlichen weisen im Übrigen darauf hin, dass in der „sehr kurz bemessenen Verteilungszeit“ zuerst diejenigen Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt werden, die bislang weder eine Schutzmaske noch einen Gesichtsschutz haben.

 Der Sicherheitsstab in Blieskastel, der sich um die Verteilung der Masken kümmert, mit (von links) Marco Nehlig, Peter Wachs, Bernd Hertzler, Guido Freidinger, Michael Nehlig und Jens Welsch.
Der Sicherheitsstab in Blieskastel, der sich um die Verteilung der Masken kümmert, mit (von links) Marco Nehlig, Peter Wachs, Bernd Hertzler, Guido Freidinger, Michael Nehlig und Jens Welsch. Foto: Uwe Brengel

Ganz am Rande: Aus informierten Kreisen der Landesregierung ist zu hören, dass nicht etwa das originär zuständige Gesundheitsministerium die Beschaffung der Einwegmasken organisiert hat, sondern Reinhold Jost, der Minister für Umwelt- und Verbraucherschutz. Er habe letztlich die Sache eingefädelt und gestemmt.