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Große Nachfrage nach Camping-Urlaub im Saarpfalz-Kreis

Camping-Urlaub : Camping-Urlaub war der Renner in Corona-Zeiten

Noch nie gab es einen solchen Ansturm auf die Camping-Plätze wie im Frühsommer 2020, als die Corona-Lockerungen verkündet wurden. Allerdings waren im Saarland die Camper meist unter sich, auch im Saarpfalz-Kreis. Von auswärts kamen diesmal kaum Gäste dazu.

Urlaub auf dem Campingplatz habe im Corona-Sommer als eine der sichersten Urlaubsformen gegolten, sagt Maximilian Möhrle, Geschäftsführer des Reise- und Buchungsportals camping.info mit Sitz in Berlin. Social-Distancing sei für Camper kein Problem gewesen, da sie ihr Zuhause sozusagen mit sich führen: „Wie unsere Umfrage unter fast 5000 Campern zeigt, haben sich 80 Prozent der Befragten beim Campen sicher bis sehr sicher und vor Corona geschützt gefühlt.“

Nicht verwunderlich sei der gestiegene Anteil der inländischen Campingurlauber in diesem Jahr. Dieser lag im vergangenen Sommer bei 92 Prozent. Im letzten Sommer waren es noch 85 Prozent. Dagegen brachen die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland um 48 Prozent ein. Die höchsten Steigerungsraten für Juni bis August gab es in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg sowie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Das Saarland gehörte jedoch zu den Verlierern, hier gab es 98 515 Übernachtungen, das sind über 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Massive Rückgänge gab es auch in den Großstädten, die sonst immer sehr beliebt sind, die aber in Corona-Zeiten nur wenige Leute besuchen wollte, etwa Hamburg, Berlin und München.

Die uneinheitlichen Regelungen in Bezug auf Öffnungsdaten, Hygieneregeln und andere Corona-Maßnahmen im Saarpfalz-Kreis hatten die Camper bei der Suche nach einem geeigneten Platz vor eine große Herausforderung gestellt. Welcher Platz hat wann geöffnet? Kann ich die Sanitäranlagen benutzen? Ist der Platz schon ausgebucht?

Nun ist es auch häufig so, dass Familien mit Kindern gar nicht so weit weg fahren wollen, sondern auf einen Camping-Platz in der näheren Umgebung umziehen, was für alle Beteiligten schon eine tolle Art von Urlaub bedeutet.

Zum Beispiel auf die besonders gut ausgestatteten saarpfälzischen Campingplätze in Kirkel (Caravanplatz Mühlenweiher), Campingplatz Walsheim, Campingplatz Habkirchen oder auch dem Campingplatz Königsbruch bei Bruchhof. Hinzu kommen noch kleinere Reisemobilstellplätze in Homburg, Bexbach und St. Ingbert. Oft ist bei den Campingplätzen auch noch ein Schwimmbad angeschlossen, deren Nutzung in diesem Sommer aber nicht überall gewährleistet war.

Vor zwei Jahren, als Corona noch kein Thema war, haben nur 25 Prozent der Befragten einen längeren Campingurlaub im Deutschland gemacht. 2020, also im Corona-Sommer, waren es knapp die Hälfte. Das führte zu 23 196 883 Übernachtungen auf deutschen Camping-Plätzen. Die Ergebnisse aus Umfragen und die Zahlen vom Statistischen Bundesamt weisen jetzt schon darauf hin, dass auch 2021 ein Rekordjahr werden könnte. „Es gibt viele, die diese Reiseform 2020 neu- oder wiederentdeckt haben und die Zahl wird auch 2021 weiter steigen”, so Möhrle weiter, der selbst gerne mit seinem Wohnmobil unterwegs ist.

Was viele Camper in diesem Jahr vermisst haben, war natürlich die Spontanität. Einfach losfahren ist für viele die Freiheit, die Camping ausmacht. Durch die hohe Nachfrage auf den Campingplätzen war 2020 meist eine Reservierung notwendig. Das spiegelt sich auch in den Antworten der knapp 5000 Befragten wider. Im letzten Jahr sind noch über 2000 der Befragten ohne Reservierung in den Campingurlaub gefahren. 2020 waren es fast die Hälfte weniger, nur knapp 1100 Camper. Und noch ein Ergebnis brachte die Umfrage: Die meisten Camper wollen das Abstandhalten auch in der Campingsaison 2021 fortführen.

„Auch, wenn die Spontanität vermisst wurde und Masken auch beim Urlaub auf dem Campingplatz zum ständigen Begleiter geworden sind, haben viele der Camper die verbesserten Hygienemaßnahmen und den respektvolleren Umgang als positiv empfunden. Die Heimat neu zu entdecken und auch mal Campingplätze in der Umgebung des Wohnortes zu besuchen, sind zwei weitere Veränderungen, die die Camper diesen Sommer als positiv beschrieben haben”, so das Fazit von Maximilian Möhrle zum Camping-Sommer 2020.

Mal sehen, was in diesem Jahr aus der Bexbacher Camping-Messe wird, die 2020 wegen Corona abgesagt werden musste: nie zuvor wäre es ein dermaßen gutes Jahr für die Branche geworden. Aber vielleicht wird es ja am diesjährigen 1. Mai einen kleinen Vorgeschmack auf den Camping-Urlaub geben. Denn noch nie gab es in Deutschland so viele Campingurlauber und Reisemobile wie 2020, die Zahl der zugelassenen Wohnmobile kletterte auf Rekordwerte.

Campingurlauber sind für Deutschlands Tourismusbranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, denn rund sieben Prozent der deutschen Gesamtübernachtungen gehen auf das Konto der 3055 deutschen Campingplätze. Die meisten davon befinden sich in Bayern (454), Niedersachsen (400) und Baden-Württemberg (381). Der durchschnittliche Campinggast urlaubt 3,2 Tage und bleibt damit länger als ein anderer Urlaubsgast (2,6 Tage). Dass Camping ein Milliardenmarkt ist, beweisen auch die Zahlen. Laut einer Studie des Caravaning-Industrie-Verbands erzielte die Camping- und Caravaning-Branche 2018 in Deutschland einen Umsatz von 14,4 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

In Sachen Bexbacher Camping-Messe hofft die CDU am Höcherberg, dass in diesem Jahr unter strengen Hygien-Auflagen die Traditionsveranstaltung wieder stattfinden könnte. Es sieht aus, als würde 2021 für die Branche ein Rekordjahr werden, denn noch nie stand der Urlaub in den eigenen Zelt- oder Wohnwagen-Wänden so hoch im Kurs wie in Corona-Zeiten. Foto: Thorsten Wolf

Die Beliebtheit von Campingurlauben zeigt sich auch in den Zulassungsstatistiken von Freizeitfahrzeugen. Insgesamt sind in Deutschland 1 287 951 davon zugelassen. Ein Plus von knapp sieben Prozent. Im Jahr 2019 wurden 53 920 Reisemobile und 26 496 Wohnwagen neu zugelassen. In einer Umfrage von Statista wurden auch die wesentlichen Motive für einen Campingurlaub ermittelt. Dabei schätzen 72 Prozent der Campingurlauber vor allem die Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit, die Nähe zur Natur (71 Prozent), die Flexibilität (70 Prozent) sowie die hohe Mobilität (65 Prozent) und die Einfachheit des Urlaubs (64 Prozent).