Entdeckungen bei Grabungen : Archäologen wurden im Grumbachtal fündig

Bevor die Bauarbeiten an der Brücke losgehen, waren Forscher am Werk. Ihre Entdeckung: Funde aus der Römer- und Eisenzeit.

Kein Autofahrer war begeistert, als die Grumbachtalbrücke vor einigen Monaten wegen Baumängeln kurzzeitig komplett für den Autoverkehr gesperrt war. Nun ist klar – ein Neubau muss her, für den die ersten Vermessungsarbeiten bereits erledigt sind. Wenn es ernst wird mit dem Bau, werden Geräte, Maschinen und Baumaterialien am Ende des Grumbachtalweges kurz hinter Sengscheid gelagert. Bevor es aber so weit ist und eine jetzige Weide ein Teil der Baustelle wird, wurden die Träger öffentlicher Belange in die Planungen einbezogen, darunter das Landesdenkmalamt. So bekamen auch die Archäologen auf der Suche nach Spuren menschlicher Vergangenheit rechtzeitig die Möglichkeit, einen Blick unter die Grasnarbe zu werfen. Und es hat sich gelohnt.

Bereits bei Sondagearbeiten mit einem Bagger im September des vergangenen Jahres war man fündig geworden. Da kamen relativ große, bearbeitete Steine aus der Römerzeit ans Tageslicht. Schon lange sei die Fundstelle bekannt, doch erst seit den 1950er Jahren seien dort Siedlungsstellen durch konkrete Fundmeldungen nachgewiesen worden, wie die Gebietsreferentin des Landesdenkmalamtes, Constanze Höpken, sagt. Sogar Teile eines Grabdenkmals seien dabei gewesen. Grabungsleiterin Dagmar Wilhelm ist seit November 2017 vor Ort und gräbt mit drei festen Mitarbeitern und zwei „Springern“ die Hinterlassenschaften unserer Vorfahren aus. Tägliche Arbeit: graben, dokumentieren, fotografieren, einmessen, Kleinfunde bergen. Später gehört natürlich das Abdecken der Fundstellen und damit die Konservierung dazu.

Bis vergangene Woche gaben die Mitarbeiter des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), der die Grabung aktiv unterstützt hat, den Archäologen Zeit. Natürlich hätten die Wissenschaftler gern noch länger Zeit gehabt, doch solche „Notgrabungen“ im Vorfeld von Bauarbeiten sind keine Seltenheit und gehören zum Archäologen-Alltag. Unter den Römerfunden sind Steine mit Bearbeitungsspuren, beispielsweise langen Rinnen, deren „Struktur sich uns noch nicht erschließt“ wie Höpken sagt. Trotzdem ist die zeitliche Einordnung der Grabung ins zweite bis dritte Jahrhundert durch Keramikfunde gesichert. Ist die Grabung beendet, geht es an die (Literatur-)Recherche, ob sich vielleicht Ähnlichkeiten mit anderen weltweiten Funden ergeben, aus denen sich auf die Verwendung speziell zugehauener Steine aus dem Grumbachtal schließen lässt.

Noch kann Constanze Höpken nicht sagen, welche Funktion die Ansiedlung hatte. Waren es Wohnhäuser oder doch eher der Standort einer Art römische Bauhütte, wo man Steine zur weiteren Verwendung behauen hat? Dazu würden die vielen Bruchstücke verschiedener Steingrößen, ein Fundament aus großen Steinen und der frühere Grabmal-Fund passen. Hier wird man weiter forschen. Fest steht jedenfalls, dass „hier etwas gestanden hat, für das die Menschen großen Aufwand betrieben haben“, wie Höpken meint.

Archäologin Dagmar Wilhelm ist von der Grabung auf der relativ großen Fläche angetan: „Die bearbeiteten Sandsteine sind toll. Aber jede aktuelle Grabung ist mein schönstes Baby.“ Traurig, dass mit dem Ende der Grabung ihr dortiger Arbeitsplatz wegfällt, ist sie nicht. „Wir wollen ein Maximum an Informationen rausholen. Das ist immer nur für einen gewissen Zeitraum und dann trennt man sich wieder“, sagt sie. In Sichtweite der römischen Ansiedlung haben die Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes noch eine zweite Grabung betreut, wo Reste eines eisenzeitlichen Grabhügels aus der Mitte des ersten Jahrtausends freigelegt wurden. Scheinbar haben sich bereits die „Ur-Dengmerter“ an den „Ausläufern“ des Stiefels wohlgefühlt.