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Giessen-Stiftung St. Ingbert vergibt Preisgeld von 50000 Euro

Giessen-Stiftung St. Ingbert : Für junge Wissenschaftler und Künstler

Die St. Ingberter Rotarier haben seit drei Jahren ein Auge darauf, dass die Gelder der Hans- und-Ruth-Giessen-Stiftung an die richtige Adresse kommen. 2020 freuten sich eine Pharmazeutin und drei klassische Musiker über ein Preisgeld von insgesamt 50000 Euro.

Wenn gute Arbeit wertgeschätzt wird, ist das eine tolle Sache. Wenn dann noch eine finanzielle Förderung obendrauf kommt, dann ist das für die Geehrten so, als fielen alle Feiertage zusammen. Eine solche Würdigung erfuhren unlängst vier junge Leute im Alten Waschhaus in St. Ingbert, die Förderpreise aus der Hans&Ruth-Giessen-Stiftung erhielten, die im Jahr 2017 aus der Taufe gehoben wurde und deren Träger der Rotary-Club St. Ingbert ist (wir berichteten). Auf den Preis kann man sich nicht bewerben, man wird von den saarländischen Hochschulen vorgeschlagen und beruft sich damit auf die Expertise von Fachleuten. Wilhelm Burgemeister, St. Ingberter Rotarier und Moderator der Veranstaltung, verwies zu ihrem Beginn auf eine „Botschaft“, die er empfangen habe: „Vor einigen Monaten erhielt ich aus allerhöchsten Sphären eine codierte Nachricht (…) es war ein Wunschzettel.“ In ihm hätten die Gründer der Stiftung, Ruth und Hans Giessen, ihre Bitte geäußert, dass die Preisverleihung trotz Corona stattfinden möge, dass vor allem Vertreter derjenigen Fachbereiche von den Förderungen profitieren mögen, die durch Corona besonders gebeutelt seien, und dass die ehemaligen Preisträger davon berichten, wie sie ihr Preisgeld angelegt haben. All diesen Wünschen konnte entsprochen werden, auch wenn sich viele Besucher und Gäste wegen der aktuellen Hygienerichtlinien lediglich online zuschalten konnten. „Somit versuchen wir, den himmlischen Wunschzettel unter irdischen Bedingungen zu erfüllen“, so Burgemeister.

Eine Preisträgerin ist die Diplom-Pharmazeutin und Apothekerin Charlotte Dahlem, die sich nicht nur mit ihren Forschungen zu Naturstoffen bei der Bekämpfung von Tumoren hervortat, sondern während ihres Studiums an der Universität des Saarlandes auch in verschiedenen Gremien Verantwortung übernahm, darunter im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta). Volker Linneweber, Stiftungskurator und Unipräsident a.D. hielt die Laudatio: „Derzeit ist die St. Ingberterin Doktorandin und benötigt daher das Preisgeld nicht mehr für ihre Dissertation. Sie blickt vielmehr weiter in die Zukunft und wird nach Auslandsaufenthalten in Irland und Japan damit weitere Kontakte in andere Länder knüpfen können.“ Er hob das Engagement der 29-Jährigen für die systemischen Wissenschaften hervor, das mit exzellentem Wissen gepaart sei. Mit ihrer Arbeit zur Identifizierung neuer Antitumorzellen trage sie zur Entwicklung neuer strategischer Therapien bei, die dabei helfen, Tumorzellen in ihrem Wachstum zu hemmen und abzutöten. Ihre bisherigen Befunde seien nicht nur wegen ihres Themas wichtige Meilensteine in der Pharmazie, sondern auch deshalb, weil Dahlems Studien tierschutzkonform durchgeführt werden. Denn ihre Probanden sind Zebrafischembryonen, die kein Schmerzempfinden haben. Charlotte Dahlem freute sich über ihren Preis über 25 000 Euro, mit dem sie Forschungsaufenthalte in Schweden und den USA finanzieren möchte.

Ebenfalls Preisträger über die gleiche Fördersumme ist das Odeon-Trio, bestehend aus Alexander Baier (Klavier), Oliver Léonard (Cello) und Johanna Hempen (Violine), die ihr Glück bei der Verkündung vor einigen Monaten kaum fassen konnten. „Ein Geldpreis in dieser Höhe ist schon was ganz Besonderes“,sagten die Musiker. Johanna Hempen sei in diesem Moment so adrenalin-geflutet gewesen, dass sie sich im Nachhinein gar nicht mehr an das achtminütige Telefonat mit ihren Eltern, in dem sie über den Preis berichtete, erinnern konnte. Das Trio zeigte seine Klasse am Abend der Preisverleihung natürlich noch in musikalischer Form. Thomas Duis, ehemaliger Rektor der Hochschule für Musik Saar, hob in seiner Lobrede das Charisma, die handwerkliche Perfektion der Instrumentalisten, deren sichtbare Freude am Musizieren sowie deren besondere Bühnenpräsenz hervor. Jedes einzelne Mitglied des 2018 gegründeten Ensembles, das schon mit dem weltbekannten Dirigenten Simon Rattle arbeitete, habe schon diverse Preise gewonnen und in namhaften Formationen gespielt. „Die erzielten Erfolge sind die Konsequenz von geduldigem Üben, dem Verzicht auf Freizeit, das Ergebnis einer gewissen Leidensfähigkeit und einem Quentchen Glück.“ Das Preisgeld ist aus Duis‘ Sicht eine weitere Hilfe auf der Karriereleiter des Trios, das sich dank der Finanzspritze mit Detailarbeit per CD sowie entsprechender Literatur auf zwei wichtige Musikwettbewerbe im kommenden Jahr konzentrieren will.

In Vertretung des Schirmherrn Tobias Hans gratulierte Staatssekretär Henrik Eitel den Preisträgern. Er hob hervor, wie wichtig die „Förderung des wissenschaftlichen Personals“ ist, das sich neben seiner Profession fürs Allgemeinwohl engagiere. „Hiermit wird der Sinn der Stiftung, junge Menschen voller Wissbegier und Leidenschaft zu unterstützen, die mutig neue Wege beschreiten, erfüllt“, so der Chef der Staatskanzlei. Sowohl Charotte Dahlem, deren Arbeit ein „Leuchtturm in der deutschen Wirkstoffforschung“ sei, als auch das Musik-Trio, das als „Team immer den richtigen Ton trifft“, seien würdige Preisträger und gute Repräsentanten des Saarlandes.