1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Gerüchte über angeblichen Geheimgang

Gerüchte über angeblichen Geheimgang

Ob der Bunker im ehemaligen Internatsgebäude des Von-der-Leyen-Gymnasiums, die frühere Pfarrkirche „St.Petrus in Ketten“ in Bliesmengen-Bolchen oder die Alte Schmelz in St.Ingbert – zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich näher zu informieren.

. Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag stand dieses Mal unter dem Motto "Gemeinsam Denkmale bewahren". In Blieskastel hatte sich die Westwall Interessensgemeinschaft e. V. (WIG) daran beteiligt. Sie organisierte Führungen durch den Bunker im Keller des ehemaligen Internatsgebäudes des Von-der-Leyen-Gymnasiums. Heute ist dort die Kreisvolkshochschule untergebracht. Immer wieder strömten Menschen aus Richtung Parkplatz zum Eingang des Hauses. Dort hieß es zunächst einmal Geduld haben und Warten. Vor dem Eingang des Gebäudes Schlossberg 11 bildeten sich deshalb schnell Schlangen. Denn die Anlage der ehemaligen Landesbefestigung West ist recht klein. Zudem ist der Weg zu ihr, der durch den Keller führt, eng. Gerade einmal rund sieben Quadratmeter misst der Westwallbunker WH 600. So kam es, dass man die Interessierten in mehrere Gruppen aufteilen musste.

Viele Bunker-Fans

Die eine stand draußen mit Peter Kirsch (WIG) buchstäblich auf dem Dach des Bunkers. Dabei wurden allerlei Fragen erörtert. Die Anlage hatte nur eine reine Beobachtungsfunktion und bot lediglich drei Personen Platz. "Das Leben fand außerhalb statt", war ein Satz, den Kirsch oft an diesem Tag von sich gab. Viele Bunker-Fans waren angereist und fachsimpelten und stellten Vergleiche an. Auch das Gerücht eines angeblichen Geheimgangs vom Schlossberg ins Tal machte wieder mal die Runde. Derweil begab sich die andere Gruppe in die Tiefe. Das Bauwerk war dem Feind schon bekannt, ehe es fertig war, berichtete ein anderer WIG-Vertreter.

Im Mandelbachtaler Ortsteil Bliesmengen-Bolchen nahm der Verein für Dorfgeschichte mit der früheren Pfarrkirche "St. Petrus in Ketten", der heutigen Friedhofskapelle, erstmals an der landesweiten Aktion teil. "Alles, was geschichtsträchtig ist, tragen wir zusammen", fasste Roland Vogelgesang, der zweite Vorsitzende, zusammen. Es sei nicht immer einfach die Gelder zusammen zu bekommen, um etwa Restaurierungen zu finanzieren. Irgendwie klappe es dann aber doch immer wieder.

Oft unterstützen auch einheimische Handwerker die Vereinsarbeit. So war es auch mit den beiden Figuren St. Antonius und Herz Jesu, erklärte Vogelgesang. Die beiden 100 Jahre alten Figuren, die in Saargemünd hergestellt wurden, haben die Geschichtsforscher auf dem Dachboden des benachbarten Willi-Graf-Hauses gefunden und 2013 restauriert. Ganz früher standen sie in den Seitenaltären der ehemaligen Pfarrkirche, die 1752 erbaut wurde. Deren beiden Turm-Untergeschosse stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert. Am 26. Juni 1971 wurde das Gotteshaus entweiht und an die Gemeinde verkauft. In der ehemaligen Kirche zeigten die Menge-Bolcher Dorfgeschichtler auch den 2008 vom Habkircher Steffen Jung geschaffenen Kreuzweg, ließen das Harmonium spielen oder informierten über aktuelle Projekte. Auch das ehemalige Firstkreuz der Kirche strahlt seit seiner Sanierung 2014 wieder. Es verschwand nach dem Rückbau der Kirche 1971 ebenfalls auf dem Speicher und hat nun seinen Platz auf einem Sandsteinfindling vor dem Gebäude.

Ausblicke auf die Zukunft

In St. Ingbert fand die Veranstaltung zusammen mit dem 20-jährigen Bestehen der Initiative Alte Schmelz statt. Die erinnerte mit einer Dokumentation an die Geschichte des 1733 gegründeten Industriebauwerks. Das frühere Stahlwerk war einer der bedeutendsten Betriebe der Schwerindustrie der Westpfalz. Insgesamt sieben Millionen Euro wurden seit Ende der 1990er Jahre dort investiert. 4000 Arbeitsstunden absolvierten die Bewohner der restaurierten Häuser, verriet Alfons Blug im Gespräch mit der SZ. Zwar gäbe es Städten mit einer höheren Zahl an Denkmälern. Doch die Bedeutung des St. Ingberter Industriedenkmals werde oft unterschätzt, weil sie einmalig im Land sei, pflichtete ihm Ulrich Bollert, Ortskurator Saarland der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, bei.

Der Westwallbunker in Blieskastel im Keller des ehemaligen Internatsgebäudes des Von-der-Leyen-Gymnasiums. Auch diese historische Stätte war am Sonntag für Besucher offen.
Alfons Blug (links), Vorsitzender der Initiative Alte Schmelz, im Gespräch mit Ulrich Bollert, dem Ortskurator Saarland der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bei der offiziellen Eröffnung am Vormittag hatten Schirmherr Albrecht Herold und Alt-Oberbürgermeister Winfried Brandenburg auf die Zeit nach der Stahlkrise und auf die Restaurierung der Siedlung zurückgeblickt. Es gab aber auch Ausblicke. Etwa auf den Mint-Campus. "Das ist die Zukunft", denkt Alfons Blug. Das klang schon fast wie das Motto der Podiumsdiskussion am Nachmittag, nämlich "Die Zukunft hat begonnen". Bei den Führungen wurden die Besucher überrascht. Sie begleitete die Marching Band "New Orleans Express".