Geplanter Neubau: St. Ingbert holt Silicon-Valley-Flair ins Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Neubau für IT-Unternehmen geplant : St. Ingbert holt Silicon-Valley-Flair ins Saarland

Die abat+ plant ein neues Bürogebäude im Innovationspark Beckerturm. Die Geschäftsführung und der OB setzen viel daran St. Ingbert zu einem zentralen IT-Standort zu machen. Doch gegen den Neubau gab es Proteste.

Große Pläne sind es, die Peter Grendel, Geschäftsführer der „abat+“ zurzeit verfolgt. Das berühmten „Silicon-Valley-Flair“ will er laut eigenen Worten nach St. Ingbert bringen. Und auch der Oberbürgermeister (OB) Ulli Meyer machte erst vor kurzen auf dem Neujahrsempfang klar: St. Ingbert soll IT-Standort werden. Nun werden offenbar Nägel mit Köpfen gemacht. Denn das seit 2010 im Innovationspark Beckerturm ansässige IT-Unternehmen abat+ – das unter anderem mit der zum Daimler-Konzern gehörenden Firma Daimler Protics zusammenarbeitet – soll maßgeblich erweitert werden. Bereits im Dezember vergangenen Jahres informierte man die angrenzenden Anwohner deswegen über einen geplanten Neubau auf dem Industriegelände. Doch diese stehen der Vorstellung eines möglichen Mehrgeschossers, der das gewohnte Bild des Gebietes verändern könnte, skeptisch gegenüber. Besonders, da ein möglicher Baubeginn bereits für Anfang dieses Jahres geplant ist. Und auch im Netz beginnt sich Widerstand gegen das Vorhaben zu sammeln.

Über 185 Unterschriften hat eine entsprechende Online-Petition bereits gesammelt, die von den betroffenen Anwohnern ins Leben gerufen wurde und sich mit dem markanten Slogan „Nein! Zum Büroklotz im Steinbruch der Becker Brauerei St. Ingbert“ gegen den geplanten Neubau wendet. Die Anwohner der Pfarrer-Lauer-Straße auf dem Hobels würden seitens der Geschäftsführung der Firma abat+ und des Innovationsparks „nicht nur hinsichtlich des geplanten Bauvorhabens bewusst getäuscht, sondern auch darüber hinaus vor vollendete Tatsachen gestellt“, heißt es unter anderem in der Petitionsbegründung. Auf dem Treffen im Dezember soll den Anwohnern zudem mitgeteilt worden sein, dass die Baugenehmigung seitens der Stadtverwaltung bereits mündlich erteilt wurde und in Kürze auch schriftlich erfolgen würde.

In einem gemeinsamen Treffen mit unserer Zeitung verteidigten der abat+-Geschäftsführer Peter Grendel, sowie Bürgermeister Markus Schmitt und OB Ulli Meyer die geplante Erweiterung im Innovationspark. Man verstehe das manche Anwohner sich auf Grund der raschen Entwicklung bei diesem Thema etwas vor den Kopf gestoßen fühlen, so Ulli Meyer. Eine rasche Baugenehmigung diene laut dem OB jedoch der Standortsicherung des IT-Unternehmens abat+ – und damit „eines der wohl schnellst wachsenden Unternehmen im Saarland“, wie dessen Geschäftsführer Grendel betont.

Demnach habe sich die Mitarbeiteranzahl seit der Unternehmensgründung von vor zehn Jahren nahezu verzehnfacht. Bis zu 200 neue Arbeitsplätze verspricht man sich laut Grendel von der Erweiterung und der gleichzeitigen Ansiedlung von Daimler Protics. Ein neues Bürogebäude würde dem nicht nur Rechnung tragen, sondern zugleich einen neuen zentralen Ort für die Mitarbeiter bieten, „an dem man sich schnell und flexibel finden kann“, so Grendel. Ein bisheriges Hauptproblem am Standort sei es nämlich, dass die Mitarbeiter, die je nach Projekt in immer wieder wechselnden Teams zusammenarbeiten, fast täglich zwischen den einzelnen Gebäuden des Unternehmens wechseln müssten, wie Grendel erklärt.

Noch ist das Gelände auf dem ehemaligen Steinbruch (unterer Bildbereich) neben der Becker-Villa unbebaut. In Kürze sollen hier aber schon die Bauarbeiten für das neue Firmengebäude beginnen. Foto: Timm Dorkowski

Doch auch er nehme die Sorgen der betroffenen Anwohner bezüglich des geplanten Bauvorhabens ernst und hofft letztendlich auf einen guten Interessensausgleich aller Beteiligten. „Ich möchte das größtmögliche Wohlbefinden für alle Seiten“, so der abat+-Geschäftsführer. Und auch Bürgermeister Markus Schmitt betont: „Wir machen das nicht nur für abat+, sondern auch für die St. Ingberter Bürger.

Gemeinsam sei man deswegen auch weiterhin Gesprächsbereit, wie OB Ulli Meyer erklärt. So wolle man die Anwohner etwa bei dem Thema Grünkonzept verstärkt mit einbinden. Vor kurzem hatte der OB auch alle Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat zu einem gemeinsamen Treffen wegen des geplanten Neubaus eingeladen. Zu diesem seien mit Ausnahme der AfD auch alle gekommen und hätten sich Wohlwollend zum Neubau geäußert, so der OB im Gespräch.

Vor einem möglichen Beton- oder Stahlkoloss müssen sich die Anwohner auf dem Hobels aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht sorgen. Aktuelle Baupläne zu dem geplanten Neubau, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen in erster Linie ein größtenteils verglastes – und damit auch stark lichtdurchlässiges – modernes Bürogebäude (siehe Foto). Das Gebäude würde laut Grendel zudem so weit wie es das umliegende Baugelände und die vorgeschriebenen Brandschutzbestimmungen zuließen, von der Anwohnerseite entfernt gebaut werden. Auch wolle man zusätzliche Bäume pflanzen. Der abat+-Geschäftsführer hofft nun nach eigenen Aussagen auf die endgültige Baugenehmigung, die laut Bürgermeister Schmitt in den kommenden Tagen erteilt wird. Bereits Ende Januar will man dann mit den Bauarbeiten beginnen.

In der ehemaligen Schwankhalle soll zudem ein Zentrum für mehrere Startup-Unternehmen errichtet werden. Foto: dt+p Architekten und Ingenieure GmbH

Bürgermeister Schmitt versicherte zudem, dass bei den betroffenen Anwohnern mittlerweile Einsicht und Verständnis für den Neubau eingekehrt wäre. Nach dessen Fertigstellung schwebt Peter Grendel schon das nächste große Ziel vor Augen – die Errichtung eines Zentrums für junge Startup-Unternehmen, wie er verrät.