Kinowerkstatt: Genauer Blick für Genüsse am Wegesrand

Kinowerkstatt : Genauer Blick für Genüsse am Wegesrand

Die Kinowerkstatt zeigt am Wochenende den Film „Paris kann warten“ von Eleanor Coppola.

(red) Ein Film wie ein Urlaub passt natürlich gut in die Urlaubszeit, dachte sich die Kinowerkstatt St. Ingbert und nahm „Paris kann warten“ ins Programm. Der Film ist am Freitag, 4. August, um 20 Uhr, am Sonntag, 6. August, um 20 Uhr und am Montag, 7. August, um 18 Uhr zu sehen. „Paris kann warten“ ist das Regiedebüt von Eleanor Coppola, Ehefrau von Francis Ford Coppola und Mutter von Sofia Coppola. Die Geschichte, die sie hier erzählt, hat sie selbst erlebt: 2009 begleitete sie ihren Mann nach Cannes und konnte dann wegen einer schweren Kopfgrippe den Flug nach Osteuropa nicht antreten. Die zweitägige Autofahrt nach Paris hat ihr nach eigenem Bekunden die Augen geöffnet für die Schönheit der französischen Landschaft, aber auch für die Genüsse am Wegesrand: leckere Speisen, guter Wein, interessante Architektur...

Jakob Lass hat zwei der aufregendsten jüngsten deutschen Filme gedreht, „Love Steaks“ (Max-Ophüls-Preis 2014) und jetzt die Komödie „Tiger Girl“, dieses Jahr auf der Berlinale uraufgeführt, mit der phantastischen Neuentdeckung Ella Rumpf (Deutschland 2017). Nochmals zu sehen in der Kinowerkstatt am Samstag, 5. August, um 18 und 22 Uhr.

„Tiger Girl“ spielt irgendwo in Berlin, obwohl man genau hinsehen muss, um das zu bemerken. Er handelt von Tiger, die auf einem Dachboden mit ein paar verpeilten Jungs haust, und von Maggie „Vanilla“, die die Aufnahmeprüfung zur Polizei verpatzt hat und nun wenigstens zu einem privaten Wachdienst will und einen Kurs bei einer Sicherheitsfirma beginnt, denn sie will Gutes tun. Sie bekommt eine Uniform, auf der „Security“ steht, und weil Tiger das ziemlich cool findet, beschafft sie ihr eine zweite. Nun lasst den Spaß beginnen....

Der Film handelt von einer Frechen und einer Schüchternen, die allmählich die Rollen tauschen. Er handelt von Erziehung durch Lehrer und Erziehung durch die Straße. Er handelt von einer hierzulande wachsenden Wut und wie sie sich Bahn bricht. Dafür hat Regisseur Lass zwei phänomenale Hauptdarstellerinnen gefunden: Die praktisch unbekannte Deutsch-Schweizerin Ella Rumpf als Tiger sowie die Deutsch-Rumänin Maria Dragus, die als Tochter eines Pfarrers im „Weißen Band“ erstes Aufsehen erregte.

Noch einmal zu sehen, ist am Samstag, 5. August, um 20 Uhr, der kurzweilige Film „Axolotl Overkill“ (Deutschland 2017) von Regisseurin Helene Hegemann. Es geht um die 16-Jährige Mifti (Jasna Fritzi Bauer): Sie ist die Tochter eines reichen Vaters und wohnt seit dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit ihren älteren Halbgeschwistern Annika und Edmond in einer Wohngemeinschaft in Berlin. Dort führt sie ein Partyleben, schwänzt die Schule. Mifti legt sich mit jedem Erwachsenen an, der versucht, ihr Vorschriften zu machen, und daher beschließt sie, auf eigene Faust erwachsen zu werden. Der Film beruht auf ihrem Buch „Axolotl Roadkill“, das Helene Hegemann jetzt selbst verfilmt hat. „Das Ergebnis ist sogar noch besser als das Buch“, schrieb Hanns-Georg Rodek in der Zeitung Die Welt.