Fieberhafte Suche nach den Gangstern von St. Ingbert : Erneut wurde ein Geldautomat in die Luft gesprengt

Die Postbankfiliale in der Poststraße in St. Ingbert bliebt bis einschließlich 18. März für die Kunden gesperrt.

„Ach du Sch…“. Als der Mann mittleren Alters den Trümmerhaufen am Montagmorgen betrachtet, weiß er, warum die Postfiliale derzeit nicht mehr betreten werden kann. Ein Hinweisschild an der Eingangstür lesen nun auch andere Kunden: „Wegen Einbruch ist die Postfachanlage bis einschließlich 18. März geschlossen.“ Punkt. Aus.

Was will man auch noch ausschweifend erklären? Und dann noch ein schriftlicher Hinweis. Dieser vermag eine Frau zu beruhigen, die sich gerade mehrmals laut gefragt hat, wie sie denn jetzt an ihr Geld kommen soll. Die Information lautet, dass man den nächsten Geldautomaten der „Cash Group“ bei der Commerzbank in der Rickertstraße und bei der Deutschen Bank in der Fußgängerzone finden kann. Cash group – ein Zusammenschluss von Geldinstituten, die das kostenlose Abheben von Bargeld ermöglichen. Also ist das eigentlich nicht vorhandene Problem schon mal geklärt.

Der Rest ist durch die dicke Glasscheibe zu besichtigen: ein Desaster. Ein per Gasgemisch gesprengter Geldautomat, der nun keine Scheine mehr rausrückt. Die Einbruchspuren an der Pforte sind deutlich sichtbar. Es war in der Nacht zu Sonntag, als gegen 4.30 Uhr ein Zeitungsbote die Polizei alarmierte. Niemand sonst, so Stephan Laßotta, Pressesprecher im Polizeipräsidium Saarbrücken, habe den Vorfall bemerkt. Am Montag waren Beamte noch mit der Spurensicherung beschäftigt. Wieviel Geld der oder die Gangster dem jetzigen Haufen Elend entnommen haben, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Und wird auch öffentlich nicht kommuniziert, wie es aus Polizeigründen heißt – aus verständlichen Gründen.

Nicht auszuschließen sei bislang, so Stephan Laßotta, dass die Sprengung in St. Ingbert mit der in Völklingen in Verbindung steht. Die geschah am 21. Februar. Im vorigen Jahr waren es im Übrigen drei vollendete und drei versuchte Sprengungen bei Bankinstituten im Saarland. Zur Erläuterung: Bei den Versuchen sind sehr wohl die Geldautomaten in die Luft geflogen und der Sachschaden war immens, erbeutet jedoch wurde nichts. Los ging die Serie der Geldautomaten-Sprengungen an der Saar laut Polizeipräsidium im Jahr 2014. Damals konnten vier Taten aufgeklärt werden. In St. Ingbert ist man noch auf der Suche nach den Gangstern.

Zu einem zunächst „unklaren Geschehen“ nach dem gewaltigen Rumms in der Poststraße, seien, wie die Feuerwehr mitteilt, die Einsatzkräfte in den frühen Morgenstunden des Sonntags alarmiert worden. 20 ehrenamtliche Helfer rückten mit drei Fahrzeugen zur Einsatzstelle aus.

Vor Ort seien – in enger Absprache mit der Polizei – Messungen hinsichtlich einer etwaigen Gaskonzentration im Gebäude vorgenommen worden, heißt es von Seiten der Polizei weiter. Weiterhin erfolgte eine Kontrolle per Wärmebildkamera.

Nachdem diese Überprüfungen keine Gefahren für die Bevölkerung und insbesondere für die Kundinnen und Kunden ergaben, konnten die Einsatzkräfte gegen 7 Uhr den Einsatz schließlich beenden.