Geistliche sehen Kirche in der Krise

Wie kommt die katholische Kirche wieder auf Kurs? Diese Frage begleitete die Dialogreihe des Katholikenrates. In der Barockstadt wurden am Montagabend Zukunftsperspektiven und mögliche Neuausrichtungen diskutiert.

In der Reihe "Dialog" war kürzlich der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann zusammen mit Domkapitular Franz Vogelgesang, Generalvikar Franz Jung sowie dem Kanzleidirektor Wolfgang Jochim zu Gast in Blieskastel. Die Dialogreihe wurde nicht zuletzt vom Katholikenrat angeregt, dessen Vorstandsmitglieder Astrid Walter und Alfred Lenz ebenfalls mit im Forum vertreten waren. Eingeladen waren neben den Pfarrern und Hauptamtlichen auch Vertreter der Pfarrgemeinderäte und weitere Ehrenamtliche und sonstige Interessierte.

Im Vorfeld waren die Pfarrgemeinderäte im Pfarrverband Blieskastel aufgefordert worden, Zukunftsbriefe zu verfassen. Mit Hilfe von mehreren Leitfragen sollten sich die Schreiber der Zukunftsbriefe mit der gegenwärtigen Situation der Kirche auseinandersetzen und Perspektiven für die Zukunft entwickeln. Und die scheint sich nicht rosig zu entwickeln. Sowohl der Bischof als auch Alfred Lenz vom Katholikenrat sprachen von einer "Krise". "Wir sind in einer ganz schwierigen Umbruchsituation. Die Probleme werden jetzt offensichtlich und wachsen sich jetzt zu einer Krise aus", stellte der Bischof unumwunden fest.

Über Dialog aus der Sackgasse

Und das Vorstandsmitglied des Katholikenrates Alfred Lenz stellte fest, dass man sich "neu justieren" müsse. "Es muss ein Suchen nach neuen Wegen stattfinden, der Austausch muss offen sein", so seine Analyse. Und er stellte eindeutig fest: "Der Dialog ist alternativlos". In der Diskussion waren die Zusammenfassungen der Zukunftsbriefe dann die Grundlage der Diskussion. Immerhin hatten 17 der 18 Pfarrgemeinderäte im Pfarrverband Blieskastel diese Zukunftsbriefe verfasst. Drei Leitfragen sollten die Situation erhellen und bei der Analyse behilflich sein. "Christen leben aus dem Geist Gottes. Was sind meine geistlichen Kraftquellen", lautete die erste Leitfrage. Im zweiten Teil wurde die Wirkung der Kirche in die Gesellschaft hinein abgefragt: "Was ist unser Beitrag vor Ort?"

Lange wurden die Aspekte der dritten Leitfrage diskutiert: "Kirche ist als Volk Gottes unterwegs. Was ist in den nächsten zehn Jahren wichtig für unseren Weg als Pfarrei 2015?" Hier diskutierte man über den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen, der Gleichberechtigung der Frau, dem Diakonat der Frau oder über den Ausbau der Ökumene.

Auch stellte man sich die Frage, wie man mehr Gottesdienstbesucher gewinnen oder auch mehr junge Menschen erreichen könne. Oder aber, wie "mitreißende Angebote" aussehen könnten oder wie man neue Ehrenamtliche rekrutieren könne. Der Bischof machte deutlich, dass man sich in allen Fragen bemühe und man auch die Probleme sehr ernst nehme. Er selbst etwa sei in einer Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz, die sich über den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten Gedanken mache. Hier sehe man sehr wohl die Probleme in den gescheiterten Ehen und die Suche nach einer neuen Perspektive etwa der Verlassenen.