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Gebäude-Ensemble soll zerstört werden

Gebäude-Ensemble soll zerstört werden

Gebäude-Ensemble soll zerstört werdenZu Artikeln über die alte Turnhalle am Leibniz-Gymnasium am 12., 19. und 21. November:Fünf private Denkmaleigentümer im Saarland wurden geehrt und belohnt, weil sie bei der Bewahrung ihres Denkmals Herausragendes geleistet haben (SZ vom 22. November, Seite B 1), in St

Gebäude-Ensemble soll zerstört werden

Zu Artikeln über die alte Turnhalle am Leibniz-Gymnasium am 12., 19. und 21. November:

Fünf private Denkmaleigentümer im Saarland wurden geehrt und belohnt, weil sie bei der Bewahrung ihres Denkmals Herausragendes geleistet haben (SZ vom 22. November, Seite B 1), in St. Ingbert wollen der Landrat und der Oberbürgermeister die denkmalgeschützte Turnhalle des Leibniz-Gymnasiums abreißen und dabei ein architektonisches Ensemble zerstören.

Wiltrud Gurschinski, St. Ingbert

Abriss der Turnhalle ist notwendig

Zu "Alte Turnhalle steht vor dem Abriss" vom 12. November und "Meyer: Alte Turnhalle erhalten" vom 19. November sowie verschiedenen Leserbriefen vom 22. November:

Als Lehrer des Leibniz-Gymnasiums, der das Bauvorhaben "Leibniz-Gymnasium" von Anfang an begleitet und mitgestaltet hat, möchte ich hierzu einige Anmerkungen machen. Vielleicht gelingt es, so ein wenig zur Sachlichkeit in der Debatte um den Plan, die alte Turnhalle abzureißen und an ihrer Stelle ein neues Gebäude zu errichten, beizutragen.

Die Planungen für einen Erweiterungsbau des Leibniz-Gymnasiums am Standort Koelle-Karmann-Straße gingen von Beginn an, also seit 2008, davon aus, dass die alte Turnhalle baulich soweit ertüchtigt und umgebaut werden könnte, dass in ihr verschiedene schulische Bereiche, wie Mensa, Pausenverkauf, Schülerbibliothek oder Aufenthaltsraum für die Oberstufenschüler sowie die Nachmittagsbetreuung stattfinden würde. Obwohl es schon damals viele kritische Stimmen gab, die auf die unzureichende Raumsituation und die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Bau hinwiesen, habe ich dieses Vorhaben befürwortet. Für mich bedeutete die Umnutzung der alten Turnhalle eine geradezu vorbildliche Verbindung von Tradition und Fortschritt, von neuer Bildung in historischem Gewand.

So sehr ich den Abriss dieses fast 100 Jahre alten, architektonisch beeindruckenden Gebäudes bedauere, so sehr sehe ich aber auch die Notwendigkeit, da sich die Ausgangssituation grundsätzlich geändert hat.

Alle Gutachten zur Statik der alten Turnhalle kommen zu dem Ergebnis, dass selbst eine kostspielig sanierte Halle nur noch kurze Zeit, das heißt höchstens drei Jahrzehnte, genutzt werden könnte und dass somit eine Erhaltung wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Selbst der Denkmalschutz erhebt keinen Einspruch gegen den Abriss dieses "denkmalgeschützten Ensembles", da die Bausubstanz zu marode ist, als dass eine sinnvolle Weiterverwendung möglich wäre. Die Idee, die alte Turnhalle als leere Hülle ohne weitere Funktion stehen zu lassen, scheint auch für die Experten keine ernsthafte Alternative zu sein.

Wer gute Bildung will, muss die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellen. Das kostet nicht nur, sondern manchmal sind auch unerwartete und schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.

Philippe Imbsweiler, Lehrer, Vorsitzender des Personalrates und Koordinator für die Nachmittagsbetreuung am Leibniz-Gymnasium