Kostenpflichtiger Inhalt: Gastro-Szene : Wiedereröffnung der Gastronomie mit gemischten Gefühlen

Die Gastro-Szene ist sicherlich einer der Bereiche, der am meisten unter dem Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie leidet. Nach nun bereits einigen erfolgten Lockerungsmaßnahmen dürfen die Gastronomen ab Montag, 18. Mai, im Saarland ebenfalls wiedereröffnen – zumindest teilweise. Wie gehen die Wirte in St. Ingbert damit um?

Etwas zwiegespalten sieht Oliver Muskalla die Sache. Der Inhaber des Restaurants „Sudhaus Genussloft“ in der Kaiserstraße 170-174 sagt: „Natürlich freue ich mich, aber die Skepsis ist da.“ Tische beispielsweise müssen weit genug auseinander stehen, um die Einhaltung der Abstandsregeln gewährleisten zu können. Da habe man im Sudhaus eine komfortable Situation, „weil wir genug Fläche haben“. Das Tagesgeschäft legt der Unternehmer auf Eis, die Möglichkeit zur Mitnahme jedoch sei gut angenommen worden und werde in dieser Form auch beibehalten. Bei gutem Wetter wird auch die Außenbestuhlung geöffnet, da könne man etwa das selbst gebraute „Herz- und Heimatbier“ genießen. Ansonsten wird das Konzept „mit vielen leckeren Steaks“ weitergefahren. Geöffnet ist die Küche montags bis samstags von 17 bis 21 Uhr, Sonntag ist Ruhetag. Sicher ist jedenfalls, dass er aufgrund der Einbußen im nächsten halben Jahr wird weiter kämpfen müssen. 40 Prozent des Geschäftes machen normalerweise Hochzeiten und Geburtstagsfeiern aus – davon wurden 90 Prozent abgesagt.

Nur die Außenfläche wird im Restaurant „Zum Kulturhaus“ Rentrisch in der Unteren Kaiserstraße 88 vorerst geöffnet. Zumindest ist das der Plan der Betreiber Martin und Michael Hall, denn derzeit warten sie noch auf die Freigabe und Richtlinien der St. Ingberter Verwaltung. Wegen der baulichen Gegebenheiten, die die Einhaltung der Abstandsregeln kaum zulässt, sei die Nutzung der Innenfläche jedenfalls nur schwer möglich. Für Martin Hall und sein Team kam die Schließung fast zeitgleich zur Feier des einjährigen Bestehens am 15. März. Dadurch entschloss man sich dazu, den „Dibbelabbes-Heimservice“ zu gründen. Der Lieferservice werde auch weiterhin angeboten und ausgebaut. Damit werde in dem kleinen Ort auch eine soziale Lücke geschlossen, da einige ältere Leute sicherlich derzeit unsicher seien, was den Gang zum Biergarten angeht. Auch konnten viele Kunden aus den umliegenden Orten dazu gewonnen werden. Die angebotene Karte wird dem Angebot des Heimservice entsprechen. Auch wenn man im Vorfeld viel Geld in die Hand nahm, wegen der komplett neuen Einrichtung, der neuen Terrasse, Küche und für die Werbemittel für den Lieferservice, zeigen sie sich dennoch zuversichtlich, dass die Wiedereröffnung zur passenden Zeit gelingt.

Peter Biedermann von „Die Schmidd“ in der Poststraße 27 hebt einen für ihn freudigen Aspekt in der Schließungszeit hervor: „Wir konnten neue Gäste begrüßen.“ Das sei dem Abholservice zu verdanken, der zumindest einiges an Verlust wettmachen konnte. Durch diese positive Erfahrung gestärkt wird er also ab Montag auch über die Mittagszeit öffnen und Stammgerichte anbieten. Trotzdem zeigt er sich nicht grenzenlos optimistisch und möchte bis Ende Mai das Ganze erst mal beobachten und dann entscheiden, ob er danach weiterhin geöffnet lässt. Etwas Bauchweh bereitet ihm die Maßgabe, dass die Gastronomen ihre Plätze nur nach Vorbestellung vergeben dürfen und dazu „sensible Daten“ erfasst werden müssen. „Das ist mir zu gläsern“, übt er Kritik. Gleichzeitig rechnet er vor, dass er für vier Leute, die an einem Tisch sitzen und jeweils 1,50 Meter Abstand untereinander halten müssen, sechs Quadratmeter Fläche benötige. Und auch die Infos durch Berufsgenossenschaft, den Verband Dehoga, das Land und den Bund mache die Sache nicht einfacher: „Jeder sagt irgendwie was anderes.“

Peter Biedermann hat den Biergarten seiner Schmidd extra erweitert. Foto: Stefan Bohlander Foto: Stefan Bohlander

Dass die Situation nach der Wiedereröffnung und nach Corona generell „nicht immer so“ bleibt, davon sind Eric und Isabelle Dauphin überzeugt, die „Die Alte Brauerei“ in der Kaiserstraße 101 betreiben. Nach der Schließung hatten die beiden komplett dichtgemacht, also weder Hol- noch Bringservice angeboten, da man so nicht die gewohnte Qualität hätte garantieren können. Somit kommen die drei Mitarbeiter nun aus der Kurzarbeit zurück. Dass die Alte Brauerei den Lockdown meistern konnte, haben die Dauphins übrigens der Bankenkrise 2008/2009 zu verdanken: „Daraus haben wir gelernt und einige Mittel zurückgelegt.“ Für den Montag gibt es bereits einige Reservierungen, empfangen werden die Gäste mit einer neuen Karte, die aber sowieso geplant war. Gemeinsam steht man von 12 bis 14 und von 18 bis 22 Uhr für die Gäste bereit – und naturgemäß hofft das Team auf möglichst viele. Denn, so das Paar: „Die Gäste sind die einzigen, die die Gastronomien retten können.“